Mineralölindustrie

Rückkehr ins Eldorado: OMV nimmt Produktion in Libyen wieder auf

Der österreichische Mineralölkonzern OMV hat die Ölförderung in Libyen wieder aufgenommen. Mit möglicherweise enormen Auswirkungen auf die Fördermengen und damit den Gewinn - falls die Situation stabil bleibt.

Nach einem jahrelangen Rückzug aus Libyen hat die OMV wieder die Ölförderung in dem nordafrikanischen Land aufgenommen. Das könnte noch im Laufe des Jahres 2017 die gesamten Fördermengen des Konzerns massiv erhöhen. 

Die Region Nordafrika zählt traditionell zu den wichtigsten Fördergebieten der OMV. In früheren Jahren haben die Österreicher bis zu einem Zehntel ihrer konzernweiten Fördermengen aus Libyen geholt. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen ab 2011 hat die OMV allerdings ihre Produktion in dem Land weitgehend zurückgefahren.

"Verbesserungen" der Gesamtsituation 

Inzwischen habe es sowohl bei der politischen Situation als auch bei der Sicherheitslage "eine Verbesserung" gegeben, meldet die OMV. Deshalb hat der Konzern die Förderung im Sirte-Becken und in den Ölfeldern Sharara wieder aufgenommen. Bereits im vierten Quartal des Vorjahres habe die Fördermenge rund 3000 Fass pro Tag betragen, teilte der heute Konzern mit.

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Enorme Ausweitung der Fördermengen noch heuer möglich

Im Verlauf des heurigen Jahres soll die Fördermenge des Unternehmens in Libyen auf etwa 10.000 Fass pro Tag steigen. Falls die politische Lage stabil bleibe, könnte man die Ausbeutung der Felder sogar auf ein Volumen von bis zu 50.000 Barrel je Tag erhöhen, so die OMV.

Für die Österreicher wäre das eine große Veränderung gegenüber der Situaiton heute. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 betrug die durchschnittliche Fördermenge umgerechnet etwa 300.000 Fass pro Tag - und zwar in allen Förderfeldern des Konzerns.

Weitere Anteile an vier Förderfeldern

Zugleich hat sich der Mineralölkonzern weitere Anteile an vier Fördervereinbarungen im Sirte-Becken gesichert. Von jenen Anteilen, die für internationale Partner vorgesehen sind, hält die OMV jetzt nach eigenen Angaben 75 Prozent. Mehrheitsgesellschafter dieser Ölfelder bleibt demnach weiterhin die staatliche libysche Ölgesellschaft NOC. Ihre Beteiligung beträgt etwa 90 Prozent.

Auch "in schwierigen Zeiten" um Kontakte bemüht

Für den in Schwechat ansässigen Konzern zahlen sich damit offenbar nicht zuletzt die langjährigen Verbindungen ins Land aus. "Die OMV hat sich als vertrauensvoller Partner der NOC in schwierigen Zeiten bewährt und wird auch in Zukunft weiter in Libyen investieren", so das offizielle Zitat von Konzernchef Rainer Seele nach einem Arbeitstreffen mit dem NOC-Vorsitzenden Mustafa Sanalla in Tripolis.

OMV: Unter Kontrolle der Republik und der Vereinigten Arabischen Emirate

Die OMV ist der größte heimische Industriekonzern. Das börsenotierte Unternehmen wird über ein Syndikat zwischen Vertretern der Republik Österreich und einem arabischen Fonds kontrolliert. Dabei hält dieses Syndikat 56 Prozent der Anteile an der OMV.

Der österreichischen Staatsholding ÖBIB gehören 31,5 Prozent am Konzern. IPIC, der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate mit Sitz in Abu Dhabi, hält 24,9 Prozent.

Den aktuellen Mitarbeiterstand beziffert das Unternehmen mit etwa 24.100 Menschen. Der jüngste, für 2015 vorliegende Konzernumsatz beläuft sich auf 23 Milliarden Euro.

(red)