Interview

„Möglichst viele Komponenten kommunikationsfähig zu machen ist unser Ziel“

Wolfgang Weidinger, Geschäftsführer von Weidmüller Österreich, erklärt, warum ein Consulting-Ansatz den Schaltschrankbau revolutionieren könnte.

Herr Weidinger, seit September leiten Sie die Geschäfte von Weidmüller Österreich. Ihre Bilanz für die ersten 200 Tage?

Wolfgang Weidinger Es läuft gut. Von vielen Kunden hören wir, dass die Auftragsbücher voll sind. Im März gab es eine Phase der Vorsicht, man fuhr etwas mehr auf Sicht. Doch der Januar und Februar waren sehr stark. Und auch der April entwickelt sich bisher nach unseren Erwartungen.

Im März fuhren Mitarbeiter Ihrer Organisation per Truck in ganz Österreich bei Kunden vor. Sie selbst waren mit auf Achse?

Weidinger Genau, wir waren mit unserem mobilen Schauraum insgesamt zwei Wochen quer durch Österreich unterwegs – ich selbst war drei Tage mit auf Tour.

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Das Weidmüller-Portfolio wird breiter, Gesprächsstoff gab es folglich einigen.

Weidinger Richtig, im September startete unsere Dienstleistung Connectivity Consulting, mit der wir Unternehmen beispielsweise bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie oder im Bereich der Prozessoptimierung helfen. Seit dem Februar läuft das Geschäft damit so richtig an. Beispielsweise können Kunden mit dem Weidmüller Configurator nach ihren eigenen Vorstellungen und Vorlieben Klemmleisten konfigurieren und sich damit fixfertig von uns zustellen lassen. Eine Rolle, die sonst eigentlich dem Schaltschrankbau zufällt. Zur Spitzenabdeckung – oder wenn Fachkräfte fehlen – springen wir gerne ein.

Sie beraten Schaltschrankbauer und Maschinenbauer. Welche Fragestellungen treiben die Branche um?

Weidinger Bei Schaltschrankbauern ist die Stoßrichtung der Beratung die Prozessoptimierung. Wie ist ein Werkzeugwagen zu gestalten, damit das Werkzeug an der richtigen Stelle liegt? Wie ist der Zukauf von Klemmleisten optimal umzusetzen? Für Kunden des Maschinenbaus decken wir das vielfältige Optimierungspotenzial an den Maschinen auf. Etwa mit Antworten auf die Frage, wie eine optimale Anbringung von dezentralen I/Os an der Maschine zu erfolgen hat.

Die Schnittstellenfrage war eine Herausforderung?

Weidinger Die Schnittstellen des Weidmüller Configurator wurden sauber gelöst. Es gibt jetzt Schnittstellen zu Eplan und anderen gängigen Softwaresystemen.

Fertigungsbetriebe finden zunehmend Lust daran, Daten für Analysen in die Cloud zu spielen. Mit dem Portfolio U-Mation verbinden Sie die Prozessebenen, vom Sensor bis zur Cloud.

Weidinger Klemmen, Netzteile – möglichst viele Komponenten kommunikationsfähig zu machen ist unser Ziel. Wir haben dafür eine tolle Expertenabteilung.

Gibt es auch eigens für Österreich Analytics-Spezialisten?

Weidinger Wir haben in unserer Zentrale in Wiener Neudorf eine Analytics-Spezialistin, die den Österreich-Vertrieb unterstützt. Sie ist auch bestens ins Stammhaus vernetzt, arbeitet dort mit Mathematikern und Informatikern teamübergreifend zusammen.

Ist denkbar, dass Klemmen auch einmal selbst als dezentrale Intelligenz Daten in die Cloud übermitteln?

Weidinger Denkbar ist das natürlich. Ob es aus Nutzersicht Sinn macht, ist eine andere Frage. Ein Thema könnte eine Zustandsüberwachung sein. Eine Klemme, die eigenständig Strommessungen an sich vornimmt, könnte Potenzial haben.

Wolfgang Weidinger, 40, ist seit September Geschäftsführer von Weidmüller Österreich. Weidinger, der Automatisierungstechnik sowie Unternehmensführung studiert hat, ist seit zwei Jahrzehnten in der industriellen Automatisierungstechnik tätig. Nach mehreren Managementpositionen war Wolfgang Weidinger zuletzt als „Head of Automation“ bei Hainzl Industriesysteme tätig.

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