Justiz

Prozess um Millionenbetrug rund um den Bau eines Supersportwagens in Wien

Ein Schöffensenat am Wiener Straflandesgericht muss sich derzeit mit einem Millionenbetrug beschäftigen, bei dem ein Autokonstrukteur im Mittelpunkt steht.

Automobilindustrie Justiz Standort Wien

Ein Schöffensenat am Wiener Straflandesgericht muss sich derzeit mit einem Millionenbetrug beschäftigen: Einem 37-jährigen Unternehmer und Autokonstrukteur wurde vorgeworfen, sieben Investoren geschädigt zu haben, indem er ihnen für den Bau eines Supersportwagens unter Vorspiegelung prominenter Kaufinteressenten insgesamt 1,1 Millionen Euro herausgelockt haben soll.

"1.325 PS treffen auf 1.300 kg Leergewicht und lassen den Traumwagen in nur 2,47 Sekunden von Null auf Hundert jagen", versprach der Unternehmer in einer Presseaussendung im Sommer 2018. Der darin als ehemaliger Rennfahrer titulierte 37-Jährige bezeichnete das "Hypercar" als "Leistungsexplosion", das bis zu 400 km/h schnell fahren kann. Laut Staatsanwalt hat der Angeklagte behauptet, Fürst Albert von Monaco hätte bereits mehrere Stück gekauft und der bekannte Manager Siegfried Wolf stünde als Finanzier hinter seinem Projekt.

Für den Bau von zwei bis drei Prototypen suchte der erst 2017 aus dem Gefängnis entlassene Mann Investoren. 20 Millionen Euro würde er für die Prototypen brauchen, berichtete er vor Richter Christian Noe. Ein Investor, der zunächst fünf Millionen Euro vertraglich versprach, dann aber absprang, brachte den 37-Jährigen in Bedrängnis. Ein Mann, der offiziell mit Immobilien Geschäfte gemacht haben soll, sprang ein. In mehreren Tranchen überwies er dem 37-Jährigen insgesamt 780.000 Euro, damit der Autobauer in Mitarbeiter, Software, 3D-Modelle sowie in ein reales Modell investieren konnte.

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Als Sicherheit erwähnte er stets Manager Wolf, der ihm beim Genfer Autosalon im Frühjahr in einem Gespräch die nötigen 20 Millionen Euro versprochen haben soll. Dafür sicherte ihm der Angeklagte 25 Prozent Anteile am Unternehmen und den Posten des Chief Financial Officer (CFO) zu, wie er aussagte. Wolf hätte nach Angaben des Beschuldigten gemeint, dass ihm gerade finanziell die Hände gebunden seien, aber ab Mitte Mai 2018 wäre er für die Investition in das Hypercar bereit. Eine vertragliche Zusicherung hatte der 37-Jährige allerdings nicht. "Das war definitiv eine Zusage", behauptete der Angeklagte. Dazu hätte er dem Manager auch per Whatsapp geschrieben, dass er sich freue, "mit ihm zum Notar gehen zu können".

Von der versprochenen Investition Wolfs erzählte er auch dem Immobilienunternehmer, der eigentlich kein Geld mehr hergeben wollte. Daraufhin erhielt der 37-Jährige von ihm erneut einen sechsstelligen Betrag, um ein 1:1-Modell des Sportwagens bauen lassen zu können. Siegfried Wolf soll laut dem Angeklagten jedoch kurz danach seine versprochene Investition zurückgezogen haben. "Da ist mein Konstrukt nicht ins Wanken geraten, sondern zusammengebrochen", sagte der 37-Jährige. Ob er allen Investoren davon erzählt habe, fragte der Richter. "Ja, ich hab's jedem gesagt, weil es wie ein Schlag in die Magengrube war", sagte der Beschuldigte.

Der 37-Jährige, der bereits sieben einschlägige Vorstrafen aufweist, bekannte sich vor Richter Christian Noe nicht schuldig. "Ich habe versucht, mit bestem Wissen und Gewissen diese Firma zu leiten", sagte der Beschuldigte. "Das sieht man auch", sagte Richter Noe, aber es schließe auch nicht aus, dass die Dinge beschönigend dargestellt wurden, um das Projekt am Laufen zu halten.

Der Prozess startete mit einer kleinen Verzögerung, da Verteidiger Bernhard Wagner einen Ablehnungsantrag gegen den vorsitzenden Richter wegen Befangenheit einbrachte. Noe hatte früher eine Funktion in jenem Golfklub inne, den Manager Wolf besitzt. Der Richter hatte selbst im Vorfeld des Prozesses eine mögliche Befangenheit gemeldet, diese war für den Gerichtspräsidenten mittels Beschluss vom 23. April nicht erkennbar, weshalb die Verhandlung mit Richter Noe ausgeschrieben wurde. Auch der Schöffensenat am Mittwoch lehnte den Antrag des Anwalts ab, da dem Richter kein besonders Naheverhältnis zu Wolf nachgesagt wurde. Auch sei der Manager in dem Verfahren Zeuge und kein Opfer, somit bestehe keine Einflussnahme.

Der Prozess soll mit der Zeugenbefragung des Immobilien-Unternehmers Siegfried Wolf fortgesetzt werden. Im Falle einer Verurteilung wegen gewerbsmäßig schweren Betruges drohen dem 37-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Dazu wird von der Staatsanwaltschaft auch der Widerruf einer bedingen Entlassung aus einer vorangegangen Freiheitsstrafe beantragt. (apa/red)

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