Steiermark

PPC Insulators schließt: Baugewerkschaft übt harte Kritik am Management

Das Werk von PPC Insulators in Frauental in der Steiermark steht vor der Schließung. Die Finanzfirma Triton besteht darauf, obwohl der Standort schwarze Zahlen schreibt. Der Schritt sei in keiner Weise nachvollziehbar, so die österreichische Gewerkschaft Bau-Holz.

Das Werk des Isolatorenherstellers PPC Insulators in Frauental im Westen der Steiermark steht vor der Schließung. Doch neue Fakten und Kaufinteressenten würden für einen Fortbestand sprechen, meldet die österreichische Baugewerkschaft.

Deshalb kommt jetzt schwere Kritik von der Gewerkschaft Bau-Holz und der Gemeinde an der geplanten Schließung von PPC. Das Management müsse seine Entscheidung überdenken. Die Finanzfirma Triton als Eigentümer Triton sei aufgefordert, einzugreifen, um Schaden für die gesamte PPC-Gruppe abzuwenden.

Der Standort schreibt schwarze Zahlen - ÖBB und APG als Großkunden

Besonders bitter dabei: Das österreichische Werk hat eine positive Bilanz. PPC baut Isolatoren für große Stromleitungen. Die 1921 gegründete Porzellanfabrik "Frauenthal" im Bezirk Deutschlandsberg stattete unter anderem 380-Kv-Leitungen in der Steiermark mit Keramik-Isolatoren aus und ist laut Betriebsrat Hauptlieferant der ÖBB und der Austrian Power Grid.

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Das zentrale Argument der Baugewerkschaft gegen eine Schließung: Der Standort im Westen der Steiermark sei nach heutigen Marktdaten der zweitprofitabelste der gesamten Gruppe, so die Baugewerkschaft. Dazu meint Josef Muchitsch, Vorsitzender der Baugewerkschaft: PCC hat mit der ÖBB und den EVUs stabile und verlässliche Großkunden in Österreich, welche auf die Qualität aus Frauental setzen. Warum will man diese Kunden verlieren? Fakt ist, mit Produkten aus Billiglohnländern und einer schlechteren Qualität wird PPC sicher nicht ‚mehr Kohle’ machen, das können sie sich jetzt schon ins Stammbuch schreiben."

Harte Kritik auch an der Finanzfirma Triton

Die Baugewerkschaft übt in dem Zusammenhang auch harte Kritik an der Finanzfirma Triton. Der Investor arbeite mit einem Jahresumsatz von 14,4 Milliarden Euro bei 89.000 Mitarbeitern und 31 Unternehmensbeteiligungen.

Die Finanzfirma investiert in Unternehmen mit Potenzial und handelt als Eigentümer nach eigenen Angaben zukunftsorientiert und verantwortungsvoll. Das Potenzial bei Frauental sei enorm, so die Baugewerkschaft. Triton habe noch die Möglichkeit, zukunftsorientiertes und verantwortungsvolles Handeln auch bei Frauental unter Beweis zu stellen.

Aktuell dazu:

Finanzfirma Triton besteht auf Schließung von PPC Insulators in Frauenthal >>

Trotz positiver Bilanz: Steirische PPC Insulators wird offenbar geschlossen >>

Der Rückblick

Ende Juni 2016 verkündete das PPC-Management überraschend die geplante Schließung der plastischen Produktionslinie in Frauental. Ziel ist die Verlagerung von Stammkunden – hauptsächlich aus Österreich – an andere nicht ausgelastete PPC-Standorte in die Slowakei und nach Deutschland.

Anfang August 2016 wurde nach Gesprächen mit Gewerkschaft und Arbeiterkammer seitens des Managements die Teilbetriebsschließung vorerst ausgesetzt und vom Betriebsrat ein Maßnahmenpaket mit einem jährlichen Einsparungspotenzial in der Höhe von knapp zwei Millionen Euro eingefordert. Ende Jänner 2017 wurde dieses mittels Rationalisierungen, Produktionsverbesserungen sowie Lohn- und Gehaltskürzungen vorgelegt. Zur Verwunderung aller Betroffenen, hat das PPC-Management auf diese Vorschläge nicht reagiert.

