Stahlindustrie

Stahl kochen mit Wasserstoff: Hintergründe zur Linzer Pilotanlage der Voestalpine

Die Voestalpine und der Energieriese Verbund prüfen den Bau einer großen neuen Anlage in Linz, wo es um den Einsatz von Wasserstoff für die Stahlerzeugung gehen soll. Die Methode könnte die Zukunft der Stahlindustrie sein - hier die Hintergründe.

Der Verbund und die Voestalpine wollen in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Vorerst ist eine Kooperation für sechs Jahre angedacht. Mehr dazu hier: Von Strom bis Wasserstoff: Verbund und Voestalpine vereinbaren Kooperation.

Einer der Kernbereiche dieser Kooperation ist eine gemeinsame langfristige Forschungsinitiative zum Thema Wasserstoff. Dabei geht es um Potenziale und Möglichkeiten für den Einsatz von Wasserstoff in den einzelnen Prozessstufen der Stahlherstellung.

Denn heute wird Wasserstoff mit einem extrem hohen Ausstoß des Klimakillers CO2 aus Erdgas produziert. In Zukunft soll Wasserstoff mit Strom aus Wasser hergestellt werden - aus erneuerbaren Energien und damit ohne Emissionen.

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Neue Anlage in Linz könnte 2018 in Betrieb gehen

Genau dafür wollen die beiden Konzerne eine Pilotanlage für die Produktion von Wasserstoff am Stahlstandort Linz bauen. Die Kosten für die neue Anlage bezifferte die Voestalpine während der Pressekonferenz in Wien mit etwa 20 Millionen Euro. Allerdings ist die Entscheidung für die Errichtung der Anlage noch nicht ganz fix und soll bis Ende dieses Jahres fallen.

Falls sich die Voestalpine dafür entscheidet, soll die Anlage Ende 2018 in Betrieb gehen. Das dort erzeugte Industriegas will der Konzern dann direkt für die Erzeugung von Stahl verwenden. Ziel des Probebetriebs soll es sein, eine Anwendung in einem größeren industriellen Rahmen auszuloten.

Heute sind die Stahlstandorte Linz und Donawitz durch einen integrierten Energiekreislauf nahezu stromautark: Die bei der Stahlproduktion anfallenden Prozessgase werden in eigenen Kraftwerken in Strom umgewandelt. Dieser Strom fließt dann in nachgelagerte Anlagen, insbesondere in die Walzwerke.

Stahlerzeugung aus Wasserstoff könnte in 20 Jahren Realität werden

Angesichts immer schärferer Auflagen gegen die enorme Umweltverschmutzung will die Voestalpine in Zukunft weiter "in Richtung schrittweiser Dekarbonisierung der Stahlproduktion gehen", sagt Konzernchef Wolfgang Eder.

Langfristig wollen die Linzer von Kohle über Brückentechnologien auf Basis von Erdgas hin zu einer möglichen Anwendung von CO2-neutralem Wasserstoff gelangen. Dabei verweist Eder auf die neue Direktreduktionsanlage der Voestalpine in Texas. Er fügt aber auch hinzu, dass dieser Umbau in der Stahlherstellung "sicher noch ein sehr langer Weg" sein werde.

Der Voestalpine zufolge könnte die wasserstoffbasierte Stahlerzeugung, die heute nur ein Zukunftsszenario ist, in etwa 20 Jahren Realität werden.

Enorme Strommengen notwendig

Der Konzern würde für die komplette Umstellung seiner Produktion auf erneuerbare Energie rund 33 Terawattstunden pro Jahr aus dem externen Netz benötigen, weil dann der Energiebedarf nicht mehr aus eigener Stromproduktion gedeckt werden könnte. Dies entspricht der Leistung von mehr als 30 Großwasserkraftwerken oder rund 50 Prozent des gesamten heutigen Strombedarfs Österreichs.

Somit wäre diese Umstellung der Technologie für die Voestalpine in absehbarer Zeit weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar. „Eine Transformation erfordert die langfristige permanente Koordination von Energieerzeugern und Energieverbrauchern", so Eder. Allerdings sei eine Umstellung nur in dem Ausmaß sinnvoll, wie die jeweils entsprechende Energie in ausreichendem Umfang und zu global konkurrenzfähigen Bedingungen zur Verfügung stehe.

Verbund: Neue Angebote für die Industrie

Verbund-Konzernchef Wolfgang Anzengruber betont in diesem Zusammenhang, dass auch die Energiebranche im Wandel begriffen sei. Deshalb will der Verbund zukünftig auch seine Wertschöpfungskette durch die Herstellung von Wasserstoff erweitern.

Gleichzeitig positioniert sich der Verbund immer mehr auch im Strommanagement - und erweitert schrittweise sein Angebot explizit für die energieintensive heimische Industrie. Eines der großen Projekte des Verbund ist beispielsweise ein Angebot rund um Lastmanagement (Demand Response). Bei der Teilnahme daran können große industrielle Hersteller ihre Flexibilität im Verbrauch in eine neue, für sie durchaus lukrative Dienstleistung umwandeln - mehr dazu hier. Der prominenteste Teilnehmer an einem der neuen Verbund-"Pools" für Lastmanagement ist übrigens die Voestalpine.

(pm)

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