Gummiindustrie

Semperit: Schritt für Schritt zur umfassenden Sanierung

Für den Vorstand des österreichischen Gummiverarbeiters Semperit steht die Restrukturierung des Konzerns noch bis Ende 2020 an oberster Stelle. Im abgelaufenen Halbjahr habe sich das operative Ergebnis bereits stark verbessert, so Konzernchef Füllenbach. Im Sektor Industrie zeige sich bereits, dass der Umbau wirke.

Für den Vorstand des österreichischen Gummiverarbeiters Semperit steht die Restrukturierung des Konzerns noch bis Ende 2020 an oberster Stelle. Allerdings habe sich das operative Ergebnis im abgelaufenen Halbjahr bereits stark verbessert, so Konzernchef Martin Füllenbach.

Konzernchef Füllenbach: Sektor Medizin als "anspruchsvollste Herausforderung"

Er fasst die Situation wie folgt zusammen: "Wir konnten unser operatives Ergebnis im ersten Halbjahr stark verbessern. Unser Restrukturierungs- und Transformationsprogramm haben wir in den vergangenen Monaten signifikant intensiviert. Ein konsolidierter Blick auf den Sektor Industrie zeigt, dass der zunehmend erkennbare Erfolg der bereits gesetzten Maßnahmen unseren Kurs bestätigt. Die nach außen sichtbarsten Ergebnisse sind hierbei die bereits erfolgten Werksschließungen in Frankreich und China sowie der derzeit laufende Schließungs- bzw. Verkaufsprozess bei zwei weiteren Standorten in Deutschland und Italien. Der Sektor Medizin bleibt unsere anspruchsvollste Herausforderung, an der wir mit hoher Konzentration und Fokussierung arbeiten."

Im Zuge des Umbaues werden weitere erhebliche Einmalbelastungen auch in den kommenden Quartalen nicht ausgeschlossen. Im ersten Halbjahr 2018 wurde ein Verlust von 67,4 Mio. Euro realisiert, nach 21,2 Mio. Euro ausgewiesenem Gewinn per Juni 2017.

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Martin, Füllenbach, Semperit © Semperit

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Werksschließungen und weitere Maßnahmen im Sektor Industrie

Die Restrukturierungen sind zuletzt beschleunigt worden: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden bereits Werke in Frankreich und China geschlossen. Mehr dazu:  Semperit schließt eines seiner drei Werke in China >>

In Deutschland wird derzeit der Standort Dalheim in das Werk Hückelhoven integriert, ein Verkauf von Roiters in Italien wird geprüft. Die Restrukturierungskosten sind hoch, im Sektor Medizin musste eine Wertminderung von 55,2 Mio. Euro vorgenommen werden, die Schließung in China belastete das EBIT mit 7,9 Mio. Euro.

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Semperit, Semperflex, zulieferindustrie, luftfahrtindustrie, Gummi, Gummiindustrie © Semperit

Weitere Änderungen im Portfolio möglich

Ob es zu weiteren Änderungen im Portfolio oder der Produktion in den bestehenden Segmenten - Semperflex, Semperform, Sempertrans und Sempermed - kommen wird, werde der Vorstand Schritt für Schritt entscheiden, heißt es im Halbjahresbericht. Der Ausblick für die nächsten Quartale bleibt aufgrund der Entwicklungen ausgesetzt.

Im Zuge des laufenden Restrukturierungsprozesses will sich der Vorstand zunächst insbesondere auf das organische Wachstum im Bereich Industrie konzentrieren, zu dem die Segmente Semperflex, Semperform und Sempertrans zählen. Die Kapazitäten sollen weiter ausgebaut werden, rund 80 (2017: 74,5) Mio. Euro will Semperit 2018 dafür investieren. Nach Abschluss des Transformationsprozesses Ende 2020 soll die Semperit-Gruppe eine EBITDA-Marge von rund 10 Prozent erzielen.

Umsatzanstieg im Sektor Industrie

Der Konzernumsatz von Semperit lag im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent unter dem Vorjahreshalbjahr. Im Sektor Industrie stieg er um 4,0 Prozent, im Sektor Medizin ging er dagegen um 13,4 Prozent zurück.

Das um die Schließungskosten in China bereinigte EBITDA stieg um 45,3 Prozent auf 32,7 Mio. Euro, die bereinigte EBITDA-Marge von 4,9 auf 7,3 Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) ging von 54,3 auf 49,8 Mio. Euro zurück, bereinigt um die Sondereffekte hat es sich von 6,2 auf 13,2 Mio. Euro verdoppelt. Das Ergebnis je Aktie verringerte sich drastisch von 1,03 auf -3,33 Euro. Mit eine Eigenkapitalquote von 39,4 Prozent verfüge Semperit über eine weiterhin solide Kapitalausstattung, heißt es. (red mit apa)