Anlagenbau

Starkes Halbjahr bei Andritz - und Diskussion um Millionenstrafe in Österreich

Im ersten Halbjahr 2017 hat Andritz ein starkes Ergebnisplus erwirtschaftet. Doch nun droht dem steirischen Anlagenbauer ein Umsatzrückgang - und eine Millionenstrafe aus Österreich wegen Vergehen gegen das Arbeitsrecht bei einem Auftrag an eine Montagegesellschaft.

Die Kennzahlen von Andritz zum ersten Halbjahr 2017 können sich sehen lassen - zur Vergrößerung der Grafik ins Bild klicken.

Der Anlagenbauer Andritz hat im ersten Halbjahr 2017 ein starkes Ergebnisplus hingelegt, allerdings wird aufgrund einer dünneren Auftragslage ein Umsatzrückgang im Gesamtjahr erwartet. Die Märkte reagierten verschnupft und ließen die Aktie talwärts fahren. Probleme bereiten die politischen Spannungen in der Türkei und Brasilien, dafür bereitet China viel Freude, so Konzernchef Wolfgang Leitner.

Sparte Hydro als Sorgenkind

Sorgenkind ist die Sparte Hydro, wo die Auftragslage im zweiten Quartal um 40 Prozent eingebrochen ist. Nicht ganz so gut lief es auch in der Sparte "Metals", die einen Rückgang von 21 Prozent verzeichnete. Hier mache sich die Zurückhaltung der Autobauer bemerkbar.

Dafür gab es bei "Pulp & Paper" einen Auftragszuwachs von 27 Prozent und bei "Separation" von 17 Prozent. "Bei Pulp & Paper ist die Rentabilität sehr gut, wesentlich besser als beim Mitbewerber", so Leitner vor Journalisten.

"Der Auftragseingang ist nicht berauschend"

Nach Bekanntgabe der Zahlen geriet die Aktie des Hertsellers unter Druck. Leitner kommentiert das so: "Wir gehören nicht zu denen, die sagen, morgen wird alles besser. Der Auftragseingang ist nicht berauschend."

Zum Ausblick meinte er: "Wir erwarten einen leichten Umsatzrückgang bei zumindest gleich hoher Rentabilität wie 2016." Am US-Markt sei man durch eine eigene Fabrik vor etwaigen protektionistischen Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump gut gewappnet.

Schwerpunkt in der Digitalisierung

Den Schwerpunkt der künftigen Investitionen sieht Leitner in der Digitalisierung - Stichwort Internet der Dinge oder Industrie 4.0. Hier zeige sich schon jetzt, wie durch bessere Kommunikation erheblich Kosten eingespart werden könnten. Unter anderem ist die Beteiligung an Venture Capital Fonds und Start-ups angedacht.

Gute Zahlen im ersten Halbjahr

Dabei können sich die Kennzahlen des 1. Halbjahres sehen lassen. Das Vorsteuerergebnis (EBT) legte um 10 Prozent auf 188,9 Mio. Euro zu, das EBITA um 13,3 Prozent auf 207,3 Mio. Euro. Die Investitionen haben um 24,8 Prozent auf 55,9 Mio. Euro zugelegt. Weltweit beschäftigt Andritz 25.737 Mitarbeiter, davon 3.300 in Österreich. Auf der Negativseite steht der Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit, der um 59,4 Prozent auf 81,5 Mio. Euro eingebrochen ist.

Mögliche Verwaltungsstrafe in Millionenhöhe in Österreich

Dem vierköpfigen Vorstand des steirischen Maschinenbauers Andritz droht eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 22 Mio. Euro wegen Arbeitsrechtsvergehen. Andritz-Chef und -Miteigentümer Wolfgang Leitner kritisiert gegenüber dem "Ö1"-Mittagsjournal die Mehrfachbestrafung für ein und dieselbe strittige Causa.

Im März 2014 beschädigte eine Explosion im Zellstoffwerk Pöls einen Laugenkessel. Den Zuschlag für die Erneuerung erhielt Andritz, der Montage-Auftragswert belief sich auf 7 Mio. Euro. Der Konzern vergab den Pauschalauftrag an eine Montagegesellschaft aus Kroatien, die für den Auftrag rund 200 Arbeitskräfte beschäftigte.

Es geht um einen Auftrag an eine kroatische Montagefirma

Ende 2016 erhielten die vier Andritz-Vorstände eine Verwaltungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Arbeitsvertragsrechtsanpassungsgesetz und gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz. Für Andritz sei die Montage eine übliche Vergabe gewesen; gewertet worden sei die Beschäftigung hingegen als Überlassung der Arbeitskräfte, so Leitner gegenüber "Ö1".

Pro Monteur beträgt die Strafe 12.000 Euro. Zwei Vergehen verdoppeln das Strafmaß - macht in Summe 22 Millionen Euro. Andritz berief gegen den Bescheid.

Die Mehrfachbestrafung wird von Unternehmen seit langem kritisiert. In ihrem überarbeiteten Arbeitsprogramm Ende Jänner 2017 hatte die Bundesregierung die Sozialpartner beauftragt, bis 30. Juni eine Lösung zur Abschaffung der Mehrfachbestrafung (Kumulationsprinzip) im Verwaltungsstrafrecht auszuarbeiten. Die vorgezogenen Neuwahlen Mitte Oktober werden nun wohl eine Einigung verhindern. (apa/red)

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