Bergbau

Sandvik bastelt an einer dritten Säule

Der Bergbaumaschinenhersteller Sandvik will die Abhängigkeiten von den Segmenten Kohle und Tunnelbau reduzieren.

Gerhard Hubmann Bergbau Sandvik Entwicklung

Es ist ein enger Zeitplan, den sich die Steirer verordnet haben: Anfang August startet im Zeltweger Sandvik-Werk der Bau des neuen Untertagesystems (MX650 Rapid Mine Delevelopment System), mit dem das Schneiden von Hartgestein im weltweiten Bergbau revolutioniert werden soll. Bis Jahresende soll der Prototyp finalisiert sein. "Die Detailkonstruktion ist bereits erfolgreich abgeschlossen", vermeldet Standortgeschäftsführer Gerhard Hubmann. 2017 soll es mit der  Neuentwicklung, die Sandvik-intern als derzeit wichtigste Weichenstellung zugunsten einer Portfolioerweiterung betrachtet wird, dann in eine erste Testphase gehen – zunächst in der Wolfram-Mine Mittersill, wo europaweit eines der größten Wolframvorkommen zu finden ist und Sandvik durch die Übernahme der Wolfram Bergbau- und Hütten-GmbH 2009 beste Versuchsbedingungen vorfindet. Im Anschluss daran folgt die Produktanlaufphase mit Kunden. "Wir verhandeln derzeit mit verschiedenen Interessenten, unter anderem aus Mexiko und Südafrika", erzählt Hubmann.

Sparkurs bei Minenbetreibern

Das Tempo, mit dem die Steirer die Entwicklung anschieben, kommt nicht von ungefähr: Der dramatische Preisverfall der Kohle – gegenüber dem Vorjahr sank der Preis in diversen Märkten pro Tonne um rund die Hälfte – zwingt Minenbetreiber zu drastischen Maßnahmen: Allein in China werden tausende Minen geschlossen. Investitionen in Neugeräte wurden dramatisch zurückgefahren, was 2014 zu einem Umsatzrückgang von fast 50 Prozent für den Standort Zeltweg in den letzten zwei Jahren führte. Im Vorjahr musste Sandvik Zeltweg im Segment Kohle und Mineralien die Belegschaft um rund 15 Prozent an die neuen Marktverhältnisse anpassen. Ein Großauftrag aus Australien im Segment Tunnelbau sorgte dann wieder für volle Auftragsbücher für 2016. Vier Roadheader lieferte Sandvik im vierten Quartal 2015 aus, "17 gehen heuer zum Kunden", berichtet Hubmann. Bestellungen von zwei bis vier weiteren Maschinen durch denselben Kunden könnten noch hinzukommen. 

Allerdings: Tunnelbauprojekte für Roadheader sind nicht wirklich nachhaltig, soll heißen: Die Nachfrage nach diesen Spezialmaschinen ist stark von Infrastrukturprojekten abhängig. Trotz weiterer Investitionen in den Bereichen Kohle und Tunnelbau, aber um die Abhängigkeiten in diesen Segmenten zu reduzieren, werden die Steirer ihre Entwicklungskapazitäten zukünftig in ein drittes Standbein investieren: das neue Segment Hartgesteinschneiden. "Tunnels werden nicht mehr durch Bohren und Sprengen aufgefahren, sondern effizient, schnell und sicher in einem kontinuierlichen, schneidenden Prozess", erklärt Alexander Märk, Entwicklungschef bei Sandvik Mining and Construction in Zeltweg. Die Entwicklung der Schneidtechnologie lassen sich die Steirer auch etwas kosten: Allein für den Schneidprüfstand investierte der Sandvik-Konzern fünf Millionen Euro in den Standort Zeltweg.

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