Standort USA

Siemens hat „genau das, was Trump fordert“

Ford, Boeing, Toyota: Die Liste der Unternehmen, die Donald Trump über Twitter kritisiert, wird immer länger. Siemens hat allerdings keine Angst vor einem Dämpfer des künftigen US-Präsidenten, sondern erwartet mit Spannung, was 2017 in den USA passiert.

Maschinenbau Siemens USA Donald Trump Joe Kaeser

Siemens hat nach Angaben von Vorstandschef Joe Kaeser keine Angst vor Angriffen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf das Unternehmen. "Wir sind im Grunde ein sehr etablierter Bestandteil der Vereinigten Staaten", sagte Kaeser mit Hinweis auf die hohe Zahl an Mitarbeitern in den USA. Siemens habe sehr frühzeitig auf Lokalisierung in der Produktion gesetzt.

"Insofern haben wir im Grunde genau das, was eben ... gezwitschert wird", sagte Kaeser in Anspielung auf Trumps Tweets. Dieser hatte Ford und Toyota über den Kurznachrichtendienst Twitter aufgefordert, Fabriken nicht in Mexiko, sondern den USA zu bauen.

Siemens habe mehr als 60.000 Mitarbeiter in den USA und betreibe 40 Werke, sagte Kaeser. Mit Übernahme des US-Softwarespezialisten Mentor Graphics erhöhe sich die Zahl auf rund 70.000 Mitarbeiter.

"Spannendes 2017"

Das Unternehmen fährt als Mischkonzern eine andere Geschäftsstrategie als etwa Automobilkonzerne. Unter anderem wegen der Aktivitäten in der Infrastruktur ist der Wertschöpfungsanteil in den jeweiligen Märkten selbst sehr viel höher als bei Autokonzernen, die in sehr großen Werken oft auch für den Export produzieren. Der künftige US-Präsident Trump hat angekündigt, dass er eine größere Industrieproduktion in den USA auch dadurch forcieren will, dass er Druck auf Konzerne macht, in den USA und nicht etwa in Mexiko zu produzieren.

Er sei gespannt, wie sich der von Trump gewünschte Arbeitsplatzerhalt in den USA mit den Zielen an der Wall Street vereinbaren lasse, sagte Kaeser. Denn in den USA seien die Lohnkosten höher als in Mexiko, Finanzinvestoren schauten aber vor allem auf kurzfristige Profite und Gewinnmaximierung. Deshalb erwarte er eine spannende Debatte darüber, wie sich diese Grundsätze vereinbaren ließen. "Insofern wird das Jahr 2017 sehr spannend."

Kaeser verlangt weiters von der Politik eine geringere Besteuerung von privaten Aktiengeschäften zur Altersvorsorge. "Es kann doch gar nicht angehen, dass heute Menschen, die Aktien für Versorgungszwecke ansparen über 40 Jahre, dann beim Verkauf dieser Aktien genauso besteuert werden wie Hochfrequenzhandel-Leute, die an der Börse unsere Aktie vielleicht dreimal in der Minute handeln", sagte er am Freitag bei der Klausurtagung der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Seeon. Das müsse anders geregelt werden. Bisher profitieren Kleinanleger lediglich bei mittelbaren Aktienanlagen zur Altersvorsorge von besonderen Steuervorteilen, beispielsweise wenn sie in einen entsprechenden Pensionsfonds einzahlen. Kaeser forderte, Politik und Bürger müssten noch stärker auf Aktien als Altersvorsorge setzen. (apa/Reuters)