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Niki Lauda will seine Airline zurück - er ist nicht der Einzige

In wenigen Stunden endet die Angebotsfrist für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Ein illustres Bieterfeld wartet auf die Entscheidung. Wer möchte was? Hier die Übersicht.

Am Freitag um 14.00 Uhr wird es ernst bei Air Berlin. Dann endet die Frist für Interessenten, die die insolvente deutsche Fluggesellschaft als Ganzes übernehmen oder Teile davon kaufen wollen. Der Gläubigerausschuss peilt für den 21. September eine Entscheidung an. Insider hielten zuletzt Vorentscheidungen schon früher für möglich.

Der Grund für die Eile: Derzeit kann Air Berlin nur dank eines staatlichen Kredits über 150 Mio. Euro weiterfliegen. Der Übernahmepoker hat Börsianern zuletzt offenbar gefallen. Auch der Flugbetrieb hat sich am Donnerstag offenbar wieder normalisiert. Die zuletzt arg gebeutelten Aktien schnellten heute um 33 Prozent nach oben. Interesse gibt es vor allem an der nicht insolventen österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki und an interessanten Start-und Landerechten aus dem Air-Berlin-Netz. Es folgt eine Übersicht über Interessenten:

NIKI LAUDA und CONDOR

Der österreichische Unternehmer Niki Lauda will zusammen mit Thomas Cook und Condor für Teile von Air Berlin bieten. Das haben sowohl Lauda als auch Condor, die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook, bestätigt. Man sei bereit, eine aktive Rolle bei der Restrukturierung von Air Berlin und deren Tochter Niki zu spielen.

"Wir bieten um die 100 Millionen", sagte Lauda. Die Kombination mit Thomas Cook und Condor sei ideal, weil man so für die Auslastung der Flugzeuge garantieren könne. Über seine Chancen könne er nichts sagen, die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa habe aber einen großen Vorsprung. Sollte die AUA-Mutter Lufthansa siegreich sein, gebe es in Österreich gar keine Konkurrenz mehr, warnte Lauda.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister ist an der Übernahme der von ihm gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki und an weiteren Flugzeugen interessiert. Lauda will nach eigenen Worten an einem Konsortium mit Thomas Cook und Condor 51 Prozent der Anteile halten. Angepeilt sind touristische Ziele - vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke.

Zwei Insider aus dem Umfeld von Condor sagten hingegen, dass man noch kein gemeinsames Angebot abgegeben habe. Eine Person sagte, ein solches Offert sei eher unwahrscheinlich.

LUFTHANSA

Der deutsche Branchenprimus - dem in Österreich die AUA (Austrian Airlines) gehört - hat frühzeitig den Finger für große Teile Air Berlins gehoben. Schon seit dem Frühjahr - und damit weit vor der Insolvenz - gibt es Gespräche mit den Berlinern. Die Lufthansa gilt auch als Favorit der Politik, was Konkurrenten wie die irische Ryanair heftig kritisieren.

Insidern zufolge wird Lufthansa ein Angebot für 70 bis 90 Maschinen abgeben. Darin eingeschlossen sind bereits die 38 Flugzeuge, die Lufthansa von Air Berlin für seine Billig-Tochter Eurowings und die AUA gemietet hat. Für attraktiv hält die Lufthansa vor allem Start- und Landerechte in Berlin, Düsseldorf und Mallorca. In einem ersten Konzept hatte die größte deutsche Fluggesellschaft im August ein Gebot über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für die Air Berlin-Tochter Niki und weitere Flugzeuge eingereicht.

EASYJET

Die britische Billigfluglinie hält sich nach außen bedeckt. Easyjet schließt 2018 seine Basis in Hamburg und will sich offensichtlich auf Berlin konzentrieren. Insidern zufolge könnte Easyjet an mehreren Dutzend Flugzeugen interessiert sein.

BRITISH AIRWAYS

Auch British Airways äußert sich nicht offiziell zum Interesse an Air Berlin. Die British-Airways-Mutter IAG gehört aber nach Ansicht von Branchenexperten und Analysten zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine große Übernahme stemmen können.

HANS RUDOLF WÖHRL

Der Unternehmer bietet für Air Berlin, er rechnet sich aber selber keine großen Chancen aus. Seine Firma Intro will zusammen mit Investoren oder zusammen mit anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Eine erste Rate von 50 Mio. Euro wäre am Übernahmetag fällig, weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Der Unternehmer hat zudem nicht im Datenraum die aktuellen Zahlen von Air Berlin angeschaut, aber trotzdem bereits sein Angebot abgegeben.

LINK GLOBAL LOGISTICS

Die Betreiber-Gesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg Vorpommern, Link Global Logistics, erwägt laut Insidern eine Offerte für Air Berlin. Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang würde bei einer erfolgreichen Übernahme eine Kooperation seiner Logistikfirma mit der Fluggesellschaft ausloten.

Dazu könnten auch Air-Berlin-Flugzeuge nach Parchim verlegt werden. Pang hatte 2007 den ehemaligen Militärflughafen in Parchim gekauft, rund 160 Kilometer nordwestlich von Berlin. Das EU-Recht sieht allerdings vor, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle der Airline von Europäern gehalten wird.

ZEITFRACHT

Das Berliner Logistikunternehmen nimmt im Datenraum die Zahlen von Air Berlin unter die Lupe. Wie ein Angebot von Zeitfracht mit seinen rund 800 Beschäftigten für die Fluggesellschaft mit 8.000 Mitarbeitern aussehen könnte, verrät Geschäftsführer Wolfram Simon nicht. Er sieht vor allem Wachstumschancen in der Fracht-Sparte. Für den Passagierbereich sollen Kooperationen sondiert werden.

UTZ CLAASSEN

Der ehemalige Energie-Topmanager interessiert sich Medienberichten zufolge auch für Air Berlin. Offiziell will er sich dazu aber nicht äußern, er will für den Fall Geldgeber haben. "Es gibt auf der Welt immer irgendwo restrukturierungswillige und -fähige Investoren - jedenfalls dann, wenn sie nicht schon vorab durch politisches Gepolter verschreckt werden."

(APA/Reuters/dpa/dpa-AFX/red)