Digitalisierung

Studie: Roboter bedrohen jeden zweiten Job von Menschen über 50

In Österreich könnte mehr als jeder zweite Beschäftigte über 50 durch Roboter und die Digitalisierung seine Arbeit verlieren, so eine neue Studie der Beratungsfirma Mercer. Gleichzeitig findet demnach eine Verschiebung der Gewinne statt - und zwar weg von den Löhnen und hin zum Besitz der Produktionsmittel.

Maschinen können bald mehr als die Hälfte der Tätigkeiten übernehmen, die jetzt von Menschen ausgeübt werden. Dementsprechend ist mehr als die Hälfte der Jobs mittelfristig von Automatisierung oder "Robotern" bedroht. Ältere Menschen trifft das besonders hart, weil sie sich schwertun, eine neue Arbeit zu finden oder umzusatteln, zeigt eine Mercer-Studie.

Auch die Arbeit der Jungen ist bedroht

Wie groß der Anteil ersetzbarer älterer Menschen in einem Land ist, hängt von ihrer Ausbildung, dem Anteil der industriellen Produktion, den Sozialausgaben und dem gesetzlichen Rahmen ab.

Dementsprechend wird die künftige Arbeitslosigkeit bei Menschen zwischen 50 und 64 Jahren stark von Sozialausgaben der Regierung und der Firmen, Veränderungen in der industriellen Produktion, finanzieller Unterstützung sowie Aus- und Weiterbildung abhängen. Ohne Maßnahmen könnte in vielen Ländern mehr als die Hälfte der älteren Bevölkerung betroffen sein.

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Die aktuellen Tätigkeiten jüngerer Menschen sind in vergleichbarer Größe bedroht, doch gehen die Autoren davon aus, dass sie eher ihre Qualifikationen erhöhen und auf weiter gefragte Arbeit umsteigen können.

In Österreich ist mehr als jeder zweite Arbeitsplatz älterer Menschen bedroht

Konkret errechnet die Studie, die die Beratungsunternehmen Mercer und Oliver Wyman für das Global Risk Center der Marsh & McLennan Companies durchgeführt haben, für Österreich eine Bedrohung von 54 Prozent der Jobs (genau genommen: 54 Prozent der Tätigkeiten, die derzeit von älteren Menschen ausgeführt werden). In Deutschland sind es im Vergleich 57 Prozent, in China 76 Prozent, in Australien nur 42 Prozent. Grundsätzlich sind ältere Menschen in Entwicklungsländern stärker betroffen als in hoch entwickelten Staaten.

Bedroht von der Automatisierung ist repetitive, wenig qualifizierte Arbeit, vom Bedienen der Maschinen in der Industrie bis zu einfacher Sekretariatsarbeit. Mercer geht davon aus, dass die Arbeit der Zukunft rund um konkrete Aufgaben organisiert sein wird und nicht mehr rund um eine Anstellung in einer Firma. Technologie-Kenntnisse und fachübergreifende Fähigkeiten werden zunehmend gefragt die geistige Anforderung an den Job steigt deutlich.

Aspekte der Hoffnung soll es auch geben

Die Studie verweist aber auch auf Hoffnungselemente für ältere Menschen: In den meisten Ländern schrumpft die Bevölkerung, es stehen weniger Junge für die Arbeit zur Verfügung. Parallel dazu steigen das Bedürfnis älterer Menschen nach sinnvoller Beschäftigung und die Bereitschaft, sich weiterzubilden. Wobei diese Motivation auch durch finanzielle Engpässe erzwungen werden dürfte.

Schon jetzt sind die weltweiten Ersparnisse für die Pension um 70 Billionen Dollar (60 Billionen Euro) niedriger, als die Ausgaben, die die Pensionisten bis zum Ende ihres Lebens noch vor sich haben. Diese Lücke könnte bis 2050 auf 400 Billionen Dollar steigen. Auch hier sind Frauen deutlich härter getroffen als Männer, da sie einerseits im Laufe ihres Lebens weniger für die Pension ansparen können, andererseits aber meist eine höhere Lebenserwartung haben.

Beratungsfirma Mercer klingt wie Karl Marx

Abgesehen von der Auswirkung auf Jobs verweist die Studie auch auf eine grundsätzliche Verschiebung der Einkommensverteilung zwischen Löhnen und Kapital durch die zunehmende Automatisierung: Die Produktivität der Wirtschaft dürfte deutlich wachsen, die Gewinne daraus dürften aber Großteils dem Kapital zugutekommen und nur zu einem kleinen Teil zu höheren Löhnen führen. Schon seit den 1980er Jahren hat das Kapital den Großteil der Produktivitätszuwächse lukriert, verweist Mercer auf eine IWF-Studie. Automatisierung hatte daran einen großen Anteil. (apa/red)

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