Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Betriebsräte warnen Finanzfirmen vor dem Griff in die Kassa

Betriebsräte von Thyssenkrupp warnen aggressiv auftretende Finanzfirmen wie Cevian, das Geld aus dem Verkauf der lukrativsten Sparte einfach an sich zu "transferieren". Der Konzern leide unter Geldnot und brauche die Mittel dringend selbst.

Die Arbeitnehmervertreter des kriselnden Thyssenkrupp-Konzerns haben sich dagegen ausgesprochen, Einnahmen aus dem geplanten Verkauf der Aufzugssparte an die Aktionäre auszuschütten. "Die Stahlsparte braucht wie alle Bereiche ausreichend Mittel", sagte Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol am Donnerstag vor Journalisten in Duisburg.

Der Konzern leide unter Geldnot. Die Einnahmen würden für den Umbau des Unternehmens benötigt, etwa für Restrukturierungen, Investitionen oder soziale Maßnahmen.

Cevian hält 18 Prozent - Singapur erhöht Beteiligung

Größte Aktionäre sind die Krupp-Stiftung mit 21 Prozent und die Finanzfirma Cevian mit 18 Prozent. Thyssenkrupp findet gerade trotz des bevorstehenden Abstiegs aus dem Dax ein wachsendes Interesse bei seinem Großaktionär aus Singapur. Die Regierung des Stadtstaates habe ihren Stimmrechtsanteil von zuvor 3,2 auf 5,3 Prozent erhöht, teilte der Konzern mit.

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Lukrative Aufzugsparte wird verkauft

Konzernchef Guido Kerkhoff will die lukrative Aufzugsparte ganz oder teilweise verkaufen. Das war auch aus Investoren-Kreisen immer wieder gefordert worden.

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Warnung der Betriebsräte

Betriebsratschef Nasikkol nahm den schwedischen Finanzinvestor Cevian aufs Korn: "Wenn so ein Cevian um die Ecke kommt und sagt, wir greifen mal in die Kasse, dann sagen wir: Nicht mit uns"

Nach diversen Strategieschwenks soll die zuletzt ungeliebte Stahlsparte wieder Kerngeschäft des Traditionsunternehmens sein. Nach mehr als drei Jahre langen Bemühungen war im Frühjahr die geplante Fusion von Thyssenkrupp Steel Europe und Tata Steel Europe gescheitert.

Damit sind auch eine Reihe von Zusagen wieder offen, die der Vorstand den Thyssen-Stahlkochern für den Fall eines Zusammenschlusses gemacht hatte. Hierzu gehörte etwa eine weitgehende Job- und Standortgarantie bis 2026. Die Arbeitnehmervertreter wollen möglichst viele der Zugeständnisse bewahren. "Es wird keine betriebsbedingte Kündigungen geben", sagte Nasikkol.

6.000 Arbeitsplätze sollen trotzdem verschwinden

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff will die Kosten deutlich senken und binnen drei Jahren 6.000 der rund 160.000 Arbeitsplätze des Konzerns streichen, davon etwa 2.000 im Stahlbereich. Ende November wird der Stahlvorstand sein Konzept vorstellen. Nasikkol rechnet mit Auseinandersetzungen. "Die Mannschaft weiß, dass es einen heißen Herbst oder einen heißen Winter geben könnte."

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Das Stahlgeschäft ist wie der gesamte Konzern stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet und bekommt deshalb die Schwäche dieser Kunden ebenso zu spüren wie die stark gestiegenen Rohstoffkosten. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende September) war der operative Gewinn der Sparte auf 77 Mio. Euro von zuvor 586 Mio. Euro eingebrochen. (reuters/apa/red)