Textilindustrie

So trotzt Lenzing den Schwankungen am Weltmarkt

Geopolitische Risiken steigen weiter - der heimische Textilriese Lenzing sieht sich aber trotzdem gut aufgestellt und will angesichts des Handelsstreits die Produktion von manchen Standorten zu anderen verlagern. Außerdem wandele sich Lenzing immer weiter zum Spezialfaserhersteller um, so Konzernchef Stefan Doboczky.

Die weltweiten Unsicherheiten wegen der Handelskonflikte und anderer Verwerfungen wie der Lage in Hongkong und des Brexit beschäftigen auch heimische Firmen. Der Faserkonzern Lenzing sieht sich trotz der Volatilität aber gut aufgestellt.

Einerseits helfe die Qualitätsstrategie mit Spezialfasern, die weiterverfolgt wird; andererseits das Umlenken diverser Produktionen auf unterschiedliche Werke. So werde derzeit verstärkt in Europa produziert, was für den US-Markt gedacht ist, da sich USA und China gegenseitig mit neuen Zöllen belegen, erläuterte Vorstandsvorsitzender Stefan Doboczky. "Wir dirigieren die Produkte auf andere Standorte um."

Gleichzeitig dienen Produkte aus China verstärkt zur Versorgung von Märkten außerhalb der USA, sagte er bei der Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen des börsennotierten oberösterreichischen Konzerns vor Journalisten in Wien. So hat das Unternehmen im Halbjahr "ein solides unaufgeregtes Ergebnis in einem aufgeregten Umfeld erwirtschaftet", sagte Doboczky.

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Anteil von Spezialfasern soll immer weiter steigen

Der Anteil der Spezialfasern am Gesamtumsatz soll bis 2020 bekanntlich die Hälfte erreichen, derzeit kratzt er an 49 Prozent. Heute sagte Doboczky, nach 2020 solle der Wert weiter klettern - auf bis zu 75 Prozent. "Ich sehe Lenzing sich strukturell mehr und mehr zum Spezialfaserhersteller zu transformieren." Das 75-Prozent-Ziel könnte somit bis 2025 erreicht werden. "Das ist die richtige Größenordnung; sie erscheint attraktiv", sagte der Manager. Derzeit läuft eine Strategieüberarbeitung für den Zeitraum ab 2020.

Die Spezialfasern unterliegen Doboczky zufolge einer weitaus geringeren Volatilität als herkömmliche Produkte. Außerdem böten sie eine höhere Wertschöpfung vom Holz bis zur Faser. "Das gibt Stabilität." Zudem dürfte es Verbrauchern mittel- bis längerfristig immer wichtiger werden, wie ihre Kleidung hergestellt wurde, glaubt Doboczky, "ähnlich wie bei den Nahrungsmitteln".

Riesige Investition in Thailand

Das neue Werk in Thailand passt gleich doppelt. Auch dort werden Spezialfasern erzeugt. Zudem herrscht von Thailand aus Freihandel nach China und nach Indien. "Es gibt nicht viele Staaten mit Freihandel mit Indien", sagte Doboczky. Die dortigen Investitionen belaufen sich auf rund 450 Mio. Euro. Details dazu: Milliardeninvestition: Lenzing baut größtes Lyocellfaserwerk der Welt >>

In Brasilien rollen schon die Bagger

Zum geplanten Werk in Brasilien - wo schon Bagger für Vorarbeiten anrollen - wird die endgültige Investitionsentscheidung erst zum Jahresende getroffen. Es würde rund eine Milliarde Dollar Kosten - geteilt mit dem Joint-Venture-Partner. Das EU-Mercosur-Abkommen spielt bei der Entscheidung keine Rolle, es berge keine direkten Vorteile für Lenzing, so der Vorstandschef.

Der Konzern will bis 2050 auch klimaneutral produzieren. "Das heißt für uns, dass wir netto in Summe keine CO2-Emission haben werden. Freilich wird es an einigen Standorten einen Ausstoß geben. Aber zum Beispiel die Biomasse, die wir verwenden, hilft in der Gesamtbalance, damit die Neutralität gelingt." (apa/red)

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