Herbstlohnrunde

Metallindustrie: Arbeitgeber lehnen drei Prozent mehr Lohn als "unvorstellbar" zurück

Vertreter der 180.000 Beschäftigen der heimischen Metallindustrie fordern in den laufenden KV-Verhandlungen drei Prozent mehr Lohn und eine Freizeitoption - wenig überraschend lehnt die Seite der Arbeitgeber das vehement zurück. Hier der Überblick zum Thema.

Johannes Collini, Chefverhandler der Arbeitgeber (rechts) und Rainer Wimmer, Chefverhandler der Arbeitnehmerseite von der Gewerkschaft Pro-GE, geben sich vor Beginn der Metaller-Herbstlohnrunde die Hand.

Zum Auftakt der heurigen Herbstlohnrunde haben heute die 180.000 Beschäftigen der Metallindustrie drei Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Freizeitoption gefordert. Den Arbeitgebern ist das - wenig überraschend - deutlich zu viel, sie verweisen auf eine stagnierende Entwicklung in der Branche.
Christian Knill, Obmann des Fachverbandes der Maschinen- und Metallwarenindustrie mit 118.000 Mitarbeitern, bezeichnete in einer ersten Reaktion die geforderten drei Prozent Kollektivvertrags-Erhöhung als "unvorstellbar".

Die Auftragseingänge seien zu Jahresbeginn zurück gegangen, die Produktivität habe nur schwach zugelegt, gab er zu bedenken. Das Lohnplus von 1,5 Prozent im Vorjahr sei schon deutlich über der Jahresinflationsrate von 0,9 Prozent gelegen. Für heuer gehen die Sozialpartner von einer Teuerungsrate von 0,8 Prozent aus.

Die Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer (Pro-GE) und Rudolf Wagner (GPA) wiederum verweisen auf die anziehende Konjunktur. "Wir haben eine steigende Produktivität, steigende Gewinne und steigende Dividenden", so Wimmer nach der Forderungsübergabe. Dies würde eine 3-Prozent-Erhöhung rechtfertigen, wobei niedrige Einkommensschichten noch etwas mehr bekommen sollen.

Als Option: Mehr Freizeit statt einer Gehaltserhöhung

von Außerdem fordert die Arbeitnehmerseite eine Freizeitoption, sprich mehr Freizeit statt einer Lohn- und Gehaltserhöhung. Diese Option werde von den Arbeitnehmern nachgefragt, rund 20 Prozent der Betriebe würden sie bereits anbieten. Stimmt nicht, widerspricht Knill. Es seien lediglich zehn Prozent. Bei einer Lohnerhöhung von drei Prozent bekämen die Beschäftigten rund 7,5 Tage im Jahr Zusatzurlaub (Vollzeitkraft). Die Annahme der Freizeitoption ist für den Beschäftigten nicht verpflichtend.

Weiters fordern die Arbeitnehmer, dass die Fahrtkosten ins Internat für Lehrlinge vollständig von den Betrieben übernommen werden und sie wollen einen Rechtsanspruch und Kündigungsschutz für den Papamonat.

Am Nachmittag, nach einer Stärkung mit Gulasch, ging es in die sogenannten Wirtschaftsgespräche, danach startet die erste Verhandlungsrunde für die Maschinen- und Metallwarenindustrie in der Wiener Wirtschaftskammer.
 

White Paper zum Thema

Gewerkschaften erwarten schwierige Verhandlungen

Wimmer geht von schwierigen Verhandlungen aus. "Ich glaube eher nicht, dass es rasch gehen wird", sagte er vor Journalisten. Knill wiederum merkte an, dass die Bekanntgabe der Lohnforderung noch vor Beginn der Verhandlungen "nicht ganz der sozialpartnerschaftlichen Tradition" entspreche.

Ein in der Vergangenheit immer strittiges Thema haben die Sozialpartner bereits im Sommer ausgeräumt - mit einem Zeitkonto ist die Arbeitnehmerseite den Arbeitgebern bei einer Flexibilisierung der Arbeitszeit entgegen gekommen. Eine Arbeitszeiterhöhung über die derzeit erlaubten zehn Stunden pro Tag lehnte Wimmer heute dezitiert ab.
 

Verhandlungen auch im Metallgewerbe

Neben den Beschäftigten der Metallindustrie verhandeln auch die 200.000 Mitarbeiter des Metallgewerbes. Ihre Kollektivvertragsgespräche sind bereits vorige Woche gestartet.

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen geht es um den Anstieg von Ist- und KV-Löhnen und -Gehältern für die kommenden zwölf Monate. Eine automatische Erhöhung der Einkommen gibt es nicht. Der kollektivvertragliche Lohn ist die Untergrenze für die jeweilige Branche, unter der ein Arbeitgeber nicht zahlen darf. Das Ist-Gehalt ist das effektive Einkommen und darf nicht unter dem KV liegen. Das Mindestgehalt in der Metallindustrie beträgt 1.750 Euro brutto. (APA/red)