Zulieferindustrie : Schaeffler: Mitarbeiter protestieren gegen tausende Kündigungen

Der auf Wälzlager spezialisierte Autozulieferer steht wegen des Umstiegs der Autoindustrie auf Elektroautos unter Druck, weil viele seiner angestammten Produkte dann nicht mehr gebraucht werden. In der vergangenen Woche hatte Schaeffler den Abbau weiterer 4.400 der 84.000 Arbeitsplätze und Werksschließungen angekündigt, größtenteils in Deutschland. Das kostet zunächst 700 Millionen Euro, soll aber später bis zu 300 Millionen Euro an Einsparungen im Jahr bringen. Seit 2018 ist die Belegschaft von Schaeffler um 8.250 Personen geschrumpft.

Proteste an Standorten in Deutschland

Die Gewerkschaft IG Metall kündigte für diese Woche einen Protesttag an den deutschen Schaeffler-Standorten an. "Standortschließungen und Verlagerungen an Billigstandorte werden wir nicht hinnehmen", erklärte der bayerische Bezirksleiter der Gewerkschaft, Johann Horn. "Betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen sein." Er warf dem Vorstand vor, die Krise zu nutzen, um den Profit zu steigern. "Wir erwarten, dass Schaeffler Verantwortung übernimmt und Beschäftigung sichert", etwa durch Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit.

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Vorstandschef Rosenfeld sagte, die Coronakrise sei nicht der Auslöser des Strukturwandels, "aber sie beschleunigt und verstärkt diesen Wandel". Die Autoindustrie werde erst 2024 wieder auf dem Niveau von 2019 sein.

Wegen der Pandemie hatte Schaeffler die Präsentation seiner finanziellen Ziele für die nächsten vier Jahre im Frühjahr verschoben. Nun wird aus der "Roadmap 2024" eine "Roadmap 2025". Sie soll noch in diesem Jahr vorgestellt werden, wie Rosenfeld sagte.

Coronakrise: "Es gibt keinen Brand, den wir löschen müssen"

Der Autozulieferer braucht nach eigenen Angaben kein frisches Geld, um durch die Coronakrise zu kommen. "Es gibt keinen Brand, den wir löschen müssten, es gibt keine Löcher, die wir stopfen müssten", sagte Großaktionär und Aufsichtsratschef Georg Schaeffler auf einer außerordentlichen Hauptversammlung.

Dort genehmigte die Schaeffler-Familienholding einen Kapitalrahmen, mit dem das Unternehmen bei Bedarf 200 Millionen Vorzugsaktien ausgeben und damit im besten Fall mehr als eine Milliarde Euro einsammeln könnte. Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagte, Schaeffler gehe es mit dem Vorratsbeschluss nur darum, Chancen auf Übernahmen auch in der Coronakrise nicht verstreichen lassen zu müssen. Deshalb habe man nicht bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Frühjahr warten wollen.

Der neue Finanzvorstand Klaus Patzak sagte, zusätzliches Eigenkapital könne Schaeffler helfen, das Investment-Grade-Rating wiederzugewinnen, das man in der Coronakrise eingebüßt hatte. Das Unternehmen schaffe das mittelfristig aber auch aus eigener Kraft. Der Familienkonzern ist eines von wenigen börsennotierten Unternehmen ohne einen im Voraus genehmigten Kapitalrahmen.

Zur Person:

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Konkret habe Schaeffler kein Unternehmen im Visier, dessen Kauf man damit finanzieren könnte, betonte Vorstandschef Rosenfeld. Der Hauptversammlungsbeschluss war Formsache, weil alle stimmberechtigten Stammaktien bei Georg Schaeffler und seiner Mutter Maria-Elisabeth liegen. Nur die Vorzüge sind an der Börse notiert. (reuters/apa/red)