Kraftwerkbau

Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II geht offiziell ans Netz

Hoch über dem Kärntner Mölltal geht Österreichs neuestes Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II offiziell in Betrieb. Im Zentrum des komplexen Systems stehen zwei Pumpturbinen mit einer Leistung von 430 Megawatt. Die Investition von Verbund und Kelag betrug 400 Mio. Euro.

Verbund und Kelag haben das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II hoch über dem Kärntner Mölltal (Bezirk Spittal/Drau) offiziell eröffnet. Das 400 Mio. Euro teure Kraftwerk hat den Probebetrieb bereits hinter sich und wurde nun ans Netz genommen. Die beiden Pumpturbinen verfügen über eine Leistung von 430 Megawatt.

"Stromspeicher sind in einem erneuerbaren Energiesystem von zentraler Bedeutung, sie sorgen für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit", sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Kelag-Vorstand Armin Wiersma erklärte, die Beteiligung am Kraftwerk Reißeck II sei mit rund 200 Mio. Euro die größte Einzelinvestition des Energieversorgers in seiner Geschichte.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) meinte, mit dem Kraftwerk werde die Rolle Österreichs als "grüne Batterie" im Alpenraum gestärkt. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) erklärte, Reißeck II sei ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele.

Herzstück des neuen Kraftwerks sind die beiden hocheffizienten Pumpturbinen. Zur Stromerzeugung können im Turbinenbetrieb bis zu 80.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Mühldorfer See über den 3,5 Kilometer langen Druckstollen auf die Turbinen und weiter in die Speicher Gößkar und Galgenbichl geleitet werden. Ist hingegen zu viel Strom im Netz, kann Reißeck II diese Energie speichern, indem Wasser zurück hinauf in den Mühldorfer See gepumpt wird.

Sechs Jahre dauerten die Arbeiten auf Österreichs höchster Großbaustelle

Sechs Jahre lang befand sich im Gebiet des Mühldorfer Grabens die höchstgelegene Wasserkraftwerksbaustelle Österreichs. Im Inneren des Berges wurde eine 43 Meter hohe und 58 Meter lange Felskaverne ausgebrochen. Mit einer 880 Tonnen schweren Tunnelbohrmaschine wurde auf 2.200 Meter Seehöhe ein kilometerlanger Stollen zum Großen Mühldorfer See in den Berg getrieben.

Sämtliche Komponenten, wie etwa die 200 Tonnen schweren Generatoren und Transformatoren, mussten vom Mölltal aus mit Schwertransporten auf den Berg und in die Kaverne gebracht werden. Insgesamt wurden drei Millionen Arbeitsstunden für die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II geleistet.

Mit dem Kraftwerk Reißeck II werden die bisher getrennten Kraftwerkssysteme Reißeck und Malta miteinander verbunden. Die so entstandene Kraftwerksgruppe hat eine Turbinenleistung von mehr als 1.400 Megawatt (MW). Allein Reißeck II kann die Stromerzeugung von etwa 200 Windkraftanlagen speichern und im Bedarfsfall bereitstellen. (apa/red)

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