Rückblick

Stahlstreit von 2002: Als Präsident Bush dem Druck Europas nachgab

Die Strafzölle Donald Trumps sind keine völlige Neuheit. Damals klagte Europa vor der WTO - und bekam recht.

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium sind kein Novum. Im März 2002 erließ der damalige US-Präsident George W. Bush Aufschläge zwischen acht und 30 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte, um den maroden Stahlsektor der insgesamt schwächelnden US- Industrie zu schützen. Zwei Drittel der Stahlexporte der EU-Länder in die USA waren davon betroffen.

Der Weg für Sanktionen war frei...

Kritiker deuteten diesen protektionistischen Schritt als wahltaktische Entscheidung. Bei einem knappen Ergebnis der Präsidentenwahl im November 2004 hätten die stahlproduzierenden Bundesstaaten den Ausschlag geben können. Die EU und andere Staaten reichten umgehend Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein und drohten mit Sanktionen gegen US-Produkte.

White Paper zum Thema

Die Zölle waren von Anfang an auch in der US-Wirtschaft heftig umstritten. Der Dollar-Kurs sackte ab, und die stahlverarbeitenden Branchen, allen voran die Autoindustrie, beklagten höhere Materialpreise. Die von der EU angedrohten Gegenmaßnahmen hätten US-Produkte im Wert von bis zu 2,2 Milliarden Dollar (damals 1,9 Milliarden Euro) betroffen - und weitere Branchen und Regionen der USA getroffen.

... und Präsident Bush ruderte zurück

Die WTO erklärte die Strafzölle eineinhalb Jahre nach ihrer Einführung für unzulässig. Der Weg für Sanktionen war damit frei, im Dezember 2003 wären sie in Kraft getreten. Präsident Bush ruderte daraufhin zurück, hob die meisten Zölle auf und musste sich von der Stahlindustrie vorwerfen lassen, vor der "europäischen Erpressung" kapituliert zu haben. Die Präsidentschaftswahlen 2004 gewann er knapp.

Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl sanken die deutschen Stahlexporte nach Übersee wegen der Strafzölle damals um mehr als ein Drittel. Dem Branchenriesen ThyssenKrupp zufolge war ein Umsatzvolumen des Unternehmens von rund 200 Millionen Euro pro Jahr betroffen - anteilig am Gesamtumsatz mit ein bis zwei Prozent aber eher wenig.

In den USA hingegen kosteten die wirtschaftlichen Folgen des Handelskonfliktes Studien zufolge rund 200.000 Arbeitsplätze. Nachdem die USA ihre Strafzölle zurückgenommen hatten, normalisierte sich der Handel wieder, und die Regelung der Angelegenheit wurde allgemein als Erfolg der WTO gewertet. (afp/apa/red)