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Produktion der Industrie in Österreich sinkt

Die Produktion ist in Österreich im Mai leicht gesunken, etwa in der Industrie um 1,2 Prozent. Die schwache Industriekonjunktur werde Jobs kosten, so die Bank Austria.

Die Produktion ist in Österreich im Mai gesunken. Der arbeitstägig bereinigte Produktionsindex für den Produzierenden Bereich ging im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozent zurück, teilte die Statistik Austria mit. Verglichen mit dem Vormonat April 2019 ist der Produktionsindex im Mai saisonal bereinigt um 1,0 Prozent gesunken.

In der Industrie ist der Produktionsindex im Mai 2019 nach Arbeitstagen bereinigt (EU-harmonisiert) gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,2 Prozent gesunken. Im Baugewerbe ist die arbeitstägig bereinigte Produktion um 2,3 Prozent gestiegen. Einen deutlichen Zuwachs gab es bei Energie (plus 7,2 Prozent), in allen anderen Verwendungskategorien ging die Produktion zurück.

Bank Austria: Schwache Industriekonjunktur kostet Jobs

Die leichte Rezession in der heimischen Industrie, die im Frühjahr eingesetzt hat, verschärft sich. Mit einer Verzögerung von drei Monaten folgte der geringeren Produktionsleistung jetzt im Juli - erstmals seit März 2016 - auch ein Rückgang der Beschäftigung, wie der aktuelle Einkaufsmanagerindex der Bank Austria für Juli zeigt.

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Der Index lag zu Beginn des dritten Quartals mit 47 Punkten den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. "Damit weist der Indikator auf die derzeit ungünstigste Entwicklung der österreichischen Industrie seit beinahe fünf Jahren hin", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Im ersten Halbjahr hatte sich die Beschäftigung trotz bereits abgeschwächter Nachfrage noch um rund 2,1 Prozent (13.000 Jobs) auf knapp 630.000 Arbeitnehmer erhöht. "Durch die ausgezeichnete Industriekonjunktur in den vergangenen Jahren hat sich die Arbeitslosenquote in der Sachgütererzeugung auf durchschnittlich 3,7 Prozent bis zum ersten Halbjahr 2019 verringert - nach 3,8 Prozent 2018", erklärte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Damit sei die Lage in diesem Bereich "weiterhin deutlich günstiger als in der Gesamtwirtschaft", für die er im Jahresdurchschnitt 2019 mit einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent rechnet.

Der internationale Zollstreit und politische Spannungen setzten dem Welthandel und damit auch der heimischen Exportwirtschaft weiterhin stark zu. Die Abschwächung des globalen Handels habe zu starken Einbrüchen bei den Auslandsaufträgen geführt. Seit Jahresanfang entwickelt sich das Neugeschäft der österreichischen Industrie rückläufig.

"Aufgrund der anhaltenden Einbußen im Neugeschäft haben die heimischen Industriebetriebe im Juli die Produktionsleistung erneut zurückgefahren", so Pudschedl. Auftragsrückstände seien massiv abgearbeitet worden. Zugleich seien die Auftragspolster so stark gesunken wie zuletzt vor sieben Jahren. Die Lieferzeiten hätten sich so kräftig verringert wie zuletzt 2009 in der Finanzkrise. Die Kosten für Rohstoffe und Vormaterialen gingen im Juli in einem Ausmaß zurück wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Die Industriebetriebe hätten - erstmals seit 34 Monaten - sogar ihre Verkaufspreise leicht verringert, um Umsatzeinbußen entgegenzuwirken.

Bisher sei es den heimischen Industriebetrieben noch gelungen, die Gewinnmarken in dem schwachen Nachfrageumfeld zu sichern - die durchschnittliche Ertragssituation im Juli hat sich laut Pudschedl gegenüber dem Vormonat sogar tendenziell verbessert.

Die deutliche Verringerung der Einkaufsmenge, der Abbau der Vormateriallager und der erstmalige Rückgang der Beschäftigung im Juli zeigten aber "eine anhaltende Verunsicherung", betonte Bruckbauer. "Auch auf Jahresfrist haben sich die Aussichten für die österreichische Industrie eher verschlechtert." Der Index für die Produktionserwartungen in zwölf Monaten sei auf 49,3 Punkte und somit auf den "niedrigsten Wert seit Februar 2015" gesunken. (apa/red)

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