Stahlindustrie

Thyssenkrupp: Aufspaltung in zwei Teile und teure Fusion

Der deutsche Industrieriese will sich in zwei Teile spalten: Einen Bereich für das Industriegeschäft und eines für Werkstoffe. Im Aufsichtsrat gibt es wieder Streit: Ein Teil der Kontrolleure lehnt den Daimler-Manager Bodo Uebber als neues Mitglied ab. Konzernchef Kerkhoff wirbt jetzt wieder um die Gunst der Finanzfirmen.

Der deutsche Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp erwartet durch die geplante Aufspaltung erhebliche Kosten. Im neuen Geschäftsjahr würden nach vorläufigen Berechnungen der Jahresüberschuss und der freie Mittelzufluss mit einem höheren dreistelligen Millionenbetrag belastet, teilt das Unternehmen in Essen mit.

Konzernchef Kerkhoff wirbt um die Gunst des Finanzmarkts

Mit Ausnahme der Stahlsparte, die mit dem indischen Konzern Tata Steel fusioniert werden soll, verzeichnen fast alle Bereiche Einbußen.

Nach den jüngsten Einbrüchen auch beim Aktienkurs wirbt jetzt Konzernchef Guido Kerkhoff um das Vertrauen bei Investoren und den aggressiv auftretenden Finanzfirmen, die sich in jüngerer Zeit bei Thyssen eingekauft haben. "Wir bekennen uns klar zu unseren bestehenden Performance-Zielen. Mit den Geschäftsbereichen sind Maßnahmen vereinbart, um diese zu erreichen", so Kerkhoff.

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Fusion mit Tata Steel wird sehr teuer

Kerkhoff kündigte an, die Zusammenlegung des Stahlgeschäfts mit dem indischen Konzern Tata Steel sowie die geplante Aufspaltung des Konzerns voranzutreiben und die Sparten auf Rendite zu trimmen. "Die Teilung reduziert die Komplexität und erlaubt es beiden Unternehmen, unabhängiger, schneller und zielgerichteter auf Kunden und Märkte zu reagieren und Investoren mit unterschiedlicher Ausrichtung anzusprechen."

Dazu kommt neuer Streit im Aufsichtsrat. Dieser konnte sich nicht auf die Berufung des scheidenden Daimler-Finanzchefs Bodo Uebber einigen. Eingeweihten zufolge wollte die mächtige Krupp-Stiftung Uebber haben, aber er hatte mehr Geld gefordert.

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Zwei Sparten: Industrie und Werkstoffe

Kerkhoff will den Konzern in eine Industrial AG um die lukrative Aufzugssparte und eine Materials AG aufteilen, zu der unter anderem die Beteiligung an dem geplanten Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel gehören soll. Über die Pläne solle die Hauptversammlung im Jänner 2020 abstimmen. Der Spaltungsbericht solle im vierten Quartal 2019 vorgestellt werden und über die beiden Vorstandsteams bereits in Frühjahr entschieden werden.

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Acht Millionen Euro Gewinn - Stahlsparte legt zu

Im fortgeführten Geschäft peilt der Mischkonzern 2018/19 einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von über einer Milliarde Euro an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fuhr der Konzern hier 706 Millionen Euro ein. Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp nach Anteilen Dritter gerade noch acht Millionen Euro. Während die Stahlsparte operativ zulegte, ging es im Geschäft mit der Belieferung der Autoindustrie bergab.

Auch die Aufzugssparte zeigte Schwächen. Die Sparte Industrial Solutions mit dem Anlagenbau und dem Marinegeschäft schloss mit einem Verlust von 255 Mio. Euro ab. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 15 Cent je Aktie erhalten.

Die Aufzugsparte von Thyssenkrupp hat vor wenigen Tagen die erste industrielle Anwendung für Mixed Reality präsentiert. Mehr dazu hier: Digitaler Zwilling statt Schießereien mit Monstern >>

Streit im Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat konnte sich unterdessen Insidern zufolge nicht auf die Berufung des Daimler-Finanzchefs Uebber einigen. Ursache hierfür sei, dass Uebber eine Erhöhung der Bezüge für die Mitglieder des Aufsichtsrats gefordert habe. Dies sei bei den Arbeitnehmervertretern auf Widerstand gestoßen. Uebber soll nach dem Willen der Kapitalseite, darunter die Krupp-Stiftung, auch die Nachfolge des derzeitigen Aufsichtsratschefs Bernhard Pellens antreten.

(reuters/dpa/apa/red)

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