Metallindustrie

Thyssens Grobblechsparte steht vor dem Aus

Beim deutschen Industrieriesen Thyssenkrupp droht dem großen Werk für Grobbleche in Duisburg die Schließung. Ein Kaufinteressent habe sich zuletzt wieder abgewendet, wie es hieß. Der Konzern legt in Kürze seine jüngsten Ergebnisse vor.

Die IG Metall sieht sich angesichts der drohenden Schließung des Grobblechwerks von Thyssenkrupp Steel in ihrer Forderung nach einem Staatseinstieg bei der Stahlsparte bestätigt. "Die Information, dass der letzte Bieter für das Grobblechwerk in Duisburg Hüttenheim abgesprungen ist, ist ein schwarzer Tag für den Stahlstandort NRW und die Beschäftigten", erklärte der Chef der IG Metall NRW, Knut Giesler.

Auch wenn bis Ende Dezember noch die Möglichkeit bestehe, dass sich ein Käufer finde, würden die Chancen, eine Schließung zu verhindern, sinken. "Die aktuelle Situation zeigt wie dringend notwendig eine Staatsbeteiligung für den Stahlbereich von Thyssenkrupp ist."

Die Gewerkschaft fordert, dass sich der Staat mit mindestens 25 Prozent an Thyssenkrupp Steel Europe beteiligt. Die Sparte schreibt hohe Verluste. Thyssenkrupp führt Gespräche mit dem Land NRW und dem Bund über mögliche Hilfen.

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Laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart wird geprüft, ob das Unternehmen unter den Wirtschaftsstabilisierungsfonds fallen könnte. Die ohnehin schwächelnde Stahltochter ist von der Coronakrise schwer getroffen. Wenn am Donnerstag Konzernchefin Martina Merz die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 vorstellt, dürfte Thyssenkrupp Steel Europe eine große Rolle bei den erwarteten hohen Verlusten spielen.

Vorstand bereitet Beschäftigte auf die Schließung vor

Der Stahlvorstand bereitet die rund 800 Beschäftigten des Grobblechwerks auf das drohende Aus vor: "In einem mehrmonatigen intensiven Verkaufsprozess haben wir mit verschiedenen Interessenten Gespräche geführt. Leider bisher ohne Ergebnis", hieß es in einer Reuters vorliegenden Mitarbeiterinfo. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass die im Tarifvertrag "Zukunftspakt Stahl 20-30" vereinbarte Schließung des Bereichs bis spätestens zum 30. September 2021 kommen könne. Beschlüsse zu der Frage seien in den kommenden Wochen zu erwarten.

Alle Mitarbeiter sollen einen Arbeitsplatz angeboten bekommen

Stahlvorstand und IG Metall hoben hervor, dass es nach dem Tarifvertrag keine Entlassungen geben soll. "Für die Beschäftigten des Werkes gibt es Sicherheit", betonte Giesler. Alle Mitarbeiter erhielten ein Arbeitsplatzangebot bei Thyssenkrupp. Möglich seien etwa Versetzungen an andere Standorte von Steel", kündigte der Stahl-Vorstand an. (reuters/apa/red)