Bahnindustrie

Siemens mit Alstom: "Letzter Versuch" die Fusion zu retten

Siemens und Alstom wollen ihre Bahnsparten zusammenlegen, doch Brüssel bleibt skeptisch. Beide Konzerne bieten nun den Verkauf von Firmenanteilen an - hier die Details.

Der deutsche Industriekonzern Siemens und die französische Alstom haben weitere Zugeständnisse an die EU-Wettbewerbshüter gemacht, um ihre geplante Zug-Fusion in letzter Minute doch noch zu retten. Beide Unternehmen bestätigten den Schritt.

Es geht um Lizenzen in der Bahntechnik und Signaltechnik

Dabei geht es nach Angaben von Alstom aber nur um die Ausweitung von Lizenzen für Bahn- und Signaltechnik. An den Verkaufsplänen für Unternehmensteile habe sich nichts geändert.

Siemens und Alstom wollen nur etwa vier Prozent des gemeinsamen Umsatzes von rund 15 Milliarden Euro durch die Trennung von Firmenteilen abgeben, sind aber bereit, zeitlich befristete Lizenzen für Technologien zu vergeben. Details nannten Siemens und Alstom nicht.

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Zeitlich befristete Vergabe von Lizenzen möglich - etwa für den "Velaro Novo"

Im Fokus steht dabei Branchenkreisen zufolge die Technik für die "Velaro Novo"-Plattform für Hochgeschwindigkeitszüge, auf der etwa die vierte Generation des deutschen ICE fußt. Siemens ist nach den modifizierten Plänen bereit, dafür eine zehn Jahre laufende Lizenz zu vergeben, bisher ging es um fünf Jahre. Der Industriekonzern würde sich allerdings vorbehalten, in dieser Zeit den ICE 4 für Deutschland weiter zu bauen.

Siemens und Alstom reagieren auf neue Staatsriesen aus China

Mit dem Zusammenlegen der Zugsparten wollen beide Konzerne der wachsenden globalen Konkurrenz vor allem aus China etwas entgegensetzen. Siemens geht davon aus, dass langfristig der weltgrößte Zughersteller CRRC auch im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa mitmischen könnte.

Hintergrund:
"System-Wettbewerb" mit China: Industrieverband BDI schlägt Alarm >>

Skepsis in Brüssel um Wettbewerb in der EU

Es sei unsicher, ob die neuen Zusagen ausreichten, die Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde zu zerstreuen, so Alstom.

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager stößt sich vor allem an der dominierenden Marktstellung der künftigen Siemens Alstom bei Hochgeschwindigkeitszügen, zumal Alstom den französischen TGV herstellt.

"Das ist der letzte Versuch"

"Mit diesem Paket wird der industrielle und wirtschaftliche Wert der Transaktion bewahrt", erklärte Alstom.

Siemens dagegen gehen die Forderungen aus Brüssel zu weit. Der Konzern mit großen Standorten in Österreich schließt inzwischen sogar ein Scheitern der Fusion nicht aus. Siemens sei nicht bereit, weitere Zugeständnisse zu machen als bisher angeboten, sagte ein Insider. "Wenn die Kommission ablehnt, dann können wir den Deal nicht machen. Dann ist das Thema durch." Aktuell dazu: Siemens-Chef Kaeser: Ein Scheitern der Fusion mit Alstom ist möglich >>

Vestager hatte am Wochenende gesagt, man werde die neuen Zugeständnisse prüfen, diese seien aber weit nach der üblichen Frist eingegangen. "Das ist der letzte Versuch", sagte sie. Die EU muss bis zum 18. Februar über die Genehmigung der Fusion entscheiden.

(red mit reuters, dpa, apa)

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