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Preise für Strom und Gas in Österreich stark gestiegen

In Österreich sind die Preise für Strom und Gas im Vorjahr kräftig gestiegen. Die Gründe dafür waren laut E-Contron Verteuerung bei Öl, Gas, Kohle und Emissionszertifikaten sowie die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone. Bei der Installierung der sogenannten Smart Meter gibt es zwischen den Bundesländern große Unterschiede.

Die Strom- und Gaspreise in Österreich haben 2018 kräftig angezogen. Schuld daran war einerseits die Verteuerung der fossilen Brennstoffe Öl, Gas und Kohle in den letzten Jahren, noch stärker ausgewirkt hat sich aber der Anstieg der Preise für die CO2-Zertifikate. Ab 1. Oktober 2018 kam dann noch die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone als Preistreiber dazu.

Bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 hätten 11 Lieferanten wegen der bevorstehenden Trennung der Strompreiszone ihre Preise für ihre Bestandskunden - Haushalte und Gewerbe - erhöht, berichtete E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch anlässlich der Präsentation des Tätigkeitsberichts des Energieregulators für das Jahr 2018. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hätten 50 weitere angestammte und alternative Anbieter Preiserhöhung durchgeführt oder zumindest angekündigt. "Auffallend dabei ist es, dass die Erhöhungen sehr unterschiedlich ausfallen und zwischen 7 und 47 Prozent liegen.", so Urbantschitsch. Auch bei Gas gab es im Vorjahr und zu Beginn dieses Jahres Preiserhöhungen, die sich zwischen 6 und 20 Prozent bewegten.

Für einen durchschnittlichen Haushalt habe sich der Strompreis um 10 bis 60 Euro pro Jahr erhöht, "das betrifft aber nur den Stromanteil, die Stromrechnung besteht aus drei Teilen", erklärte Urbantschitsch. Heuer dürften sich die Strompreise auf diesem Niveau einpendeln.

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Trennung vom deutschen Stromhandel verschlechtert Bedingungen massiv

Die Strompreiszonentrennung habe zu einer Verkleinerung des Marktes und damit zu niedrigerer Liquidität und höheren Beschaffungsrisiken für österreichische Marktteilnehmer geführt, sagte Urbantschitsch. Das habe zu erheblichen Preisunterschieden zwischen Deutschland und Österreich geführt. Im Oktober 2018 hat der Unterschied demnach 8,6 Euro pro MWh betragen, zuletzt war er aber deutlich geringer und betrug im März 2019 nur noch 2,6 Euro, was laut Urbantschitsch vor allem den milderen Temperaturen und der Erholung der Erzeugung der österreichischen Laufwasserkraftwerke zu verdanken war.

"Im Augenblick haben wir fast Preiskonvergenz mit Deutschland", so der E-Control-Vorstand. "Zum einen haben die Händler gelernt, mit der Strompreiszonentrennung umzugehen, sich Kapazitäten zu beschaffen und sich entsprechend abzusichern, zum anderen muss man aber auch sagen, es gab eine sehr günstige Wasserführung gerade in den ersten drei Monaten, die Donau ist voll, es gibt eine sehr gute Erzeugung."

Für das laufende Jahr würden die Händler einen Preisunterschied zwischen 3,3 und 3,6 Euro pro Megawattstunde (MWh) durch die Trennung der Strompreiszone erwarten, "gegen die wir uns bis heute aussprechen", so Urbantschitsch.

Die Lieferanten hätten inzwischen reagiert und das Einsparungspotenzial für Endkunden bei einem Wechsel vom angestammten zum günstigsten Lieferanten sei jetzt deutlich geringer. So konnte sich vor einem Jahr ein typischer Haushaltskunde in Oberösterreich mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden beim Stromlieferantenwechsel bis zu 320 Euro (März 2018) im ersten Jahr ersparen, aktuell sind es 205 Euro. Auch bei Gas ist das Preisniveau bei Angeboten für Neukunden stark gestiegen: Noch vor einem Jahr konnte sich ein Kunde in Wien mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch beim Lieferantenwechsel rund 505 Euro im ersten Jahr ersparen, aktuell sind es 285 Euro.

Smart Meter: Große Unterschiede

Die Ausrollung der umstrittenen neuen Stromzähler befindet sich noch immer erst am Anfang, mit Ende 2018 waren 17 Prozent der Smart Meter ausgerollt, derzeit halte man bei 20 Prozent, wobei es große Unterschiede zwischen den Bundesländern gebe, berichtete Urbantschitsch. Geplant sei, bis 2020 auf 80 Prozent zu kommen.

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Wechselrate steigt weiter

331.500 Strom- und Gaskunden (Haushalte und Unternehmen) haben 2018 ihre Anbieter gewechselt. "Das waren die zweithöchsten Wechselraten seit Beginn der Liberalisierung", betonte Urbantschitsch. "Die Wechselrate beim Strom lag bei 4,1 Prozent und bei Gas bei 6,1 Prozent." Der Anteil der Kunden, noch nie ihren Strom- oder Gas-Lieferanten gewechselt haben, sei nach wie vor hoch - 2017 waren es noch 77 Prozent, bei einer im März 2019 durchgeführten Umfrage waren es 60 Prozent.

Von den rund 300.000 Haushalten, die von den Rundfunkgebühren befreit sind, haben sich bis Ende 2018 nur 131.000 auch von den Ökostrom-Kosten befreien lassen, berichtete E-Control-Vorstands Andreas Eigenbauer, "da gibt es also noch viel Potenzial". Künftig werde sich eine Befreiung auch mehr lohnen: Wer sich bisher befreien ließ, bezahlte verbrauchsabhängig nur bis zu 20 Euro pro Jahr an Förderbeiträgen. Mit der letzten Mittwoch beschlossenen Novelle, einkommensschwache Haushalte komplett von den Ökostromkosten zu befreien, "ist die Befreiung heuer rund 80 Euro wert", erklärte Eigenbauer.

Für sicheren Strom werden weiter Verbrennungskraftwerke sorgen müssen

Ein zentrales Thema für die Arbeit der E-Control werde weiterhin die Versorgungssicherheit sein. "Auch bei den Strategien zur Erreichung des #mission2030-Ziels, Strom bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren zu decken, darf das Thema Versorgungssicherheit nicht außer Acht gelassen werden. Das bedeutet, dass die Versorgungssicherheit weiterhin zu einem wesentlichen Teil aus konventioneller Stromerzeugung kommen wird müssen, um den Winter und Wetterextreme zu bewältigen", betont Eigenbauer. Dabei seien auch die Gasspeicher immer ein Thema. Ende März seien die Speicher in Österreich zu 47 Prozent gefüllt gewesen, "das ist außerordentlich hoch".

Bei der Neugestaltung der Netztarife tritt der Energieregulator dafür ein, dass jene, die das Netz stärker belasten, entsprechend mehr bezahlen, während Kleinverbraucher entlastet werden sollen. "Das soll durch die Einführung eines Leistungspreises erfolgen.", so Eigenbauer. (apa/red)

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