Firmenübernahmen

Schramböck: Gesetz gegen Firmenübernahmen aus dem Ausland kommt bald

Die Coronakrise hat heimische Unternehmen für Investoren aus dem Ausland und insbesondere aus China besonders leicht angreifbar gemacht. Ein bereits von der früheren ÖVP-FPÖ-Regierung geplantes Gesetz soll nun bald kommen.

Das von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bereits mehrmals angekündigte Gesetz zum Schutz von heimischen Unternehmen vor Übernahmen aus der Ausland rückt näher. Ein entsprechender Entwurf ist in Begutachtung gegangen. Dieser sieht eine Genehmigungspflicht für Investoren aus Drittstaaten vor, die 25 Prozent oder mehr an einer heimischen Firma halten wollen.

Diese Schwelle sinkt auf 10 Prozent, wenn es sich um ein Unternehmen in einem sensiblen Bereich handelt. Diese Bereiche sind "Verteidigungsgüter und -technologien", "Betreiben kritischer Energieinfrastruktur", "Betreiben kritischer digitaler Infrastruktur, insbesondere von 5G Infrastruktur", "Wasser", "Betreiben von Systemen, die die Datensouveränität der Republik Österreich gewährleisten" sowie "Forschung und Entwicklung in den Bereichen Arzneimitteln, Impfstoffe, Medizinprodukte und persönliche Schutzausrüstung".

Zudem ist eine erneute Genehmigung nötig, wenn ein ausländischer Investor seinen Anteil erhöhen will, konkret liegt die zweite Schwelle bei 50 Prozent. Bei kritischen Bereichen liegen die Genehmigungsschwellen bei 10, 25, und 50 Prozent. Keine Genehmigungspflicht gibt es dagegen, wenn das Zielunternehmen ein "Kleinstunternehmen, einschließlich Start-up-Unternehmen, mit weniger als 10 Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern und einem Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von unter 2 Millionen Euro" ist, hieß es im Gesetzesentwurf.

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Geprüft werden soll, ob eine Direktinvestition die "Sicherheit oder öffentliche Ordnung einschließlich der Krisen- und Daseinsvorsorge" gefährde. Steigen mehrere ausländische Investoren in ein heimisches Unternehmen ein, soll deren Stimmanteil am Zielunternehmen zusammengerechnet werden.

Das Prozedere sieht vor, dass der Investor bzw. der Investor und das Zielunternehmen gemeinsam einen Genehmigungsantrag bei der Regierung stellen müssen. Die Entscheidung obliegt dann dem zuständigen Minister, der binnen eines Monats entweder grünes Licht für die Beteiligung geben oder ein "vertieftes Prüfverfahren" einleiten muss. Ergeht in diesem Zeitraum keine Entscheidung, gilt die Genehmigung als erteilt.

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Bei einem vertieften Prüfverfahren hat der Minister zwei weitere Monate Zeit, um die Beteiligung nach einer Prüfung entweder zu genehmigen, eine Genehmigung mit Auflagen zu erteilen oder die Genehmigung gänzlich zu verweigern. Verstreicht die zweimonatige Frist ohne Entscheidung, gilt die Genehmigung als erteilt.

Das Gesetz sieht außerdem eine umfassende Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union bei der Überprüfung ausländischer Investoren vor. So muss der Minister die EU-Kommission über die Einleitung eines Prüfverfahrens informieren und angeben, ob die Beteiligung das Unionsinteresse oder die Sicherheit in anderen EU-Staaten gefährden könnte. Informationsanfragen der Kommission oder anderer EU-Staaten zu einer Überprüfung müssen außerdem "unverzüglich" beantwortet werden, so der Entwurf.

Österreich setzt mit dem Gesetz eine EU-Verordnung zu FDI-Screenings um. Erst im heurigen April hatte der EU-Handelskommissar Phil Hogan eindringlich dazu aufgerufen, die Investitionskontrolle in den Mitgliedsländern so schnell wie möglich umzusetzen. (apa/red)

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