Bahnindustrie

Grünes Licht für CRRC: China bekommt erstes Lokomotivwerk in Deutschland

Das deutsche Bundeskartellamt hat Vossloh grünes Licht für den umstrittenen Verkauf seines Lokomotiv-Geschäfts an den chinesischen Zuggiganten CRRC gegeben. Die Wettbewerbshüter hätten die Transaktion nach gründlicher Prüfung trotz "durchaus vorhandener Bedenken" gebilligt, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Es sei aber auszuschließen, dass die Übernahme zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf dem Markt für Rangierlokomotiven in Europa führen werde.

Deutsche Behörde prüft Gefahr von Dumping - und findet angeblich nichts

Das Kartellamt habe "alle Besonderheiten, die mit der Übernahme eines europäischen Unternehmens durch ein chinesisches Staatsunternehmen einhergehen, sehr gründlich geprüft", sagte Mundt. Die Kartellwächter hätten sich dabei auch "mit der Gefahr von Niedrigpreis- und Dumpingstrategien" durch den chinesischen Konzern auseinandergesetzt.

Vossloh Locomotives habe in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, zugleich seien neue Wettbewerber in den Markt eingetreten, begründete Mundt die Freigabe. CRRC spiele auf dem europäischen Markt zudem bisher nur eine untergeordnete Rolle.

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Heinz Hermann Thiele ist der Deal offenbar egal

Der deutsche Bahntechnikkonzern Vossloh hatte Ende August mit der CRRC-Tochter Zhuzhou einen Käufer für die Loksparte mit rund 500 Beschäftigten gefunden.

Im Vorjahr hat übrigens der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele nach einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an Vossloh übernommen. Der 78-Jährige, der auch Mehrheitseigentümer des Bremsen-Herstellers Knorr-Bremse ist, hält derzeit 50,1 Prozent an Vossloh. Dazu: Großaktionär Heinz Hermann Thiele hält jetzt die Mehrheit an Vossloh >>>

Sparte mit 500 Mitarbeitern wird für CRRC zum Einfallstor nach Europa

Für die Chinesen ist der Zukauf ein weiteres Einfallstor in den europäischen Markt. CRRC ist selbst aus der Fusion von zwei staatlichen chinesischen Bahnkonzernen entstanden, die durch Kooperationen mit westlichen Herstellern und "Technologietransfer" groß geworden waren. Auch CRRC gehört mehrheitlich dem chinesischen Staat.

Die aggressive Expansion des weltgrößten Lokherstellers CRRC hat die Branche aufgeschreckt. CRRC sorgt bereits seit längerem für Aufregung in der Branche: Der ICE-Bauer Siemens hatte in der Vergangenheit Fusionspläne mit dem französischen Konkurrenten Alstom mit der drohenden Konkurrenz aus China begründet. Doch die EU-Kommission hatte den Zusammenschluss der beiden führenden europäischen Hersteller mit der Begründung abgeschmettert, dass CRRC in der EU bisher kaum Fuß gefasst habe. (reuters/apa/red)

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