Energieversorger

Strompreise steigen stark - vor allem für die Industrie

Die Trennung der gemeinsamen deutsch-österreichischen Stromhandelszone erweist sich als echter Nachteil für den Standort. Die Preise im Großhandel sind laut dem Strompreisindex der Energieagentur seit Oktober des Vorjahres um 22 Prozent gestiegen.

Die Trennung der österreichisch-deutschen Strompreiszone vor einem Jahr hat in Österreich Mehrkosten von 220 Mio. Euro gebracht, hat die Österreichische Energieagentur errechnet. Die Strompreise sind insgesamt deutlich gestiegen: Die Trennung der Strompreiszone war aber nicht der alleinige Grund, auch auf den Großhandelsmärkten gab es kräftige Preiserhöhungen.

Auftrennung vor einem Jahr

Österreich hat sich durch die Trennung der Strompreiszone per 1. Oktober 2018 vom deutschen Strompreisniveau entkoppelt. Andere Länder in der Strommarktregion Zentralwesteuropa, zu der neben Österreich und Deutschland auch Frankreich, Belgien und die Niederlande gehören, haben durch die Preiszonentrennung von den niedrigen deutschen Strompreisen profitiert.

Preise im Großhandel um acht Prozent teurer als in Deutschland

Strom war im Großhandel in Österreich durchschnittlich um 3,40 Euro pro Megawattstunde (MWh) teurer. Die Preise in Österreich waren damit durchschnittlich um 8 Prozent höher als in Deutschland. Die Preisunterschiede schwankten aber während des Jahres stark. Dabei gehören die Strompreise in Deutschland schon zu den teuersten europaweit. Aktuell dazu:
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Zahlreiche Verteuerungen für Haushalte

Für Haushalte und Kleingewerbe wurden im zweiten Halbjahr 2018 und im ersten Halbjahr 2019 insgesamt mehr als 70 Erhöhungen angekündigt bzw. durchgeführt. Der reine Energiepreis, der in etwa ein Drittel der gesamten Stromrechnung ausmacht, wurde in einer Spanne von 5 bis 54 Prozent angehoben.

Die gesamte Stromrechnung, der auch die Netzgebühren sowie Steuern und Abgaben umfasst, verteuerte sich dadurch je nach Lieferant in einer Bandbreite von 17 bis 126 Euro im Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt. Die Haushaltsstrompreise insgesamt waren im August laut Energieagentur statistisch gesehen um 5,5 Prozent höher als vor einem Jahr.

Die Erhöhungen seien nicht nur im Zusammenhang mit der Strompreiszonentrennung erfolgt, so Karina Knaus, Leiterin der Abteilung Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise in der Energieagentur. Den genauen Anteil der Strompreiszonentrennung beziffert die Energieagentur nicht, denn es spielten sehr viele Faktoren eine Rolle.

Großhandelspreise um rund 22 Prozent höher als vor einem Jahr

Die Großhandelspreise - gemessen am von der Energieagentur berechneten Strompreisindex ÖSPI - waren im Oktober 2019 um rund 22 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Mit ein Grund für den Preisanstieg sind die höheren Preise für CO2-Zertifikate, die innerhalb kurzer Zeit von 5 auf 30 Euro gestiegen sind und damit die Stromerzeugung in konventionellen Kraftwerken verteuern. Bei einem "harten" Brexit würden 100 Mio. Tonnen Zertifikate auf den Markt kommen, was damit passieren werde, sei aber noch offen.

Die großen Industriebetriebe mit einem Jahresverbrauch von mehr als 150 Gigawattstunden im Jahr mussten im ersten Halbjahr 2019 sogar um ein Viertel (26 Prozent) mehr bezahlen als im Vorjahreszeitraum - der Energiepreis stieg von rund 3,3 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf rund 4,2 Cent/kWh.

Zum Standort Österreich:
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Erwartungen aus dem Vorjahr von Preisunterschieden zu Deutschland von 1 Euro/MWh bzw. 1,5 bis 2,5 Euro/MWh am Terminmarkt seien nicht eingetreten, so Knaus. Sie sind höher ausgefallen und lagen im Durchschnitt bei 3,40 Euro/MWh, ein Plus von 8 Prozent, bezogen auf den Day-Ahead-Markt. Für die Industriekunden, wenn diese im Wettbewerb mit Deutschland stehen, seien auch Preisdifferenzen von ein paar Euro pro MWh relativ entscheidend, so Knaus.

Starke Schwankungen am Spotmarkt

Saisonal habe es starke Schwankungen gegeben, den höchsten Unterschied am Spotmarkt hat die Energieagentur im Oktober mit durchschnittlich 8,6 Euro/MWh festgestellt. In den Wintermonaten waren die Preisdifferenzen in ähnlichen Bereichen, ab Februar/März sind sie relativ stark zurückgegangen. In den Sommermonaten gab es relativ geringe Preisunterschiede, ab September stiegen sie wieder. Es gab auch Ausreißer nach oben, aber auch Situationen mit günstigeren Strompreisen in Österreich.

Unterschiede gab es auch im Tagesverlauf, etwa zur Mittagszeit ist die Differenz tendenziell höher, wenn in Deutschland viel Photovoltaik-Strom im Netz ist. Kommen dann noch eine hohe Windkrafterzeugung und eine geringe Nachfrage dazu, kann es in Deutschland zu sehr niedrigen oder sogar negativen Strompreisen kommen. In Österreich ist ein solcher Effekt angesichts von starker Wasserkrafterzeugung und vergleichsweise weniger Photovoltaik geringer, die Preise seien nicht ganz so niedrig wie in Deutschland.

Österreich hat viele Jahre von der deutschen Energiewende profitiert

Vor der Trennung entsprachen die Preise in Österreich jenen in Deutschland. Seit 1. Oktober war dies nur noch in etwa 50 Prozent der Zeit der Fall, in 45 Prozent war Strom in Österreich teurer. Deutschland hat in der Marktkopplungsregion Zentralwesteuropa die mit Abstand günstigsten Strompreise. Durch die Strompreiszonentrennung haben sich die anderen Länder angenähert, sie haben nun öfter gleiche Preise wie das günstige Deutschland. Die EU-volkswirtschaftliche Wohlfahrtsoptimierung führt zu einer höheren Preiskonvergenz in andern Ländern.

Für Österreich mitentscheidend ist nun die Preissituation in der gesamten Region. Frankreich und Österreich haben nun beispielsweise ein Strompreisniveau. Höhere Strompreise als in Deutschland gab es in Frankreich vor der Preiszonentrennung in rund 60 Prozent der Zeit, danach nur mehr in 41 Prozent. In Belgien zahlte man vor der Auftrennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone praktisch nie weniger als in Deutschland und in 68 Prozent der Zeit mehr, danach war Strom nur in 42 Prozent der Zeit teurer und in 18 Prozent niedriger. (apa/red)