Luftfahrt

OLG: Gebühren für Nichtantritt eines Flugs sind nicht zulässig

Wer bei der KLM einen Flug verfallen lässt, darf dafür nicht mit einer zusätzlichen Gebühr bestraft werden. Auch wenn jemand bei der Zwischenlandung in Paris oder Amsterdam den Flug beendet, darf die Airline keine Zusatzgebühr für die Aushändigung der Koffer verlangen, urteilte das OLG Wien auf Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums.

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Wer bei der KLM einen Flug verfallen lässt, darf dafür nicht mit einer zusätzlichen Gebühr bestraft werden. Auch wenn jemand bei der Zwischenlandung in Paris oder Amsterdam den Flug beendet, darf die Airline keine Zusatzgebühr für die Aushändigung der Koffer verlangen, urteilte das OLG Wien auf Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums. Dieses Urteil im Volltext ist unter www.verbraucherrecht.at abrufbar.

Nutzt ein Kunde nur den Hinflug und lässt bei seinem Ticket den Rückflug verfallen, oder nutzt die gebuchten Flüge nicht in der geplanten Reihenfolge, verlangt KLM je nach Flugziel und Beförderungsklasse zwischen 125 und 3.000 Euro als Zusatzgebühr. Für die Herausgabe des Koffers bei der Zwischenlandung stellt die Airline 275 Euro in Rechnung. Das Oberlandesgericht Wien habe in zweiter Instanz die beiden Gebühren für unzulässig erklärt. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig, teilte der VKI am Montag mit.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluglinie sahen die Zusatzgebühren unabhängig von der Ursache für die Abweichung von der gebuchten Reise vor. Das OLG Wien erachtete diese Klausel jedoch als gröblich benachteiligend, weil sie auch Kunden belastet, die zunächst ein Kombinationsangebot nutzen wollen und sich erst später – etwa wegen der Versäumung oder der Verspätung eines Zubringerflugs oder wegen einer Änderung ihrer Reisepläne – anders entschließen, schreibt der VKI.

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Die Gebühr für die Herausgabe der Koffer bei einem vorzeitigen Reiseabbruch in Amsterdam oder Paris ist auch dann fällig, wenn der Fluggast rechtzeitig vor Antritt der Reise bekannt gegeben hat, dass er nicht alle seine Flugcoupons verwenden wird. In diesem Fall sei aber kein "manueller Eingriff" in das Gepäckbeförderungssystem erforderlich und auch sonst kein Zusatzaufwand nötig, meint das Gericht. Daher sei auch diese Klausel gröblich benachteiligend und damit unzulässig.

"Kundinnen und Kunden haben für ihre Tickets den vereinbarten Preis gezahlt. Warum sie noch eine zusätzliche Strafzahlung leisten sollen, wenn sie die bereits bezahlte Leistung teilweise nicht in Anspruch nehmen, bleibt unverständlich", wird Cornelia Kern, zuständige Juristin im VKI, in der Aussendung zitiert. Selbst wenn sie im internationalen Luftverkehr üblich sein sollten, bedeute das nicht, dass sie auch rechtlich korrekt sind. (apa/red)