Außenhandel

Strafzölle der USA: Europäer wollen sich gemeinsam wehren

Europäer wollen sich gemeinsam gegen geplante neue Einfuhrzölle der USA auf Stahl und Metall wehren - und notfalls auch vor der WTO klagen.

Die Europäer haben US-Präsident Donald Trump für den Fall neuer US-Einfuhrzölle für Stahl- und Aluminiumlieferungen Gegenmaßnahmen und eine Klage vor der WTO angedroht. Nach einer informellen Konferenz der EU-Handelsminister in Sofia sprach der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig von der einhelligen Meinung in der EU, dass man sich gegebenenfalls gemeinsam wehren wolle.

Offen ist, ob überhaupt Zölle kommen

Ob Trump aber wirklich Vorschlägen seines Handelsminister Wilbur Ross folgt und Zölle oder Quoten auf Importe verhängt, wisse man nicht. Trump selbst nährte Befürchtungen, dass er dies tun wird. "Ich will die Stahlindustrie zurück in unser Land holen", sagte er. Auch wenn das etwas koste, so profitiere man davon doch in Form von Jobs.

Ross hatte Trump in einem Bericht mehrere Optionen aufgezeigt, wie er Lieferungen von Stahl- und auch Aluminiumprodukten aus dem Ausland beschränken könnte. Sie reichen von allgemeinen Zöllen über gezielte Abgaben für eine Reihe von Lieferländern bis hin zu Importquoten.

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Entscheiden soll der Präsident bis Mitte April. Er könnte allerdings auch keine Maßnahmen ergreifen. Besondere Beachtung fand, dass Ross als Begründung für solche Importbeschränkungen Gefahren für die nationale Sicherheit anführte. Nach Auffassung der Europäer ist dieser Grund, wie Machnig sagte, "abwegig". Zudem betrachten sie die angedrohten US-Beschränkungen als Verstoß gegen die WTO-Regeln, die auch für die USA gelten.

Trump entscheidet im April - zwei Szenarien denkbar

Zu den möglichen US-Handelseinschränkungen gegen Stahl- und Aluminiumimporte wird bis zum 11. April eine Entscheidung von US-Präsident Donald Trump erwartet. Erste Option ist ein genereller Zoll auf Stahleinfuhren aus allen Ländern, der dann bei mindestens 24 Prozent liegen würde.

Zweite Möglichkeit sind gezielte Zölle von mehr als 50 Prozent auf Importe aus zwölf Ländern, darunter China, Russland und Indien sowie die Türkei als einziges NATO-Land. Deutschland, wo etwa Importe der Salzgitter AG und der Dillinger Hütte seitens der US-Behörden unter Beobachtung standen, wäre hier ausgespart, müsste jedoch wie alle anderen Länder seine Exporte auf dem Niveau von 2017 einfrieren. Dritte Option wären gar keine Zölle, aber ein Einfrieren der Exporte aus allen Ländern bei 63 Prozent der Importe aus 2017 für jedes Land.

"Wir glauben, dass die EU von jeglichem Vorgehen ausgenommen werden sollte, weil wir Partner und Freunde und nicht ein Sicherheitsrisiko sind", sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström. Komme es aber dazu, werde sich die EU ansehen, "in welchem Ausmaß" die Sanktionen Europa träfen. "Aber wir sind bereit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen." Malmström will sich vor einer Entscheidung erneut mit den Mitgliedstaaten abstimmen.

Noch keine konkreten Entscheidungen

Wie die Europäer konkret reagieren wollen, wenn Trump Importe von Stahl und Aluminium beschränken sollte, wurde nach den Worten Machings von der deutschen Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries aber nicht im Detail diskutiert. In einem Zeitungsbericht hatte es jüngst geheißen, die EU wolle dann im Gegenzug gezielt US-Produkte belasten, die in Regionen von Bedeutung sind, in denen politische Weggefährten von Trump ihre Wahlbezirke haben.

Machnig selbst sagte nur: "Ich habe gesagt, dass wir uns auf alle Optionen vorbereiten." Es gebe unter den EU-Handelsministern die einhellige Auffassung, dass die Kommission und die Mitgliedsländer "entsprechende Vorkehrungen treffen müssen".

Stahlindustrie warnt

Die deutsche Stahlbranche warnte, alle derzeit in den USA diskutierten Vorschläge seien mit weitreichenden negativen Folgen für die deutsche und europäische Stahlindustrie verbunden. Diese müsse dagegen geschützt werden und zwar im Rahmen der in der WTO bestehenden Instrumente, erklärte die Wirtschaftsvereinigung Stahl. (APA/Reuters/AFP/dpa)