Energieversorger

RWE will Kraftwerke zukaufen - in der Nachbarschaft von Österreich

Der deutsche Energieversorger RWE hat sein Interesse an Übernahmen von Kraftwerken erneuert - und zwar vor allem im Süden Deutschlands

Der deutsche Energieversorger RWE hat sein Interesse an Übernahmen von Kraftwerken erneuert. "Die Branche konsolidiert sich, und dabei will RWE als Kostenführer eine aktive Rolle spielen. Wir halten Ausschau nach attraktiven Kraftwerken, die zum Kauf stehen. Wir sehen uns alles an", sagt der Chef der RWE-Kraftwerkstochter, Matthias Hartung. In Deutschland sei primär der Süden interessant.

Dabei wollte er nicht darauf antworten, ob RWE auch mit dem süddeutschen Versorger EnBW, der aus der Kohle-Stromerzeugung aussteigen will, verhandelt. "Ich werde mich nicht zu einzelnen Kraftwerken äußern. Aber gerade in Süddeutschland sind Kraftwerke interessant, weil dort der Wegfall des Atomstroms besonders spürbar wird. Deshalb planen wir dort eigene Kraftwerksprojekte", so Hartung diese Woche gegenüber der "Rheinischen Post".

Mit den Aussagen zu möglichen Übernahmen bekräftigte Hartung Aussagen des RWE-Vorstandchefs Rolf Martin Schmitz aus dem Sommer. Dieser hatte im Juni der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) gesagt, dass RWE für Versorgungssicherheit stehe und das durch die punktuelle weitere Abrundung des Kraftwerksparks untermauern wolle.

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Kohlekraftwerke im Fokus

In Nordrhein-Westfalen decke Kohle noch 80 Prozent des Strombedarfs. Dennoch: "Kohle-Verstromung ist ein endliches Geschäft, das wissen wir." Schon jetzt gingen Braunkohle-Blöcke in die Reserve, zusätzlich seien Blöcke mit Kapazitäten von sieben Gigawatt bei der Netzagentur zur Stilllegung angemeldet. Bis 2022 folgen weitere elf Gigawatt bei der Kernkraft.

Hartung sieht gerade in der Abkehr vieler Betreiber und Länder von der Stromerzeugung über Kohle eine gute Option für RWE: "Genau darin sehen wir für uns eine Chance. Mit erneuerbaren Energien allein gibt es keine sichere Stromversorgung. Die Gesellschaft dürfte daher bereit sein, einen Preis für die Versorgungssicherheit zu zahlen."

RWE wurde zuletzt auch als potenzieller Interessent für die deutschen Kraftwerke des Konkurrenten Uniper ins Spiel gebracht. Dieser steht vor der Übernahme durch den finnischen Konzern Fortum. Sollte Uniper bei einem Kauf durch Fortum zerschlagen werden, könnte RWE das deutsche Kraftwerksgeschäft der Düsseldorfer übernehmen, hieß es in einem Bericht des "Handelsblatt" im Oktober.

Schmitz hatte sich dem Bericht zufolge nicht direkt zu Uniper äußern wollen. Aber auch im Gespräch mit dem Handelsblatt bekräftigte er sein Interesse an Übernahmen von Gas- und Kohlekraftwerken. "Wir haben die Märkte, in denen wir aktiv sind, im Blick - und sind für Zukäufe zum Beispiel von bestehenden Assets offen", sagte er der Zeitung im Oktober. "Wenn sich Gelegenheiten ergeben, werden wir die nutzen."

Ob es allerdings überhaupt zu einer Zerschlagung Unipers kommen wird, ist höchst ungewiss. Fortum weist dies von sich. "Wir sprechen mit niemandem über den Verkauf von Teilen von Uniper", hatte Konzernchef Pekka Lundmark dem "Handelsblatt" im Oktober gesagt und diese Haltung danach mehrfach bekräftigt. Fortum wolle ein "konstruktiver Partner" und "langfristiger Investor" sein. Uniper lehnt eine Übernahme durch die Finnen weiter ab.

Personalabbau geht weiter

Der angekündigte Personalabbau bei RWE verläuft nach den Worten Hartungs planmäßig. "Von den 14.200 Arbeitsplätzen, die wir 2015 hatten, werden wir wie angekündigt rund 2.300 Stellen abbauen, davon 2.100 in Deutschland", sagte er. "Im vergangenen Jahr waren es schon 600, in diesem Jahr 300. Bis 2020 werden wir damit noch 1.400 Stellen streichen. Auch der Abbau dieser Stellen wird sozialverträglich erfolgen."

Atomstrom vermeiden - Ausfälle auch

Weitere Jobs könnten aber bedroht sein, wenn die Politik mehr Kraftwerke stilllege. Ob die Stilllegung von weiteren fünf Gigawatt an deutscher Kraftwerkskapazität, die die Jamaika-Verhandler wollten, die Versorgungssicherheit gefährde, sollte die Netzagentur in einer "seriösen Abschätzung" ermitteln. Man wolle ja weder Atomstrom aus Frankreich oder Belgien importieren, noch Blackouts riskieren. (dpa-AFX/APA/red)

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