Zulieferer

Schaeffler profitiert von der Autoindustrie - und dem schwachen Euro

Der deutsche Wälzlagerhersteller Schaeffler ist im Vorjahr weiter gewachsen - das Geschäft mit der Autoindustrie läuft weiter rund. Für Aufsehen sorgen Ermittlungen gegen den ehemaligen Konzernchef Jürgen Geißinger, heute Chef von Senvion.

Das Geschäft mit der Autoindustrie läuft beim deutschen Wälzlagerhersteller Schaeffler weiter rund. Dank des wachsenden Kerngeschäfts und des schwachen Euro konnte der Konzern im vergangenen Jahr auch die Schwäche im Industriegeschäft ausbügeln. Insgesamt wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 9,1 Prozent auf 13,23 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilt.

Der Euro war im Vergleich mit dem Vorjahr deutlich schwächer. Deshalb verstärkte schon die Umrechnung der im Ausland erzielten Erlöse in die Gemeinschaftswährung das Plus beim Konzernumsatz. Ohne diesen Rückenwind aus der Umrechnung in Euro hätte das Plus 3,5 Prozent betragen. Im laufenden Jahr peilt Vorstandschef Klaus Rosenfeld ein Wachstum von 3 bis 5 Prozent an.

Gut lief es in der Autosparte in den USA und auch in China, wo das Unternehmen im Jahresverlauf aber eine kleine Delle hinnehmen musste. Außerdem legte das Ersatzteilgeschäft überdurchschnittlich zu. Das Industriegeschäft wuchs nur dank des schwachen Euros.

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Probleme in der Ölbranche

Probleme macht laut Rosenfeld zum Beispiel der Abschwung in einigen Branchen wie der Öl- und Gasindustrie. Schaeffler hatte in der Sparte ohnehin einen Umbau gestartet, um im Wettbewerb fitter zu werden. Rund 500 Stellen sollen abgebaut werden. Hier liege man im Plan, sagte Rosenfeld auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Ende 2015 beschäftigte Schaeffler 84.200 Mitarbeiter - rund 1.900 mehr als ein Jahr zuvor.

Zu Volkswagen und möglichen Sparbemühungen der Wolfsburger wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte wollte sich Rosenfeld nicht äußern. Er verwies auf die eigenen Geschäftszahlen. Die operative Gewinnmarge im Autogeschäft liegt bei den Franken komfortabel im zweistelligen Prozentbereich - ein Wert, den auch deutsche Oberklasseautobauer kaum erreichen. "Insofern spricht einiges dafür, dass wir unsere Dinge richtig machen", sagte Rosenfeld.

Unter dem Strich kam das Umsatzwachstum nicht an, weil Schaeffler im Dezember 238 Mio. Euro für mögliche Schadensersatzansprüche in einem Kartellverfahren zurücklegte. Außerdem wurden für den Konzernumbau im schwächelnden Industriegeschäft Rückstellungen von 36 Mio. Euro gebildet. Der Konzerngewinn schrumpfte um 9,6 Prozent auf 591 Mio. Euro. An der Börse gewann die Aktie im SDAX 0,14 Prozent.

Die Verschuldung konnte Schaeffler binnen Jahresfrist von 5,8 auf 4,9 Mrd. Euro senken. Seit Ende 2012 seien ein Viertel der Schulden abgebaut worden.

Ohne die Sondereffekte wäre der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) etwas schwächer als der Umsatz um 7,4 Prozent auf 1,68 Mrd. Euro gestiegen, rechnete der Konzern vor. Im laufenden Jahr nimmt sich Schaeffler bei der bereinigten operativen Marge erneut einen Zielwert von 12 bis 13 Prozent vor (VJ: 12,7). "Auch wenn das Umfeld weiter herausfordernd bleibt, sehen wir für unser Geschäft weiter gute Wachstumschancen", sagte Rosenfeld.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemaligen Konzernchef

Neben den Zahlen erregte ein Ermittlungsverfahren Aufsehen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr, Untreue und Steuerhinterziehung gegen ehemalige Manager des Konzerns.

Zu diesen gehört auch der Ex-Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, der jetzt Vorstandschef des Hamburger Windkraftanlagenherstellers Senvion ist. Laut Angaben seines Sprechers stellt Geißinger fest, dass er die aus den Jahren 2006 bis 2011 stammenden Vorfälle lückenlos aufgeklärt habe.

Im Zuge eines Untersuchungsberichts habe er 2011 alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Er stehe nicht im Fokus der Ermittlungen und soll auch selbst keine Bestechungszahlungen vorgenommen haben. Geißinger gehe davon aus, dass die vorläufigen Ermittlungen zeitnah eingestellt werden.

Verdacht auf Schmiergeldzahlungen

Es geht um zurückliegende Schmiergeldzahlungen einer Tochtergesellschaft in der Türkei, laut Staatsanwaltschaft wird aber auch ein mögliches Vergehen in anderen Ländern geprüft. Auch Schaeffler fordert einem Bericht in der "Süddeutschen Zeitung" zufolge von acht ehemaligen Mitarbeitern Schadensersatz in Höhe von 13 Mio. Euro, das Unternehmen wollte sich auf der Pressekonferenz zum laufenden Verfahren jedoch nicht äußern. (dpa/apa/red)

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