Rohstoffe

Sefcovic: "Nord Stream 2 hat sehr politische und spalterische Natur"

Die von Gazprom mit OMV und anderen europäischen Energiekonzernen geplante Gasröhre Nord Stream 2 hat für Maros Sefcovic, Vizepräsident der EU-Kommission, "eine sehr politische und spalterische Natur".

Die von der russischen Gazprom mit europäischen Energiekonzernen, darunter der OMV, geplante Gaspipeline Nord Stream 2 hat für EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic "eine sehr politische und spalterische Natur".

Komme die Leitung, müsse sie sich an die Gesetze der EU auf EU-Gebiet halten. "Wir wollen verhandeln, letztlich gilt aber unser Recht", so Sefcovic in einem "Presse"-Interview.

Die EU-Kommission wolle klarstellen, dass das dritte Energiepaket der EU voll auf Pipelines anwendbar ist, die durch das Territorium von EU-Mitgliedern gehen. Baue das Konsortium die Pipeline jetzt, habe sie umgehend Klagen von EU-Staaten, NGOs und Unternehmen am Hals, so Sefcovic: "Wir bieten Verhandlungen, an deren Ende zumindest Rechtssicherheit herrschen wird."

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Nach der Brüsseler Analyse werde die EU im Jahr 2030 gut 400 Mrd. m3 Erdgas verbrauchen - etwa so viel wie heute. Zugleich wisse man, dass die Vorkommen in der Nordsee zur Neige gehen. "Wir werden also mehr von Drittstaaten importieren als heute", so der EU-Kommissions-Vizepräsident in der Dienstag-Ausgabe der Zeitung. Größter Lieferant werde Russland bleiben. Aber daneben gebe es Norwegen, Algerien, erste Lieferungen von Flüssiggascargos und das, was Experten das "neue Norwegen" nennen würden, nämlich große Gasvorkommen zwischen Zypern und Israel.

Bei Nord Stream 2 gehe es nicht nur um das Geschäft. Von den Befürwortern heiße es oft, dass die Gasleitung ein rein kommerzielles Projekt sei, so Sefcovic: "Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich noch nie ein kommerzielles Projekt gesehen habe, das so viele Staats- und Regierungschefs beschäftigt hat wie dieses."

Die neue Gasleitung von Russland nach Deutschland soll bis Ende 2019 neben eine bereits vorhandene Trasse gelegt werden. Da das Projekt in der EU sehr umstritten ist, sucht die Kommission seit Monaten eine Handhabe, um mit Russland über den Betrieb zu verhandeln. Im November legte sie Pläne zur Änderung EU-Gasrichtlinie vor. Für die OMV habe die Nord Stream 2 eine "hohe strategische Bedeutung", betonte OMV-Chef Rainer Seele heute in London bei der Präsentation der neuen Konzernstrategie. (apa/red)