Erdgas

Streit um Erdgas vor Zypern: Griechenland will Nato um Hilfe bitten

Athen will die Nato im Streit mit der Türkei und Libyen um Hilfe bitten. Zuvor haben die Türkei und Libyen gemeinsame Seegrenzen vereinbart - obwohl sie überhaupt keine Seegrenzen haben. Hintergrund ist das aggressive Vorgehen der Türkei wegen der Erdgasvorkommen vor der Küste Zyperns, eines Mitglieds der Europäischen Union.

Griechenland hat angekündigt, die NATO im Streit mit der Türkei und Libyen um die Seegrenzen im östlichen Mittelmeer um Hilfe zu bitten. "Eine Allianz kann es nicht ignorieren, wenn eines ihrer Mitglieder offen das internationale Recht verletzt und einem anderen Mitglied zu schaden sucht", sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis auf dem Kongress seiner konservativen Partei Nea Demokratia.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch mit dem Chef der international anerkannten libyschen Regierung, Fayes al-Sarraj, in Istanbul ein Militärabkommen sowie eine Vereinbarung über die Absteckung der Grenzen ihrer ausschließlichen Wirtschaftszonen im Mittelmeer unterzeichnet. Dies war bei Griechenland und Ägypten auf Protest gestoßen, da sie dadurch ihre eigenen Rechte berührt sehen.

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Der griechische Außenminister Nikos Dendias reiste am Sonntag deshalb nach Kairo, um sich mit seinem ägyptischen Kollegen Sameh Shukri zu besprechen. Dabei vereinbarten sie laut Dendias, "die Demarkierung der ausschließlichen Wirtschaftszonen Griechenlands und Ägyptens zu beschleunigen". Um die Aufteilung des Seegebiets im östlichen Mittelmeer gibt es schon lange Streit zwischen der Türkei und den anderen Anrainerstaaten.

Im Zentrum des Konflikts steht die Ausbeutung der Gasvorkommen rund um Zypern. Aus Sicht Zyperns gehört das Seegebiet im Umkreis von 200 Seemeilen um die gesamte Insel zu ihrer ausschließlichen Wirtschaftszone. Die Türkei vertritt dagegen die Ansicht, dass Zypern als Insel keine eigene Wirtschaftszone beanspruchen könne. Die EU unterstützt in dem Streit ihr Mitglied Zypern und hat Sanktionen gegen Ankara verhängt.

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Erdogan will die Kritik am Abkommen mit Libyen nicht verstehen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Kritik an dem kürzlich mit Libyen geschlossenen Abkommen zu Seegrenzen im östlichen Mittelmeer zurückgewiesen. "Wenn dieses Thema auf die Agenda gesetzt wird, werden wir ihnen sagen, dass dieser Schritt das souveräne Recht Libyens und der Türkei ist und wir darüber mit ihnen nicht diskutieren werden", sagte Erdogan.

Erdogan äußerte sich in Ankara vor seinem Abflug zum NATO-Gipfel in London. Am Mittwoch hatte er mit dem Chef der international anerkannten libyschen Regierung, Fayez al-Serraj, in Istanbul eine Vereinbarung über die Absteckung der Grenzen ihrer ausschließlichen Wirtschaftszonen im Mittelmeer unterzeichnet. Dies war bei Griechenland und Ägypten auf Protest gestoßen, da sie dadurch ihre eigenen Rechte berührt sehen. Die Regierung in Athen will nun die NATO in dem Streit um Hilfe bitten.

"Eine Allianz kann es nicht ignorieren, wenn eines ihrer Mitglieder offen das internationale Recht verletzt und einem anderen Mitglied zu schaden sucht", sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Montag. Um die Aufteilung des Seegebiets im östlichen Mittelmeer gibt es schon lange Streit zwischen der Türkei und den anderen Anrainerstaaten. Im Zentrum des Konflikts steht die Ausbeutung der Gasvorkommen rund um Zypern.

Erdogan sagte nun, Griechenland habe das Recht, seinerseits Vereinbarungen mit anderen Ländern zu treffen. Dies werde aber keine Auswirkung auf das türkisch-libysche Abkommen haben. "Die Türkei wird nicht an einem Tisch mit anderen Ländern über seine Souveränitätsrechte diskutieren", sagte Erdogan. Laut türkischen Presseberichten erlaubt das Abkommen der Türkei, seine ausschließliche Wirtschaftszone erheblich auszuweiten.

Demnach könnte es verhindern, dass Griechenland seinerseits mit Zypern und Ägypten ein Abkommen über die Absteckung ihrer Seegrenzen schließt. Sobald das türkische Parlament das Abkommen mit Libyen ratifiziert hat, sollen die Vereinten Nationen über die Koordinaten der neuen ausschließlichen Wirtschaftszone der Türkei im östlichen Mittelmeer informiert werden. (afp/apa/red)