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OMV-Aufsichtsrat Löscher nimmt den Hut: Kritik an "Austria First"

Peter Löscher will sein Amt als Aufsichtsrat der OMV abgeben. Dem ehemaligen Konzernchef von Siemens gefällt nicht, dass die Regierung die Anteile der Republik Österreich stärker kontrollieren will. Finanzminister Hartwig Löger bedauert.

Der Aufsichtsratschef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, der frühere Siemens-Konzernchef Peter Löscher, kritisiert den Plan der Regierung, die Anteile der Republik stärker kontrollieren zu wollen. Der Kärntner will seine Funktion mit der OMV-Hauptversammlung 2019 abgeben. Das hat Löscher in einem Brief an Eigentümervertreter Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) angekündigt, berichtete der "Kurier" online. Das Schreiben soll bereits allen OMV-Aufsichtsratsmitgliedern vorliegen, heißt es. Dafür erntete er auch einiges an Kritik und Unverständnis.

Der in Villach geborene Österreicher Löscher steht seit Juni 2016 an der Spitze des OMV-Aufsichtsrates. Davor war er von 2007 bis 2013 Vorstandschef des Münchener Siemens-Konzerns gewesen.

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Der Vorwurf: Finanzminister Löger wolle "Austria First"

Den 31,5-prozentigen Staatsanteil an der OMV hält für die Republik die Beteiligungsgesellschaft ÖBIB, die ja von einer GmbH zu einer AG werden soll.

Finanzminister Löger hatte zuletzt gefordert, Unternehmen wie OMV oder die Telekom Austria wieder stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen. "Wir steuern Richtung Österreich AG", sagte er der "Kronen-Zeitung". Er wolle eine offensive "Austria-First"-Strategie verfolgen. Darauf bezieht auch ein Artikel im aktuellen "trend".

Löscher: "Respektiere Strategie, auch wenn nicht durchgehend Ihrer Auffassung bin"

Er respektiere den Willen der Bundesregierung auch dann, wird Löscher aus seinem Schreiben an Löger vom "Kurier" weiters zitiert, "wenn ich zu der ordnungspolitischen und marktwirtschaftlichen Strategie, die hinter Ihrem Vorstoß liegt, nicht durchgehend Ihrer Auffassung bin", so der OMV-AR-Chef in dem Brief, über den davor auch die "SZ" schon online berichtete.

Die Stärke des bisherigen österreichischen Modells beruhe auf der richtigen Balance von einem mittelbaren staatlichen Einfluss einerseits und der Einbindung "unabhängiger, wirtschaftserfahrender Persönlichkeiten an der Spitze von Aufsichtsgremien andererseits". Dadurch sei das Land attraktiv für Investoren geworden. Dies sei nun in Gefahr.

Das sagt Minister Löger

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) hat inzwischen sein Bedauern über die Entscheidung Löschers ausgedrückt. Löscher habe sich große Verdienste im Aufsichtsrat der OMV erworben, betonte Löger: "Ich bedaure daher sehr, dass er seine Funktion niederlegt."

Löger kündigt auch an, mit dem obersten Kontrolleur des größten heimischen Industriekonzerns in den nächsten Tagen ein Gespräch führen zu wollen. Die Einladung zu dem Gespräch sei bereits im Vorfeld erfolgt. Löger erklärte, er wolle dem OMV-Aufsichtsrat nun die Vorteile des geplanten Modells für die Staatsbeteiligungen erläutern.

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ÖBIB soll mehr Verantwortung und eine aktivere Rolle übernehmen

Ja, sein Anspruch sei, dass die neue Staatsholding ÖBIB mehr Verantwortung übernehme und eine aktivere Rolle wahrnehme, ließ Finanzminister Löger über seinen Sprecher zum Brief Löschers ausrichten. Und es gehe nicht um "mehr staatliche Kontrolle", sondern um die Wahrnehmung der österreichischen Eigentümerverantwortung bei gleichzeitiger Absicherung unabhängiger Aufsichtsratsentscheidungen. Das neue Modell entspreche europäischen Benchmarks, so Löger.

(red mit apa)