Löhne

Metaller-KV vor der nächsten Verhandlungsrunde

Vor der nächsten Verhandlungsrunde zu den Löhnen der Metallindustrie drängen Vertreter der Firmenchefs darauf, sich an der europäischen statt der österreichischen Teuerungsrate zu orientieren. Für Mitarbeiter wäre das kein guter Deal, so Zahlen der Statistik Austria.

Im Streit im den Kollektivvertrag für die knapp 130.000 Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie wollen die Arbeitgeber als Verhandlungsbasis nicht die nationale Teuerungsrate, sondern die niedrigere europäische heran ziehen. Damit würden die Arbeitnehmer deutlich schlechter aussteigen, wie in Blick in die Daten der Statistik Austria zeigt.

Zum aktuellen Stand der Verhandlungen: Streit statt Einigung beim Metaller-KV >>

Zuletzt lag die Inflationsrate (berechnet auf die vergangenen zwölf Monate, wie dies bei den KV-Verhandlungen üblich ist) in Österreich bei 2,0 Prozent, innerhalb der EU bei 1,5 Prozent. In der Eurozone waren es 1,4 Prozent, in Deutschland 1,6 Prozent. Wobei im Nachbarland die Inflation weiter gesunken ist.

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Es wäre kein guter Deal für die Mitarbeiter

Zum Vergleich: Im November des Vorjahres, als der jetzt noch gültige Kollektivvertrag für die Metallindustrie abgeschlossen wurde, lag die Zwölf-Monats-Inflationsrate in Österreich bei 0,9 Prozent und in der EU bei 0,2 Prozent. Die Sozialpartner einigten sich damals auf eine Lohn- und Gehaltssteigerung von 1,65 Prozent.

Helmut Hofer, Makroökonom vom Institut für Höhere Studien, ist über den Wunsch der Arbeitgeber, die europäische Teuerungsrate heranzuziehen, etwas überrascht. Allerdings: "Rein ökonomisch haben beide Seiten recht." Es gehe schlicht darum die Gesamtkosten-Kompatibilität abzuklären, meinte er auf APA-Anfrage. Ein Teil davon seien die Produktionskosten, auf die auch Wifo-Experte Thomas Leoni hinweist.

Wie auch Hofer bemerkt Leoni aber auch, dass es Sinn macht - wie bisher - als Kerngrößen den Produktivitätszuwachs und die nationale Teuerungsrate heran zu ziehen. Schließlich gehe es darum die Inlandsnachfrage nicht zu schwächen. Und er warnt davor, dass der Wunsch der Industrie nach einer Europa-Inflationsrate auch nach hinten losgehen kann. "Es kann ja sein dass die Teuerungsrate in anderen Ländern höher liegt", so Leoni.

Kennzeichen der Metallindustrie

In der Branche arbeiten hierzulande knapp 130.000 Menschen. Die meisten Betriebe sind in Familienhand. Mehr dazu: Österreichs metalltechnische Industrie: 130.000 Jobs in Familienhand >>

Hintergrund zum KV: Darum ist die Inflationsrate wichtig

Die Inflationsrate bildet gemeinsam mit dem Produktivitätszuwachs die Basis für das Feilschen um die Kollektivverträge. Genannt wird dies die "Benya-Formel", benannt nach dem mittlerweile verstorbenen SPÖ-Spitzengewerkschafter Anton Benya. Ziel dieser Formel ist es, die Einkommensentwicklung der Leistungskraft der Unternehmen anzupassen und durch Lohnabschlüsse über der Teuerungsrate auch den Konsum zu stimulieren.

Die Metalltechnische Industrie verhandelt am kommenden Montag in der 5. Runde über den Kollektivvertrag weiter, bereits seit heute gibt es aus Protest gegen die Verhandlungsführung durch die Arbeitgeber bundesweite Betriebsversammlungen. Gibt es auch nächsten Montag keine Einigung, dürften Warnstreiks die nächste Stufe sein. Insgesamt sind in der Metallindustrie rund 185.000 Personen beschäftigt - und noch einmal so viele im Metallgewerbe, die gesondert verhandeln. (apa/red)