Coronakrise

Milliardenschwere Holding von Rene Benko bekommt jetzt auch Hilfsgeld

Die Corona-Krise bedroht die Zukunft des im Besitz des österreichischen Großinvestors Rene Benko befindlichen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof. Die 28.000 Beschäftigten werden für drei Monate vom Insolvenzfonds bezahlt.

Coronavirus Deutschland Signa Rene Benko

Die Corona-Krise bedroht die Zukunft des im Besitz des österreichischen Großinvestors Rene Benko befindlichen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof. Der deutsche Handelsriese mit über 28.000 Beschäftigten musste diese Woche ettung in einem Schutzschirmverfahren suchen. Das bewahrt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne Insolvenzanmeldung.

Dieses Verfahren erlaubt es auch, Mietverträge rasch zu kündigen, aber auch Mitarbeiter leichter loszuwerden, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstagabend online schrieb. Arndt Geiwitz, seit Mittwoch Generalbevollmächtigter im Schutzschirmverfahren, sagte der Zeitung: "Herr Benko wollte ursprünglich kein Schutzschirmverfahren. Er ist der größte Geschädigte bisher in dem Prozess. Er hat erst letzte Woche weitere 140 Millionen investiert, was andere in einer solchen Situation nicht getan hätten. Insgesamt beläuft sich sein Investment wohl auf über eine halbe Milliarde."

In einer Sitzung des Aufsichtsrates habe Benko angekündigt, am Fortbestand des Unternehmens festzuhalten: Der Investor sei auch bereit, in Zukunft weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, hieß es in Berichten der deutschen Zeitungen "Capital" und "Manager Magazin" am Donnerstagabend.

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Das Schutzschirmverfahren hat laut Jan Groß, Restrukturierungsexperte der deutschen Kanzlei Ebner Stolz, "den Vorteil, dass es keinen Makel hat. Das I-Wort, Insolvenz, taucht darin nicht auf. Faktisch ist es aber so, dass viele Verfahren nach drei Monaten in der Insolvenz enden." Unter dem Schutzschirm seien viele Dinge möglich, die in normalen Zeiten kaum denkbar wären. Zehnjährige Mietverträge könnten plötzlich in drei Monaten gekündigt werden, Personal in großer Zahl schnell abgebaut werden, ohne Abfindung und ohne Gewerkschaften einzubeziehen.

Einen großen Kostenblock hat Karstadt Kaufhof dem "SZ"-Bericht zufolge schon abgeräumt: Die 28.000 Mitarbeiter würden ab April für drei Monate aus dem Insolvenzgeld bezahlt.

Im Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung, wie bei Karstadt Kaufhof, soll ein Unternehmen behördlich angeordnete Filialschließungen und die damit verbundenen hohen Umsatzausfälle ohne eine massive Neuverschuldung bewältigen können. Aber es lasse auch die aus Gesellschaftersicht attraktive Variante zu, das Unternehmen so schnell zu entschulden, wie es sonst kaum möglich wäre.

Als besonders heikler Punkt gilt in Deutschland unter Insolvenzverwaltern die Entscheidung des Gesetzgebers, dass unter bestimmten Bedingungen Zahlungen oder Nicht-Zahlungen nicht angefochten werden können. Einige stellten sich nun die Frage, ob dies auch Darlehen betrifft, die der Gesellschafter mit dem Insolvenzgeld an sich zurückführt. Eine Rückführung wäre also offenbar für die 140 Millionen Euro möglich, die Benko den Aussagen Geiwitz' zufolge vergangene Woche geleistet hat, wird in dem Zeitungsbericht gemutmaßt.

Galeria Karstadt Kaufhof hat am Mittwoch ebenso wie die Tochter Karstadt Sports ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Insolvenzverwalter Frank Kebekus wurde vom Amtsgericht Essen als Sachwalter eingesetzt und überwacht die Sanierung. "Ziel ist es, Galeria zu schützen", erklärte der Konzern gestern. Die Umsätze waren schon seit Anfang März wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus dramatisch zurückgegangen. Seit dem 18. März sind die Warenhäuser geschlossen. Das Unternehmen zeichnet ein düsteres Bild: "Jede Woche verliert Galeria Karstadt Kaufhof so mehr als 80 Mio. Euro Umsatz, während wesentliche Kosten weiterlaufen. Bis Ende April wird sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren."

Als Generalbevollmächtigter ist der erfahrene Sanierer Geiwitz verpflichtet, der auch die insolvente Drogeriekette Schlecker abgewickelt hatte. Chef des Warenhaus-Konzerns ist Stephan Fanderl, der aber mehreren Insidern zufolge aktuell aufgrund einer Erkrankung nicht an Bord sei, wie Reuters berichtete. Der Konzern wollte dies nicht kommentieren. Fanderl hatte Karstadt bereits einen harten Sanierungskurs verordnet, auch bei Kaufhof hatte er nach der Übernahme den Rotstift angesetzt. (apa/red)