Schließung im April angekündigt

Stattdessen wurde am 6. April 2017 die Schließung des gesamten Isolatoren-Standortes in Frauental verkündet. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Marktgemeinde Frauental ein „Schlag ins Gesicht“. Bürgermeister Bernd Hermann: „Die Schließung schwächt auch Zulieferer und handwerkliche Betriebe aus der Region, welche in Geschäftsbeziehung mit der PPC stehen."

Spätestens seit diesem Zeitpunkt fühlen sich Belegschaft, Gewerkschaft und Arbeiterkammer sprichwörtlich „verarscht“. Nun hieß es, „Ärmel wieder aufkrempeln“ und über einen Sozialplan das Bestmögliche für die Belegschaft herauszuholen. Nach mehreren zähen Verhandlungsrunden wurde im Mai 2017 ein Sozialplan mit einem Gesamtvolumen von 3,4 Millionen Euro für die 160 Beschäftigten abgeschlossen. Dieser umfasst zusätzliche Abfindungen sowie die Finanzierung einer Arbeitsstiftung – wohlgemerkt zusätzlich zu bestehenden gesetzlichen und kollektivvertraglichen finanziellen Ansprüchen für die Betroffenen.

Dennoch versuchen Gewerkschaft, Betriebsrat und Gemeinde alles, um einen Fortbestand der Produktion von Isolatoren am Standort Frauental zu erreichen. Mit Erfolg – potenzielle Investorengruppen haben ihr ernsthaftes Interesse an dem Erwerb und der Weiterführung des Werkes am Standort Frauental bekundet.

Das PPC-Management stand diesen möglichen neuen Eigentümern aber sehr distanziert und ablehnend gegenüber. Die große Angst vor einer Konkurrenz wurde spür- und sichtbar. Das ist mehr als absurd. Das Vorgehen des PPC-Managements und die neuen Interessenten bestätigen einmal mehr, dass die Entscheidung, den Standort Frauental schließen zu wollen, falsch ist. Ein Armutszeugnis und für Gewerkschaft und Gemeinde ein klares Zeichen der Unfähigkeit der Verantwortlichen bei PPC.

Die Situation heute: Frauental ist der zweitprofitabelste Standort

Frauental ist eine von sieben Produktionsstätten der PPC-Gruppe für die Herstellung keramischer Isolatoren. Die weiteren Standorte befinden sich in der Slowakei, Deutschland, Schweden, Thailand, Brasilien und China.

Aktuelle Daten zur Situation bei der Kapazität und der Auslastung mit der Prognose bis Ende November würden ganz klar belegen, Frauental sei gemessen am Produktionsvolumen das zweitbeste Werk nach Brasilien, sagt die Baugewerkschaft.

In der gesamten PPC-Gruppe gibt es einen Budgeterfüllungsgrad von 59 Prozent, die Budgeterfüllung in Frauental liegt hingegen bei 92 Prozent. Die Produktion in Frauental läuft auf Hochtouren, kurzfristig wurden Leiharbeiter aufgenommen, um Lieferengpässe bewältigen zu können.

Die Werke in der Slowakei (Budgeterfüllung 39 Prozent) und Deutschland (34 Prozent), wohin die Produktion von Frauental verlagert werden soll, liegen weit unter dem Durchschnitt. In diesen Werken gibt es bereits Kurzarbeit. Beide Werke sind ab Oktober laut derzeitigem Auftragsbestand praktisch leer.

Beide Werke schaffen es auch nicht, jene Qualität und die notwendigen High-Tech-Produkte für die Kunden zu produzieren, wie es in Frauental erfolgt. Eine Präqualifizierung – das heißt Anpassung der hohen Qualität an den Standort Frauental – schaffen beide Werke nicht.

Das ist den Kunden von Frauental bewusst und diese sind daher gut beraten, nach einer möglichen Schließung des Werkes Frauental die Zusammenarbeit mit PPC zu beenden und sich einen neuen Vertragspartner zu suchen. Dieses Szenario könnte sich die PPC-Gruppe ersparen, wenn sie von der Schließung des Standortes Frauental absieht.

(red)