Mineralölindustrie

SBO-Chef Gerald Grohmann erwartet einen langen Aufschwung

Nach einer weltweiten Flaute in der Ölindustrie rechnet der heimische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann nun mit einem starken Nachholbedarf. Mit einem dicken Auftragspolster sei auch der Gewinn zuletzt stark gestiegen, so Konzernchef Gerald Grohmann.

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann hat nach mehreren schwachen Jahren das operative Ergebnis ins Plus gedreht und im ersten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragseingang kräftig zugelegt. SBO-Chef Gerald Grohmann geht davon aus, dass der Aufschwung diesmal länger anhalten wird, weil die Ölförderer nach den Investitionskürzungen der letzten Jahre großen Aufholbedarf haben.

"Wir hatten noch nie in unserer Geschichte drei Jahre mit extrem zurückgeschnittenen Explorations- und Produktionsausgaben", sagte Grohmann zur APA. "Hier muss es einen Nachholeffekt geben, weil sonst das benötigte Öl nicht produziert werden kann. Die Industrie muss mehr und länger investieren, weil sonst die Gefahr einer Unterversorgung besteht."

"Die Großwetterlage für uns ist momentan sehr gut"

Im ersten Quartal habe das Ergebnis nach Steuern von -5 Mio. Euro im Vorjahr auf 3,7 Mio. Euro ins Plus gedreht, sei aber "noch etwas klein", so Grohmann. "Der Grund ist, dass wir in diesem Quartal sieben Millionen Dividende an Minderheitsgesellschafter bei einer Tochtergesellschaft bezahlt haben. Das schlägt sich im Finanzergebnis nieder."

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Der operative Gewinn (EBIT) drehte im ersten Quartal mit 13,6 Mio. Euro deutlicher ins Plus und der Umsatz stieg um 56,6 Prozent auf 94,2 Mio. Euro. Die Auftragseingänge legten um 73,4 Prozent auf 121,2 Mio. Euro zu. Der Auftragsstand verdoppelte sich und betrug zum Ende des ersten Quartals 61,8 Mio. Euro (31.03.2017: 30,5 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich auf 25,2 Mio. Euro mehr als verdreifacht, nach 7,2 Mio. Euro im ersten Quartal 2017.

"Grundsätzlich ist die Großwetterlage für uns momentan sehr gut, weil wir davon ausgehen, dass Amerika anhaltend stark bleibt und seit dem ersten Quartal auch das internationale Geschäft Schritt für Schritt in die Gänge kommt." Dieser Trend dürfte sich im weiteren Jahresverlauf fortsetzen und verstärken, meint Grohmann.

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Ölpreis steigt

Unterstützt werde die Erholung vom Ölpreis, allerdings sei der Zusammenhang mit dem Ergebnis der SBO nicht so direkt wie bei den Ölproduzenten selbst. In der Ölserviceindustrie gebe es auch andere wichtige Einflussfaktoren wie etwa die Lagerbestände bei den Kunden. Tatsächlich habe sich in der Vergangenheit der Kurs der SBO-Aktie parallel zum Ölpreis entwickelt, aber "in den letzten Monaten haben wir den Ölpreis outperformed, weil der Aktienkurs ist über 100 und der Ölpreis ist irgendwo bei 80. Auch das reflektiert ein bisschen die Erwartungshaltung des Marktes." Heute hat die SBO-Aktie bis 10 Uhr um 1,9 Prozent auf 106,70 Euro nachgegeben.

Ausbau in Vietnam

Am Standort Vietnam will Schoeller-Bleckmann die Produktion ausbauen. Bisher habe man dort MWD/LWD Collars (komplexe Gehäuseteile) produziert. "Wir merken, dass es auch einen Bedarf gibt für die Einbauteile dazu." Derzeit sei man dabei, die Maschinen dafür zu implementieren und die Leute zu trainieren. Die erweiterte Produktion könnte im zweiten Halbjahr beginnen, sagte Grohmann.

Weitere Zukäufe wären am ehesten im Completions-Bereich (Vorbereitung einer Öl- oder Gasquelle auf die Produktion) möglich, "das ist unser jüngstes Geschäftsfeld, wo wir schon zwei Akquisitionen getätigt haben". Man habe derzeit Liquidität von knapp 160 Mio. Euro, die Finanzierung eines solchen Zukaufs "wäre darstellbar", so Grohmann.

Die Eigenkapitalquote der SBO betrug am Ende des ersten Quartals 2018 42,6 Prozent (31.03.2017: 52,6 Prozent). Die Nettoverschuldung lag bei 59,5 Mio. Euro (31.03.2017: 54,9 Mio. Euro). Der operative Cashflow belief sich auf 7,8 Mio. Euro, der freie Cashflow auf 1,9 Mio. Euro. (apa/red)