Kautschukindustrie

Semperit-Betriebsrat: "Da wird auf höchstem Niveau geraunzt"

Bei Semperit stehen große Umstrukturierungsmaßnahmen an. Belegschaftsvertreter sind zuversichtlich, dass das nicht auf Kosten des Personals geht: "Die Auftragsbücher sind voll. Wir sind wirtschaftlich ausgezeichnet aufgestellt."

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Semperit-Vorstand Martin Füllenbach will den Kautschukkonzern "nachhaltig restrukturieren". Semperit-Betriebsrat Schwiegelhofer sieht "die Auftragsbücher voll".

Rund eine Woche nachdem Semperit mit einer Gewinnwarnung aufhorchen ließ und umfassende Neustrukturierungsmaßnahmen ankündigte, herrscht beim österreichischen Kautschukkonzern offenbar wieder eitel Wonne.

Zumindest gilt das für die Belegschaft. „Wir bauen derzeit sogar Schichten aus“, sagt Semperit-Betriebsrat Michael Schwiegelhofer. Über etwaige Kündigungen, AMS-Frühwarnsystem und dergleichen sei ihm nichts bekannt, ganz im Gegenteil: „Wir stocken personell auf. Erst kürzlich haben wir 20 Arbeiter von der Leihfirma übernommen“, sagt Schwiegelhofer und fügt hinzu: „Die Auftragsbücher sind voll, uns geht es wirtschaftlich ausgezeichnet.“

Warum sich das letzten Dienstag noch ganz anders anhörte, ist für den Betriebsrat leicht erklärt: „Schauen Sie, wir sind hier in Österreich. Da wird halt auf höchstem Niveau geraunzt.“

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Weg mit den "dummen Produkten"

Möglicherweise nicht ganz so entspannt sieht das der Vorstandsvorsitzende von Semperit, Martin Füllenbach. Er holte sich in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Ende Jänner das Plazet, neben vielen Produktions- und Prozessoptimierungen auch die „aktuellen Produktionsfootprints“ auf den Prüfstand zu stellen. Damit kann Füllenbach über die Zukunftsfähigkeit der insgesamt vier Produktgesellschaften und 13 Erzeugnisgruppen – von Handschuhen bis hin zur Seilbahntechnik – disponieren. Im Verlauf des Jahres werde „der Vorstand Schritt für Schritt entscheiden, ob es Änderungen im Portfolio der bestehenden Segmente sowie weitere Anpassungen geben werde“, heißt es dazu aus dem Unternehmen.

Martin Füllenbach ist angetreten, Semperit aus der Komfortzone zu holen. Erste Analyseergebnisse des von Füllenbach engagierten Beraterteams lassen erahnen, wohin die Reise geht. So etwa haben die Produkte und Standorte aus dem medizinischen Bereich (Sempermed) sowie der Bereich Sempertrans derzeit die schwächsten Karten. Sempertrans produziert in erster Linie Förderbänder für den Kohlebergbau und ist mit rund 17 Prozent des Umsatzes die kleinste der vier Konzernsparten. Beim Semperit-Chef stößt vor allem der „Output“ auf wenig Gegenliebe. Gummihandschuhe wie Transportbänder würden, so Füllenbach in einem Interview mit der APA, nämlich beide unter die Kategorie „dumme Produkte“ fallen.

Gute Karten für Semperform

Ganz anders ist das bei Semperflex, wo insbesondere Hydraulikschläuche hergestellt werden. Diesem Bereich, in dem 25 Prozent des Gruppenumsatzes erwirtschaftet werden, attestiert der Manager „ein hochprofitables Geschäft“ mit voll ausgelasteter Produktion und einer speziellen Marktstellung. Auch Semperform, wo knapp ein Fünftel des Umsatzes gemacht wird, zählt zu den kleinen, aber hochprofitablen Unternehmensdivisionen. Produkte wie spezielle Fensterprofile bescheren dem Konzern Alleinstellungsmerkmale, die in der künftigen Nischenpolitik für alle Produkte gelten sollen.

"Wenn ich heute auf die Semperit draufschaue, ist für mich die Semperform möglicherweise der Nukleus für das große Semperit von morgen", so Füllenbach.

Die Semperit-Gruppe beschäftigt weltweit rund 6.500 Mitarbeiter, davon knapp 3.500 in Asien und mehr als 800 in Österreich. Die Restrukturierungsmaßnahmen sollen zwei Jahre dauern. Spätestens Ende 2020 will Semperit eine EBITA-Marge von zehn Prozent erreicht haben.