Gummiindustrie

Schwierigkeiten bei Semperit gehen weiter - der Umbau auch

Der heimische Gummikonzern Semperit hat seinen Nettoverlust im Jahr 2017 verdreifacht und gibt keinen Ausblick auf die nächsten Quartale. Der Umbau soll jedenfalls weitergehen. "Ich rüttle an jedem Baum", sagt Konzernchef Füllenbach.

Der seit einiger Zeit mit wirtschaftlichen Problemen kämpfende Gummi- und Kautschukkonzern Semperit hat im Jahr 2017 seinen Nettoverlust aufgrund von Einmalbelastungen und Restrukturierungsmaßnahmen verdreifacht.

Der Gummiverarbeiter Semperit hat 2017 deutliche Verluste geschrieben und muss umgebaut werden. Die Produktion mit 16 Werken und zahlreichen unterschiedlichen Produkten sei zu komplex, in vielen Bereichen seien die Arbeitsabläufe veraltet, sagte Firmenchef Martin Füllenbach in der Bilanzpressekonferenz. Fast alles stehe am Prüfstand, Ausblick auf die kommenden Quartale gebe es nicht.

Stammwerk in Niederösterreich wird nicht "restrukturiert"

"Ich rüttle an jedem Baum", meint Füllenbach, um zu Verbesserungen zu kommen. Der im Vorjahr angetretene Konzernchef schließt dabei jedoch Semperflex und auch die Produktion im niederösterreichischen Wimpassing aus. Im Stammwerk sei das Forschungszentrum, nur hier werden Operationshandschuhe hergestellt, Gummimischungen entstehen und auch andere Produkte werden erzeugt. Ins Mischwerk sollte sogar heuer noch investiert werden. Ansonsten aber sei nichts auszuschließen, auch nicht die Trennung von ganzen Geschäftsbereichen.

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Gegen den "Materialtourismus"

Kompliziert sei die Semperit-Struktur beispielsweise, weil OP-Handschuhe aus Wimpassing in Sopron verpackt, in Deutschland bestrahlt und dann wieder ins Verteilungszentrum zurückgebracht würden. "Wir haben einen Materialtourismus", so Füllenbach.

Füllenbach und Semperit-Finanzchef Frank Gumbinger kämpfen an verschiedenen Fronten um Verbesserungen. Im Mischbetrieb, wo Gummimischungen entstehen, ist der Engpass so groß, dass im Vorjahr teuer von extern Material zugekauft werden musste. Hier ist ein Ausbau geplant.

Der Einkauf setze viel zu sehr auf kurzfristige Geschäfte am Spotmarkt, wodurch Preiserhöhungen unmittelbar durchschlagen. Hier müsse ein moderner Ablauf mit längerfristigen Verträgen installiert werden. Die IT-Anlage entspreche nicht modernen Standards, Daten zwischen den einzelnen Werken seien oft nicht vergleichbar, was das Controlling erschwere.

Andere Themen sind Arbeitsunfälle - im Schnitt über alle Semperitwerke gebe es mehr Unfälle als auf einer Ölplattform in der Nordsee, das sei nicht nachvollziehbar. Aber auch der Ausschuss bei der Produktion habe Dimensionen, die die Kostensituation verschärfen und müsse deutlich verbessert werden.

Zur Strategie des Herstellers:

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Die Ergebnisse im Detail

Semperit hat für 2017 bei 874 Mio. Euro Umsatz (plus 2,6 Prozent) nach Steuern 26 Mio. Euro Verlust ausgewiesen, ohne alle Sondereffekte hätte der Verlust sogar 43 Mio. Euro betragen. Der Ausstieg aus einem Joint Venture in Thailand hat einen positiven Sondereffekt im operativen Geschäft von 85 Mio. Euro gebracht, dem standen aber auch einige negative Sondereffekte gegenüber. Einer davon ist eine Rückstellung für eine Steuernachforderung über 5,4 Mio. Euro in Österreich, eine andere sind Kosten für die Werksschließung in Frankreich (11,4 Mio. Euro), die größte aber eine Wertminderung bei der Handschuhproduktion.

Effiziente Produktion von Schläuchen und Förderbändern

Zufrieden ist Füllenbach nur mit der Schlauchproduktion (Semperflex), "da machen Umsatzwachstum und Profitabilität tatsächlich Spaß". In diesem Bereich gebe es effiziente und moderne Produktionsprozesse. Auch für die absehbare Zukunft zeichne sich keine Eintrübung ab. Schlecht läuft es für die Produktion von Förderbändern (Sempertrans): Hier hat der operative Gewinn (EBIT) von plus 12 Mio. 2016 in einen Verlust von 9 Mio. Euro gedreht, schon bereinigt um die Kosten für die Werksschließung in Frankreich.

"Ermutigende Entwicklungen" sieht Füllenbach bei Semperform, vor allem bei der Herstellung von Gummiprofilen für Aluminiumfenster. "Das größte Problemkind" des Konzerns ist allerdings die Sparte für Gummihandschuhe, Sempermed. Hier gibt es unverändert Millionenverluste (12 Mio. Euro 2017), der Konkurrenzdruck ist hoch, die Werke arbeiten "nicht kosteneffizient", so Füllenbach.

"Transformationsprogramm" soll bis 2020 laufen

Um das Ruder herumzureißen gibt es nun das "Transformationsprogramm", das bis 2020 laufen soll. Details will Füllenbach keine nennen, auch nicht wie viele Werke am Ende übrig bleiben. Auch der Verkauf einer ganzen Sparte ist denkbar. Investiert werde im Semperflex-Werk in Tschechien und in den Mischbetrieb.

Mittelfristig soll die EBITDA-Marge von jetzt 4,1 Prozent auf mehr als 10 Prozent steigen, ist das Ziel. Auch Zielwerte für die Mitarbeiterzahlen nennt Füllenbach nicht. Derzeit hat Semperit - der Konzern hat seit langem nichts mehr mit dem Reifenhersteller Semperit zu tun - weltweit 6.800 Mitarbeiter, davon 800 in Österreich.

Füllenbach bestätigte auf Fragen auch, dass sein Vorgänger als Vorstandsvorsitzender, Thomas Fahnemann, nicht entlastet worden sei. Sein Arbeitsvertrag sei aufgehoben worden und er habe "einen Beitrag geleistet". (apa/red)