Metallindustrie

Thyssen weiter im Krisenmodus: Dem Blechwerk droht die Schließung

Thyssenkrupp steckt auch unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz tief in den roten Zahlen fest. Dem Werk für Grobbleche in Duisburg droht die Schließung. Die Entscheidung über die Aufzugsparte soll bis Ende Februar kommen.

Thyssenkrupp steckt auch unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz tief in den roten Zahlen fest. Der Stahl- und Industriekonzern hat in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit einem Nettoverlust von 372 Mio. Euro bereits ein höheres Minus eingefahren als im gesamten Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Verschuldung ist kräftig gestiegen, das Eigenkapital nahezu aufgebraucht. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Für das Gesamtjahr rechnen die Essener mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als 2018/19, bei dem am Ende ein Fehlbetrag von 260 Mio. Euro zusammengekommen war.

Keine Entwarnung für die Mitarbeiter

"Die aktuellen Zahlen können nicht begeistern", kommentierte Merz die erste Quartalsbilanz nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober. Schon bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen hatte die Interimschefin die Aktionäre auf eine längere Durststrecke eingestimmt.

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Für die Mitarbeiter gibt es keine Entwarnung: Finanzchef Johannes Dietsch wollte nicht ausschließen, dass der Stellenabbau über die bisherigen Planungen von 6.000 Jobs hinausgehen könnte. Er habe aber "jetzt keine neue Zahl" für die Öffentlichkeit. Derzeit werde bei Thyssenkrupp jeder Stein umgedreht.

Besonders bitter für Thyssenkrupp ist die Lage der Stahlsparte, die künftig wieder mehr zum Kerngeschäft des Traditionskonzerns werden soll. Sie lieferte einen Verlust von 164 Mio. Euro, im Vorjahresquartal hatte noch ein kleiner Gewinn von 38 Mio. Euro zu Buche gestanden.

>> Lesen Sie auch unsere Analyse Voestalpine vs. Thyssenkrupp: Aufstieg und Niedergang zweier Stahlkonzerne

Thyssen braucht bald frisches Geld

Der Industrieriese braucht für die Schuldentilgung und den Konzernumbau dringend frisches Geld, das aus der profitablen Aufzugssparte kommen soll. Bis Ende Februar will der Vorstand entscheiden, ob der profitable Geschäftszweig verkauft oder an die Börse gebracht wird. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden", sagte Dietsch in einer Telefonkonferenz. Man prüfe derzeit "sehr stark" die Verkaufsoption. Angebote haben Finanzinvestoren und Wettbewerber eingereicht. Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer bei Thyssenkrupp.

Für einen Verkauf an einen Konkurrenten wie den finnischen Kone-Konzern, der annähernd 17 Mrd. Euro geboten haben will, sieht Dietsch aber Probleme. Der Verkauf an einen solchen strategischen Investor werde dazu führen, "dass wir die Gelder erst nach einer umfangreichen Kartellprüfung erhalten werden", sagte er. Das müsse im "Kriterienkatalog" für die Entscheidung berücksichtigt werden. Auch die IG Metall hatte vor einer Hängepartie bei einem Verkauf an Kone gewarnt. Betroffen von der Transaktion ist fast jeder dritte der weltweit rund 160.000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp.

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Aufzugsparte von Thyssen: Schindler sagt Kone den Kampf an >>   
Bericht: Bei Thyssenkrupp muss der Chef der Stahlsparte gehen >>

Über der Stahlsparte von Thyssenkrupp hängen dunkle Wolken. Ende des Monats nimmt der bisherige Vorstandssprecher von Thyssenkrupp Steel Europe, Premal Desai, seinen Hut - es habe "unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Stahlgeschäfts" gegeben, hatte Thyssenkrupp mitgeteilt. Hinzu kommen konjunkturelle Probleme. "Bei allen großen Stahlabnehmern schwächelt die Nachfrage", sagte Experte Roland Döhrn vom Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Baukonjunktur helfe Thyssenkrupp nicht, da dort vor allem billigerer Importstahl zum Einsatz komme.

Nach dem Verbot der Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata muss Thyssenkrupp seine Stahlsparte im Alleingang auf Kurs bringen. Ob das ohne eine Zusammenarbeit mit anderen Stahlherstellern dauerhaft gelingen kann, ist fraglich. Thyssenkrupp hält jedenfalls eine Konsolidierung in der Stahlbranche nach wie vor für sinnvoll, wie Dietsch bekräftigte.

Konzernchefin Merz, die schon im kommenden Oktober wieder auf den Posten der Aufsichtsratschefin zurückwechseln will, sieht den Konzern trotz der aktuell schlechten Zahlen auf dem richtigen Weg. "Die Richtung stimmt", versicherte sie.

Dem Duisburger Grobblechwerk droht die Schließung

Thyssenkrupps Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim droht die Schließung. Wenn bis 30. Juni kein Käufer gefunden werde, soll dort die Fertigung eingestellt werden, bestätigte das Unternehmen. In der Grobblechproduktion arbeiten nach Angaben der deutschen IG Metall rund 800 Mitarbeiter. Thyssenkrupp will sie weiterbeschäftigen.

"Wir werden den Mitarbeitenden in jedem Fall einen Arbeitsplatz an anderer Stelle im Stahl anbieten", versicherte Personalvorstand Oliver Burkhard. Beschäftigte aus dem Grobblechwerk demonstrierten vor dem Werkstor gegen die Schließungspläne. Grobbleche werden unter anderem als Baustahl, beim Schiffsbau und für Großrohre eingesetzt. Thyssenkrupp will seine Stahlsparte neu ordnen und nach bisherigen Angaben 2.000 Stellen abbauen. (dpa/apa/red)

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