Schiffbau

Schwere Schieflage in Kroatiens Werften - und Zagreb sind die Hände gebunden

Der Streik in den kroatischen Werften in Pula und Rijeka hat sich weiter fortgesetzt. Eine Pleite hätte verheerende Auswirkungen auf die gesamte Region. Doch nach der - verpflichtenden - Privatisierung darf die Regierung Kroatiens finanziell nicht eingreifen.

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Der Streik in kroatischen Werften in Pula und Rijeka hat sich bis Ende vergangener Woche den dritten Tag fortgesetzt. Rund 4.500 Beschäftigten des größten Schiffsbauunternehmens im Land, der Uljanik-Gruppe, traten vergangene Woche wegen verzögerter Lohnauszahlung in den Ausstand. Eine Lösung, um kurzfristig 6,7 Mio. Euro für ausständige Juli-Löhne aufzutreiben, sei nicht in Sicht, berichteten kroatische Medien.

Verheerende Auswirkungen auf die gesamte Region befürchtet

Der Kollaps des Schiffsbauers hätte verheerende Auswirkungen auf die gesamte Küstenregion - in den beiden Werften und Zulieferbetrieben sind insgesamt 10.000 Arbeitsplätze gefährdet.

In Pula haben sich den Streikenden, die am Freitag in einem Protestzug durch die Straßen zogen, auch die Bewohner der istrischen Stadt angeschlossen. "Wir geben Uljanik nicht her", stand auf den Transparenten laut Medienberichten. Die Beschäftigten fordern nicht nur ihre Löhne, sondern vor allem den Rücktritt des Vorstands, den sie für die Schieflage des Schiffsbauers verantwortlich machen. Die Beschäftigten aus beiden Werften wollen nun eine Protestveranstaltung vor dem Regierungsgebäude in Zagreb abhalten.

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Ein Treffen zwischen den Regierungsvertretern, der Unternehmensführung und dem künftigen strategischen Partner brachte vergangene Woche keine Lösung für die Situation. Die Regierung kann wegen Einschränkungen für staatliche Beihilfen das Geld für die Lohnauszahlung nicht bereitstellen, hieß es.

Der Uljanik-Vorstand hat selbst keinen Plan, um das nötige Geld zu organisieren. Das Unternehmen, Kermas Energija, das dem kroatischen Unternehmen Danko Koncar gehört und als künftiger strategischer Partner für die Werft "Uljanik" in Pula ausgewählt wurde, will hingegen so lange nicht eingreifen, bis das vorbereitete Sanierungsprogramm grünes Licht von der EU-Kommission bekommt.

Anwort der EU im September erwartet

Mit einer Antwort aus Brüssel wird für September gerechnet. Dem Plan zufolge sollen sowohl der strategische Partner als auch der kroatische Staat die Sanierung finanziell unterstützen. Die Werft aus Pula, die zum Jahresanfang bereits staatliche Garantieren für einen Kredit in der Höhe von 96 Mio. Euro bekommen hat, hat derzeit nicht nur Probleme, Geld für die Löhne bereitzustellen, sondern auch für das Material, um die bestehenden Aufträge auszuführen, berichteten die Medien. Demzufolge braucht die Werft insgesamt 580 Mio. Euro, um die vereinbarten Aufträge auszuführen.

Italienische Werft offenbar an "3. Maj" interessiert

Auch die zweite Tochter der Uljanik-Gruppe, die Werft "3. Maj" aus Rijeka, hat ähnliche Liquiditätsprobleme. Zwar weist sie Berichten zufolge auf Papier ein geringes Plus für das vergangene Geschäftsjahr aus, hat aber ebenfalls kein Geld für Löhne und laufende Aufträge. Auf eine Rettung durch eine staatlich unterstützte Sanierung kann man in Rijeka allerdings nicht rechnen, da die Werft bereits im Vorjahr einen Restrukturierungsprozess abgeschlossen hat.

Zum Verhängnis wurden der Werft "3. Maj" vor allem große Darlehen an andere Unternehmen innerhalb der Gruppe. Die rund 70 Mio. Euro, die aus Rijeka in die Gruppe gepumpt wurden, kann man nun nicht zurückbekommen. Als Lösung wird eine Trennung von Uljanik gesehen - laut früheren Medienberichten hat sich im Frühjahr der größte europäische Schiffsbauer, der italienische Fincantieri aus Triest, für die Übernahme der Werft aus Rijeka interessiert.

Pleite nicht mehr ausgeschlossen

Indes werden Spekulationen über einen Konkurs immer lauter. Auch der kroatische Wirtschaftsminister Darko Horvat musste zuletzt einräumen, dass der Konkurs eine Option sei. In diesem Moment sei das aber nicht die einzige Möglichkeit, betonte der Minister und wies darauf hin, dass in erster Linie der Unternehmensvorstand und der von ihm ausgewählte strategische Partner für die Lösung zuständig seien. Er machte auch klar, dass der Staat nicht vorhabe, große Mengen an Geld in die Uljanik-Gruppe zu pumpen, solange es keine klare Vision über ihre Zukunft gebe, berichteten die Medien.

Kroatien hat Milliarden in die Sanierung gepumpt - musste die Werften dann privatisieren

Der kroatische Staat hat zwischen 1992 und 2017 mehr als 4 Mrd. Euro in die Sanierung der kroatischen Schiffsbaubranche gepumpt. Als Bedingung für den EU-Beitritt musste Kroatien ursprünglich sechs, und später vier Werften privatisieren. Die Werft "Uljanik", die vom Privatisierungsprozess ausgenommen wurde, weil sie als einzige profitabel arbeitete, wurde 2012 von den Arbeitern übernommen. Obwohl selbst sanierungsbedürftig übernahm sie 2013 den Konkurrenten aus Rijeka, was die finanziellen Probleme noch vertieft hat.

Die Werft gehört zu 46 Prozent ihren Arbeitern

Der Mutterkonzern der Uljanik-Gruppe gehört zu 46 Prozent den Arbeitern, den Rest halten Investoren. Der größte Aktionär ist die führende kroatische Versicherung Croatia Osiguranje mit knapp 10 Prozent. Der Staat hält über verschiedene Fonds indirekt rund 25 Prozent an der Gruppe. (APA/red)