Autonomes Fahren

ÖAMTC: Künstliche Intelligenz in Autos ist unausweichlich

Künstliche Intelligenz und Roboterautos seien unvermeidbar, so der ÖAMTC. Ein Gastredner des Autofahrerklubs meint, KI werde schon sehr bald "fast alle Geschäftsprozesse autonom ablaufen lassen" - und die Anzahl der Autos massiv senken.

Der ÖAMTC zeichnet mit einem Preis namens "Marcus" die wirtschaftlichsten, sichersten und innovativsten Neuheiten auf dem österreichischen Automarkt aus. Unter den prämierten Automodellen waren etwa Mercedes-Benz und Lada.

Als innovativste technische Neuerung gewonnen hat ein riemenloser 48-Volt-Motorm der einen Benzinmotor mit einem elektrischen Antrieb kombiniert.

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Zu dem Anlass hat der Autoklub als Redner Chris Boos eingeladen, der Gründer und Geschäftsführer der Firma Arago ist.

Im Vorfeld haben sich ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold und Chris Boos zu den Trends der künstlichen Intelligenz und des autonomen Fahrens geäußert. Demnach würden sowohl KI als auch Roboterautos "unausweichlich" kommen - mit entsprechend massiven Auswirkungen auf Menschen.

Ausrollung in den nächsten drei Jahren

Firmengründer Boos meint, KI werde "in den nächsten zwei bis drei Jahren weitestgehend ausgerollt". Die Technologie, "um fast alle Geschäftsprozesse durch KI autonom ablaufen zu lassen", existiere bereits. Eine ähnliche Position vertritt der Firmengründer in Bezug auf autonomes Fahren. Die Diskussion um aufsehenerregende Unfälle mit autonomen Fahrzeugen findet er "etwas eigentümlich": "Wenn autonome Fahrzeuge auch nur zehn Prozent besser wären als Menschen, wäre das doch schon ein Erfolg."

Große Chancen bringe KI, so Boos, weil die Wertschöpfung neu geordnet werde. Er glaubt, dass dabei jene Profite in den Vordergrund treten werden, die "von Kreativität, Leidenschaft und Überzeugung getrieben" seien.

Zahl der Autos soll stark sinken - Zahl der gefahrenen Kilometer steigen

Mit Roboterautos werde die Zahl der Autos stark sinken, glaubt der Gastredner. Gleichzeitig dürfte aber "die Anzahl gefahrener Kilometer stark nach oben gehen", weil die Kosten für die Konsumenten "massiv sinken werden". Demnach könnten die Ausgaben fürs Autofahren um bis zu 90 Prozent pro gefahrenem Kilometer zurückgehen.

Boos rechnet auch damit, dass künftig mit einem einzelnen Pkw mehr Kilometer gefahren würden was das Fahrzeug wirtschaftlicher mache. Heute würde ein Auto "zwei Prozent seiner Zeit genutzt, sonst steht es herum", so ÖAMTC-Direktor Schmerold.

Schmerold: "Die Akzeptanz für intelligente Systeme ist da"

"Grundsätzlich stehen wir der Entwicklung hin zu intelligenten Autos mit immer leistungsfähigeren Assistenten positiv gegenüber", erklärte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold. "Dass beispielsweise automatische Notbremsassistenten bereits jetzt die Verkehrssicherheit erhöhen, zeigen unsere Tests immer wieder." Der ÖAMTC setzt sich daher u. a. im europäischen Crashtest-Programm EuroNCAP dafür ein, dass die serienmäßige Ausstattung mit funktionierenden Fahrerassistenzsystemen für ein gutes Rating verpflichtend wird.

Die prinzipielle Akzeptanz sei jedenfalls da, glaubt Schmerold und verweist auf eine Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey. Man dürfe, so Schmerold, aber auch nicht vergessen, dass viele Autofahrer den Führerschein noch mit wirklichen Autos gemacht hätten.

Tatsächlich erinnern heutige Modelle immer stärker an riesige Computer auf vier Rädern. Neue Assistenzsysteme kommen immer schneller auf den Markt und greifen immer tiefer in die Steuerung des Fahrzeuges ein. "Damit kann nicht jeder Lenker sofort umgehen. Unsere Aufgabe ist es daher auch, die Autofahrer zu informieren und im Umgang mit den neuen Systemen zu unterstützen. Das passiert z.B. in den Fahrtechnikzentren", so Schmerold. Dort könne der Umgang mit Assistenten für Notbremsung, Spurhalten, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkel und anderen geübt werden - in sicherer Umgebung.

Viele Fragen bei Roboterautos bleiben offen

Im Hinblick auf künstliche Intelligenz ist das Thema autonomes Fahren in aller Munde. "Wenn man an ein tatsächlich vollkommen selbständig fahrendes Auto denkt, sind wir aber noch lange nicht so weit", stellte der ÖAMTC-Direktor klar. "Aus derzeitiger Sicht wesentlich realistischer ist das hochautomatisierte Fahren. In bestimmten Verkehrssituationen oder Bereichen wäre auch teilautomatisiertes Fahren denkbar."

Die technischen Fragen dazu sind allerdings umfangreich, ebenso die rechtlichen Problemstellungen. In die Entwicklung von Lösungen sind die Technik- und Rechtsexperten des ÖAMTC direkt eingebunden – u.a. im "ExpertInnenrat Automatisiertes Fahren", der das Verkehrsministerium berät.

Hier wird Geld verdient: Umfassende Daten über den Autolenker

Potenzielle Nutzungsmöglichkeiten für gesammelte Daten sind vielfältig und reichen von höheren Versicherungsbeiträgen für Schnellfahrer über personalisierte Werbeanzeigen im Fahrzeug bis hin zur Lotsung in die nächste Werkstätte, wenn das System eine bevorstehende Panne erkennt.

"Die gesetzlichen Regelungen zur Datensammlung stecken im Gegensatz zur technischen Reife noch in den Kinderschuhen. Daher setzt sich der ÖAMTC gemeinsam mit der FIA im Rahmen der bereits 2015 gestarteten Kampagne 'My Car My Data' für klare Regeln zur Datenerfassung und -weitergabe im Fahrzeugbereich ein", stellte Schmerold klar. "Der Konsument muss selbst wählen können, ob und welche Daten er weitergeben möchte."

(red)

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