Außenhandel

Österreich profitiert viel stärker von Europas Markt als Deutschland

Kleinere Länder wie Österreich oder Belgien würden vom Binnenmarkt der EU stärker profitieren als größere Länder wie etwa Deutschland. Zu den Regionen, die am stärksten profotieren, zählen demnach Zürich und London - die gar nicht Teil der Eurozone sind.

Österreich profitiert laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung stark vom EU-Binnenmarkt. "Für Länder wie beispielsweise die Niederlande oder Österreich ist der Binnenmarkt Gold wert, denn sie verfügen über wettbewerbsfähige Branchen, sind aber aufgrund kleiner Inlandsmärkte vom Export abhängig", so Studienmitautor Dominic Ponattu.

Eine umstrittene Stiftung als Auftraggeber der Studie

Die Stiftung selbst steht hinter dem mächtigen Medienkonzern Bertelsmann, einem der größten Medienunternehmen der Welt. In Deutschland gab es wiederholt starke Kritik dieser Stiftung verbunden mit Vorwürfen, Einfluss auf die Politik auszuüben und mit umstrittenen Methoden die  Kommerzialisierung gesellschaftlicher Bereiche erzwingen zu  wollen. Zur Bertelsmann Gruppe gehören etwa das Medienhaus RTL, der Fernsehsender NTV, das Musiklabel BMG, der Verlag Gruner + Jahr ("Stern" u.a.), der amerikanische Großverlag Penguin Random House, ehemals zur "New York Times" gehörende Zeitschriften sowie zahlreiche weitere Verlage, Medienhäuser und Sendeanstalten in Europa und den USA.

Studie: Kleine Länder sind die größten Gewinner der EU

"Die größten Gewinner sind kleine Länder, die viel Handel treiben und besonders international ausgerichtet sind", so der Experte in einer Pressemitteilung zur Studie über die ökonomischen Effekte des EU-Binnenmarktes in Europas Ländern und Regionen.

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Der Binnenmarkt steigert in Österreich demnach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf um 1.583 Euro jährlich. Im EU-Durchschnitt sind es 840 Euro, in Deutschland 1.046 Euro. Insgesamt beträgt der aggregierte Zuwachs in Österreich rund 13,8 Mrd. Euro. Deutschland erzielt mit 86 Mrd. Euro pro Jahr den höchsten Zuwachs.

Europaweit zeigten sich zwei wesentliche Trends, heißt es in der Pressemitteilung. Zum einen seien es nicht die größten Volkswirtschaften, die am stärksten profitierten, sondern vor allem verhältnismäßig kleine, aber exportstarke Nationen. Zum anderen gelte: "Zentrum schlägt Peripherie."

Zu stärksten Profiteuren zählen Zürich und London - beide Regionen liegen außerhalb der Eurozone

Die größten positiven Effekte beim Pro-Kopf-BIP könnten die Schweiz (2.900 Euro), Luxemburg (2.800 Euro) und Irland (1.900 Euro) verbuchen, aber neben Österreich seien auch Belgien und die Niederlande unter den Top-Profiteuren. Die Zuwächse in Südeuropa fielen dagegen aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit niedriger aus: In Spanien seien es beispielsweise 590 Euro pro Kopf und Jahr, in Portugal 500 Euro und in Griechenland 400 Euro, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie "Ökonomische Effekte des EU-Binnenmarktes in Europas Ländern und Regionen".

Zu den Regionen mit den höchsten Zuwächsen zählten beispielsweise Zürich (3.592 Euro), London (2.700) oder Brüssel (2.472 Euro). In Österreich schneiden Vorarlberg (2.062 Euro) und Salzburg (2.038 Euro) am besten ab, gefolgt von Tirol (1.937 Euro), Wien (1.711 Euro), Oberösterreich (1.688 Euro), Steiermark (1.427 Euro), Kärnten (1.414 Euro), Niederösterreich (1.290 Euro) und Burgenland (1.083 Euro).

Die geringsten Wohlfahrtsgewinne weisen Regionen in Ländern wie Bulgarien, Griechenland und Rumänien auf, mit rund 120 bis maximal 500 Euro. (apa/red)