Bahnindustrie

Österreichs Bahnindustrie: Nummer sieben weltweit

Österreichs Bahnindustrie ist weltweit die siebentgrößte und international konkurrenzfähig. Allerdings steigt der Druck im Bereich der Exporte, so Branchenvertreter diese Woche in Wien.

Österreichs Bahnindustrie ist weltweit die siebentgrößte und international konkurrenzfähig. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Verband der Bahnindustrie (VBI) beim Economica-Institut beauftragte Studie, die vorgestellt worden ist. "Die Bahnindustrie hat eine extrem gute Positionierung", sagte VBI-Präsident Kari Kapsch. "Doch der Druck auf die Branche steigt. Brüssel ist gefordert."

Alle heimischen Bahnindustrie-Unternehmen mit ihren knapp 10.000 Mitarbeitern erwirtschafteten zusammen 2018 einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro. Die Gesamtwertschöpfung belief sich auf 1,53 Mrd. Euro, was 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Jeder Job in der Bahnindustrie generiere einen weiteren Arbeitsplatz in Österreich, erläuterte Studienautor Christian Helmenstein.

Die direkte Wertschöpfung beläuft sich auf 906 Mio. Euro. Das ist das beispielsweise das doppelte des gesamten Tankstellennetzes in Österreich oder gleich viel wie aus allen Kfz-Reparaturen zusammen, erläuterte der Ökonom.

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"Die Bedeutung der Bahnindustrie in Österreich geht weit über die Grenzen der Branche hinaus. Oftmals wird sie auf den ersten Blick unterschätzt", sagte Helmenstein vor Journalisten in Wien. "Dabei ist Österreich (pro Kopf, Anm.) nach wie vor Patentweltmeister im Bereich der Bahnindustrie."

Der Exportanteil liegt bei knapp zwei Drittel. Zwei bis drei Prozent aller Patente im weltweiten Bahnbereich stammen aus Österreich. Das Land hat einen 5,2 Prozent schweren Anteil am bahnindustriellen Welthandel. Zum Vergleich: Am gesamten Welthandel sind es 0,8 Prozent und der Anteil an der Weltbevölkerung beträgt 0,1 Prozent.

Aber: "Die Exportentwicklung stellt sich nicht positiv dar", bedauerte Kapsch. Vor einigen Jahren waren Österreich noch fünftgrößter Bahnindustrie-Exporteur der Welt gewesen. "Das reflektiert wie stark die Drittlandkonkurrenz auf unseren relevanten Exportmärkten zugenommen hat."

Hier sei auch die Politik gefordert, und zwar vor allem in Brüssel, um die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Bahnindustrie auf Drittmärkten zu stärken. Der Abstieg im Exportranking sei auf den harten Mitbewerb aus China zurückzuführen. Es drohe der Bahnindustrie in Europa das selbe Schicksal, wie es die Telekomindustrie bereits ereilt habe, werde nicht gegengesteuert.

"Das Problem ist die Finanzierungskraft. Wenn es um Projekte in Afrika geht kommt China gleich mit einem Finanzierungspaket für die Kunden im Rucksack, wo wir als Europäer nicht standhalten können", sagte Kapsch. "Von der EU gibt es hier aber überhaupt keine Konzepte. Brüssel ist gefordert, Finanzierungspakete für Kunden auf Drittmärkten aufzubauen", forderte der VBI-Präsident. Er kritisierte auch, dass es das Bestbieterprinzip nur formal gebe. Technische Kriterien seien in Ausschreibungen nur marginal gewichtet - im Gegensatz zum Preis.

Vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hieß es indes, Österreich sei beim Schienengüterverkehr zwar deutlich besser als der EU-Schnitt - "aber derzeit nicht gut genug, um die Klimaziele zu erreichen". In der EU sei seit dem Jahr 2010 der Schienengüterverkehr um fast 30 Milliarden Tonnenkilometer gestiegen, die Zunahme des Lkw-Transports auf der Straße sei aber mit 150 Milliarden Tonnenkilometer fünf Mal so hoch gewesen, kritisierte der VCÖ in einer Aussendung. Er forderte einmal mehr einen verstärkten Ausbau der Schiene und auf EU-Ebene eine Lkw-Mindestmaut. Zudem soll es stärkere Anreize für Betriebe geben, betriebliche Gleisanschlüsse zu nutzen. (apa/red)

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