Stahlindustrie

Thyssen mit Tata: Andreas Goss soll Chef des neuen Stahlriesen werden

Thyssenkrupp und Tata Steel verhandeln gerade über die Führungsmannschaft der neuen Gemeinschaftsfirma. Eingeweihten zufolge soll Andreas Goss ihr Chef werden. Er steht derzeit dem Stahlgeschäft von Thyssenkrupp in Europa vor. Mitarbeiter kritisieren, dass bis heute die Arbeitsteilung zwischen den Werken in Deutschland, Holland und England völlig unklar sei.

Thyssenkrupp und Tata Steel stehen Insidern zufolge kurz vor einer Einigung auf die Führungsmannschaft ihres geplanten Stahl-Joint-Ventures. Der Chef von Thyssenkrupp Steel Europe, Andreas Goss, sei Favorit für die Leitung des Unternehmens, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen beider Konzerne der Nachrichtenagentur Reuters.

Goss hat die Stahlsparte von Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebracht und sich für das Gemeinschaftsunternehmen mit Tata stark gemacht, durch das der zweitgrößte europäische Stahlriese nach ArcelorMittal entstehen soll.

Im Überblick:
Thyssenkrupp: Die 6 größten Problemfelder >>

White Paper zum Thema

Neben Goss wird den Insidern zufolge wohl auch der Chef von Tata Steel Europe, Hans Fischer, in den Vorstand einziehen. Der Niederländer spricht fließend Deutsch und war früher auch für Salzgitter und Thyssenkrupp tätig. Der Vorstand des Joint Ventures werde womöglich nur vier Mitglieder haben und von beiden Firmen paritätisch besetzt werden.

Thyssenkrupp lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die Aussage von Konzernchef Guido Kerkhoff, wonach eine Entscheidung vor Weihnachten fallen soll. Von Tata war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Aktuell zu dieser Fusion:
Fusion mit Tata: Brüssel fordert von Thyssen fehlende Unterlagen ein >>
   
Thyssenkrupp: Die Aufspaltung und die teure Fusion >>

Völlig unklare Arbeitsteilung zwischen den Werken in Deutschland, Holland und England

Die Arbeitnehmervertreter von Thyssenkrupp Steel hatten die schleppende Besetzung der künftigen Führung kritisiert. "Es gibt viel zu besprechen, aber uns fehlen die Ansprechpartner", hatte der Betriebsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Tekin Nasikkol, beklagt. "Ich muss das scharf kritisieren." Es müsse zwischen den Partnern mit ihren Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien geklärt werden, wer, wo und was produziere.

Der Chef der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Dieter Lieske, sagte Reuters: "Es wird viel spekuliert. Für uns ist wichtig, dass an der Spitze des Joint Venture jemand steht, der das Stahlgeschäft versteht und nicht nur Zahlen von links nach rechts dreht. Wir brauchen an der Spitze einen echten Lobbyisten für Stahl."

Im Überblick:
Thyssenkrupp: Chronologie zu Aufstieg, Abstieg und Aufspaltung >>

Zur Person Andreas Goss

Goss ist seit 2012 ist er im Vorstand von Thyssenkrupp Steel Europe. Zunächst war er Finanzchef, seit 2014 ist er Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft. Diese steht nach der Krise des Konzerns in Folge des Stahl-Desasters in Amerika gut da. Dies war auch einigen Sparprogrammen zu verdanken und der Zustimmung der Arbeitnehmer zu einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit.

Die vom ehemaligen Konzernschef Heinrich Hiesinger verschmähte Stahlsparte erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) einen operativen Gewinn von 687 Millionen Euro. Sie war damit nach der Aufzugssparte, die 866 Millionen Euro einfuhr, der zweitgrößte Gewinnbringer. (reuters/apa/red)