Bilanz 2016

Österreichs Papierindustrie floriert

Laut Branchenverband Austropapier hat die heimische Papierindustrie im Vorjahr sowohl Produktionsmenge als auch Umsatz und Investitionen gesteigert. Doch trotz hoher Recyclingquoten muss die Branche mehr als die Hälfte ihres Bedarfes importieren.

Im Bild: Cord Prinzhorn, Prinzhorn Holding GmbH und zweiter Vizepräsident Austropapier; Max Oberhumer von Sappi Austria und Präsident Austropapier; Christian Skilich von Mondi Europe and International sowie Vizepräsident Austropapier.

Die heimische Papierindustrie steht gesund da. Produktionsmenge, Umsatz und Investitionen haben 2016 zugelegt. "Wir sind ein starkes papierproduzierendes Land", bekräftigte Cord Prinzhorn, Vizepräsident des Branchenverbands Austropapier und CEO der Prinzhorn Holding.

Obwohl die Österreicher beim Altpapiersammeln mit einer Rücklaufquote von fast 80 Prozent zu den Spitzenreitern in Europa gehören, muss die Branche knapp über die Hälfte ihres Bedarfes mit Importen abdecken, so die Branchenvertreter diese Woche.

Hierzulande werden jährlich 2,4 Millionen Tonnen Altpapier in den Fabriken verarbeitet. Mit der Sammelmenge im Inland sei man knapp am erzielbaren Limit. "Wir haben eine hohe Recyclingquote und auch stabile Preise", so Prinzhorn. Derzeit kostet eine Tonne Altpapier über 120 Euro.

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"Wir leben ja vom Export"

Die in den österreichischen Fabriken hergestellte Papiermenge erhöhte sich 2016 gegenüber dem Jahr davor um 0,6 Prozent auf 5 Millionen Tonnen. Der Verbrauch im Inland sank leicht um 0,7 Prozent auf knapp 1,9 Millionen Tonnen. "Wir leben ja vom Export", erklärte Austropapier-Präsident und Sappi-Austria-CEO Max Oberhumer bei der Branchenbilanz.

Der Umsatz der Papierindustrie stieg im Jahresabstand um 2,5 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro. "Das ist nicht sensationell, aber immerhin eine Steigerung", meinte Oberhumer. Die Lohn- und Gehaltskosten der rund 8.000 Mitarbeiter in der Branche nahmen um 1,7 Prozent auf 443 Mio. Euro zu.

Mehr Investitionen

Es wurde auch kräftig investiert: "Nach Jahren mit nur noch 100 Mio. Euro betrugen die Investitionen in allen österreichischen Papierstandorten im Vorjahr wieder 240 Mio. Euro", berichtete der Sappi-Chef.

Das Geld sei vor allem in Erweiterungen und in den Ausbau von Kapazitäten geflossen - etwa in Lenzing (Oberösterreich) für Zellstoff, bei Mayr-Melnhof in Frohnleiten (Steiermark) sowie in Nettingsdorf und Laakirchen (beide Oberösterreich).

Produktion von Zellstoff stark ausgeweitet

Deutlich ausgeweitet hat sich im abgelaufenen Jahr die Produktion von Zellstoff - hier gab es ein Plus von fast 17 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen. Der überdurchschnittliche Zuwachs ist jedoch zu einem Gutteil auf die Umbaustillstände in den steirischen Fabriken in Pöls und Gratkorn im Vergleichsjahr 2015 zurückzuführen.

"Die Zellstoffproduktion ist sehr erfreulich, ebenso die Umsatzentwicklung der Branche in Richtung 4 Mrd. Euro", zog Oberhumer zufrieden Bilanz.

Mit der steigenden Zellstoffproduktion erhöhte sich 2016 auch der Holzeinsatz um gut 19 Prozent auf 8,7 Millionen Festmeter. Die Importquote stieg von rund 27 auf 30,6 Prozent. "Für 2017 gehen wir von weiterer Vollproduktion und einem Anstieg auf 9 Millionen Festmeter aus", erklärte Austropapier-Vizepräsident und Mondi-Vorstand Christian Skilich. Die Importquote dürfte sich heuer seiner Einschätzung nach auf 33 bis 34 Prozent ausweiten.

Ein Gutteil des benötigten Holzes komme aus den Nachbarländern, aber auch aus Rumänien und der Ukraine. Je weiter entfernt der Lieferant sitzt, desto höher sind die Transportkosten. Holz aus Schweden ist beispielsweise doppelt so teuer wie heimisches; Holz aus Tschechien und Slowenien kostet um 20 bis 30 Prozent mehr. Insgesamt bezieht die Branche Holz aus 16 verschiedenen Ländern.

Fabriken "energieautark"

Die Papierfabriken laufen energieautark. "94 Prozent des Energiebedarfs decken wir aus eigenen Kraftwerken ab", berichtete Oberhumer. Erdgas ist in der österreichischen Papierindustrie immer noch die Hauptbrennstoffart bei den fossilen Brennstoffen, die den Angaben zufolge aber zugunsten biogener Brennstoffe wie Lauge oder Rinde zurückgehen.

Strom und Fernwärme aus den Fabriken wird auch an private Haushalte weitergegeben. Konkret gibt es durch die Abgabe ins öffentliche Netz Strom für rund 100.000 Haushalte bzw. Fernwärme für etwa 70.000 Haushalte. Das Zellstoffwerk im steirischen Pöls beliefert beispielsweise das obere Murtal, Norske Skog versorgt Bruck an der Mur. "Alle haben Wärmeauskopplungssysteme installiert", verwies der Sappi-Chef auf den Beitrag der Branche zur Umweltentlastung.

Massive Umweltbelastung

Stichwort Umwelt: Auch der CO2-Ausstoß bei der sehr energieintensiven Papiererzeugung ist enorm, werde aber nach den Worten der Industrievertreter stetig reduziert. Trotz massiver Produktionsausweitung sei die Belastung unter dem Strich seit den 90er-Jahren "fast gleich geblieben".

Zu verdanken ist das neuen Technologien, mit denen die CO2-Abgabe pro erzeugter Tonne in dem Zeitraum um 40 Prozent verringert werden konnte. Bis 2050 ist die Branche zuversichtlich, eine Verringerung um 80 Prozent pro erzeugter Tonne Papier zu erreichen. Der größten Energiebedarf besteht bei Trocknung der Papierbahnen. (APA/red)

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