Logistik

Platooning: MAN und DB Schenker beginnen mit Straßentests

Ein Forschungsprojekt von DB Schenker, MAN und der Hochschule Fresenius testet vernetzte Lkw im Alltag. Am Steuer sitzen erstmals keine Testfahrer, sondern "wirkliche" Berufskraftfahrer.

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In einem Forschungsprojekt zur Technik des Platooning bringen DB Schenker, MAN und die Hochschule Fresenius erstmals vernetzte Lkw im Praxiseinsatz auf die Straße. MAN hat dazu an seinem Münchner Stammsitz die Testfahrzeuge an DB Schenker übergeben. Geschäftsführer Ewald Kaiser nahm die Autoschlüssel entgegen. "Mit dem Projekt testen wir Platooning erstmals im Logistikalltag", so Ewald Kaiser.

In verschiedenen Vorgängerprojekten habe man bereits bewiesen, dass Platooning funktioniere, so Frederik Zohm, Entwicklungsvorstand von MAN. Nun sei die Anpassung an die realen Bedingungen das Ziel.

Tests im realen Straßenverkehr ab April 2018

Im Rahmen der im Mai 2017 vereinbarten Kooperation werden Lkw-Kolonnen im Regelbetrieb von DB Schenker über mehrere Monate im realen Straßenverkehr auf der A9 zwischen München und Nürnberg getestet.

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Zum ersten Mal werden dabei keine Testfahrer, sondern Berufskraftfahrer von DB Schenker am Steuer sitzen. Deren Erfahrungen, Einschätzungen und Bewertungen von Platooning stehen im Fokus der Arbeit der Hochschule Fresenius, die als dritter Kooperationspartner die wissenschaftliche Begleitung der Testfahrten übernimmt.

Eckdaten zu Platooning

Unter Platooning versteht man ein Fahrzeug-System für den Straßenverkehr, bei dem mindestens zwei Lkw auf der Autobahn mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinander fahren können.

Alle im Platoon fahrenden Fahrzeuge sind durch eine sogenannte elektronische Deichsel mittels einer Car-to-Car-Kommunikation miteinander verbunden. Das führende Fahrzeug gibt die Geschwindigkeit und die Richtung vor. Dabei gewährleistet die elektronische Kopplung der Fahrzeuge im Platoon die Verkehrssicherheit. Ein wesentliches Ziel von Platooning ist es, durch Windschattenfahren eine Kraftstoff-Einsparung für den gesamten Platoon zu erreichen.

Untersuchung an der Mensch-Maschine-Schnittstelle

„Wir möchten herausfinden, welche Auswirkungen die neue Technologie auf die Fahrer hat. Die Schwerpunkte der Studie liegen auf der neurophysiologischen und psychosozialen Ebene“, erläutert Prof Dr. Christian T. Haas, Leiter des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius. „Die Resultate der Untersuchung an der Mensch-Maschine-Schnittstelle sollen unmittelbar zurück in die Technologieentwicklung fließen.“ Das Szenario biete darüber hinaus auch die Möglichkeit eines grundsätzlichen Erkenntnisgewinns bezüglich der Digitalisierung von Arbeitsbedingungen und könne so Vorreiter für andere Projekte sein.

Mit der Übergabe der Fahrzeuge starten die Vorbereitungen für die Tests auf der Straße. Während die vergangenen Monate ganz im Zeichen der Fertigung der Testfahrzeuge und ihrer Ausstattung mit den notwendigen technischen Zusatzkomponenten für den Platooning-Einsatz standen, geht es nun um die intensive Vorbereitung der Fahrer auf ihre Aufgabe im Projekt und schließlich um die Einbindung in die Logistik-Abläufe von DB Schenker.

Tests auf der A9 in Bayern

Ab April sind bereits vereinzelte Fahrten des Platoons auf der A9 vorgesehen. Aber die Lkw verkehren noch ohne Ladung, um zunächst die Fahrbedingungen im alltäglichen Verkehrsfluss zu untersuchen und die am Projekt beteiligten Fahrer in der Bedienung der Fahrzeuge zu schulen.

Dabei werden die Fahrer von den Spezialisten von MAN ProfiDrive theoretisch und praktisch angeleitet. Geübt wird auch im Fahrsimulator. Die Hochschule Fresenius wird die Fahrer begleiten und ihre Erfahrungen dokumentieren.

Nach Abschluss der Schulungsphase erfolgen wöchentliche und anschließend tägliche Testfahrten. Diese werden im Laufe des Jahres 2018 zu Linienfahrten mit realen Ladungen ausgebaut. Bis zu dreimal täglich werden dann die Platoons zwischen den DB Schenker-Logistikzentren in München und Nürnberg eingesetzt.

Eckdaten zu DB Schenker

Die Schenker & Co AG in Wien fungiert als Regional Head Office für Südosteuropa.

DB Schenker ist ein international tätiger integrierter Logistikdienstleister mit über 95.000 Mitarbeitern an 2.000 Standorten.

In den 14 Ländern der Region sind derzeit über 5.300 Mitarbeiter an 80 Standorten beschäftigt.

(red)

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