Industrieproduktion

Probleme in China erreichen Produzenten in Europa

Exportorientierte Hersteller in Europabekommen immer stärker die deutliche Konjunkturflaute in wichtigen Schwellemländern zu spüren - vor allem in China. In Deutschland reagiert die Industrie bereits mit Anpassungen in der Produktion.

Die deutsche Wirtschaft bekommt die Probleme wichtiger Absatzmärkte wie China zu spüren. Im November legten die Exporte nur gut halb so stark zu wie erwartet, während die Industrie ihre Produktion sogar drosselte. "Insbesondere die Wachstumsverlangsamung in einigen Schwellenländern war hierfür ausschlaggebend", betonte das Wirtschaftsministerium.

Die Ausfuhren legten wegen der guten Nachfrage aus Europa und den USA um 0,4 Prozent zum Vormonat zu. Ökonomen hatten allerdings mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet, nachdem es im Oktober einen Rückgang um 1,3 Prozent gegeben hatte. "In der Industrie steckt derzeit keine Power", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Auch die Auftragslage ist verhalten, passend zum weltwirtschaftlichen Umfeld."

Sorge bereitet vor allem China, das in dieser Woche mit einem Börsencrash weltweit für Verunsicherung sorgte. Die deutschen Exporte in die - nach den USA - zweitgrößte Volkswirtschaft dürften 2015 geschrumpft sein - erstmals seit 1997. Auch anderen großen Schwellenländern wie Brasilien und Russland macht eine schwächere Konjunktur zu schaffen, weshalb sie weniger Waren "Made in Germany" kaufen.

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Die Unternehmen stellten deshalb im November weniger her. Die Produktion von Industrie, Bauwirtschaft und Versorgern gab um 0,3 Prozent zum Vormonat nach. Hier hatten Analysten ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Die Industrie allein drosselte ihre Erzeugung sogar um 0,8 Prozent. "Die Unternehmen der Industrie verhielten sich bei ihren Produktionsdispositionen im Jahresschlussquartal 2015 abwartend", führte das deutsche Wirtschaftsministerium aus.

Deutliche Auswirkungen auf Papiere von Voestalpine, OMV & Co

Auch in Wien haben die wiederholten massiven Kursbewegungen nach unten an den chinesischen Börsen die Aktien heimischer Industriekonzerne zuletzt spürbar nach unten gedrückt. So sind vergangene Woche die Papiere einer Reihe namhafter Hersteller nach unten abgesackt - etwa von der Voestalpine, OMV, Wienerberger, Lenzing oder Schoeller Bleckmann. Mehr zu den Auswirkungen des Börsensturzes auf heimische Industrieaktien hier >>

"Eine schnelle Erholung der Industrieproduktion ist angesichts der Unsicherheiten in China, einer möglichen Abschwächung der US-Wirtschaft und den negativen Folgen der rekordniedrigen Ölpreise alles andere als sicher", sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski. "Im Gegenteil: Aus unserer Sicht dürfte die Produktion in diesem Jahr träge bleiben." Die Unternehmen dürften deshalb weniger investieren. "Von diese Seite kommt keine Unterstützung für die Konjunktur", sagte Krüger. "Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im wesentlichen eine Konsumstory." Die Importe zogen im November um 1,6 Prozent an und damit stärker als erwartet, was eine robuste Binnenkonjunktur signalisiert.

2015 lag das Wirtschaftswachstum nach Schätzung von Ökonomen bei 1,5 Prozent. Das wäre etwas weniger als 2014 mit 1,6 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht kommende Woche eine erste Schätzung. (reuters/apa)

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