Lohnverhandlungen

Metaller-KV: Der Ton zwischen den Sozialpartnern wird schärfer

In den Verhandlungen zu den Kollektivverträgen der Metaller drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Lösung - und verweisen auf eine "ziemliche Unruhe in den Betrieben". Die Arbeitgeber lehnen die Forderung nach drei Prozent mehr Lohn oder ein Gehaltsplus von mindestens 75 Euro als "realitätsfremd" ab.

Die Gewerkschaften der Metaller- und der Privatangestellten haben mit bundesweit sieben Konferenzen der Betriebsräte ihren Druck auf die Kollektivvertragsverhandlung erhöht. Sie kündigten an, dass als erster Schritt Betriebsversammlungen einberufen werden, die durchgeführt werden, wenn es bei der nächsten Verhandlungsrunde am 3. November keine Einigung mit den Arbeitgebern geben sollte. Wie berichtet fordern die Beschäftigten drei Prozent mehr Lohn oder eine Lohnerhöhung von 75 Euro.

Gewerkschaften: Zwei Dritteln der Betriebe geht es gut

Nach einer Konzerenz der Betriebsräte mit 380 Teilnehmern in Leonding in der Nähe von Linz hat Rainer Wimmer, der Chef der Produktionsgewerkschaft, seine Kritik an der Arbeitgeberseite wiederholt. Die Arbeitgeber hätten die Forderung der Beschäftigten gleich als "realitätsfern und absurd" abgestempelt.

Weiters kritisierte Wimmer, die Arbeitgeberseite sei nicht bereit, ein Gegenangebot zu machen, wenn die Forderung der Beschäftigten nicht nach unten geschraubt werde. Das wollen die Gewerkschafter nicht akzeptieren.

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Die Vertreter der Beschäfigten argumentieren mit gestiegener Produktivität in den Betrieben sowie mit den gestiegenen Gewinnen und Ausschüttungen von Dividenden an die Aktionäre und Anteilseigner. "Da müssen die Arbeitnehmer mitgenommen werden, jetzt sind sie dran", sagte Wimmer. Es müsse auch "honoriert" werden, dass die Arbeitnehmer im Vorjahr mit einem Modell zur Arbeitszeit-Flexibilisierung in Vorlage getreten seien - "ein massiver vertrauensvoller Schritt in Richtung Arbeitgeber".

Die Beschäftigten fordern auch die Weiterentwicklung des Rahmenrechtes. Dazu gehören unter anderem eine Woche Bildungsfreistellung bei Weiterbildung, eine bessere Anrechnung von Karenzzeiten auf dienstrechtliche Ansprüche und der Rechtsanspruch auf einen unbezahlten Papamonat plus Kündigungsschutz.

FMMI: Betriebe berücksichtigen, denen es nicht so gut geht

Dagegen besteht Christian Knill vom Fachverband FMMI darauf, dass man bei einer Erhöhung der Kollektivverträge auch die Bedürfnisse auch jener Betriebe berücksichtigen müsse, denen es nicht so gut geht. Diese größte Industriebranche Österreichs zähle rund 1.200 Betriebe und beschäftige 120.000 Mitarbeiter, so der Obmann des Fachverbands der Maschinen-, Metallwaren und Gießereiindustrie (FMMGI).

Die Gewerkschaften stehen diesem Wunsch skeptisch gegenüber. Schließlich gehe es der Mehrheit der Betriebe sehr gut, so Rainer Wimmer gegenüber dem "Ö1 Abendjournal" des ORF: "Wenn es zwei Dritteln der Betriebe gut geht, dann geht es der Branche sehr gut. Und da werden wir Lohnabschlüsse nach den schlechtest gehenden Betrieben nicht machen."

Bei den Betriebsversammlungen am 7. und 8. November sollen die Belegschaften informiert und weitere gewerkschaftliche Maßnahmen beschlossen werden. Möglich seien die Leistung von weniger Überstunden, Betriebsversammlungen über Stunden oder Schichten und öffentliche Kundgebungen. Parallel soll es auch Gespräche mit den einzelnen Geschäftsführungen geben.

Arbeitgeber: "Faire" Lohnsteigerung jederzeit

Als Reaktion daraf betont Christian Knill, der Chefverhandler der Arbeitgeber, demonstrativ "Vernunft und Augenmaß". zurückzukehren. Statt der geforderten drei Prozent Gehaltsplus lägen die Vergleichswerte der Arbeitgeberseite zwischen 1 und 1,45 Prozent.

Die Arbeitgeberseite sei "selbstverständlich zu Lohn- und Gehaltserhöhungen bereit", dabei müsse aber die Lage aller Betriebe, auch jener, denen es nicht gut gehe, berücksichtigt werden. Die "objektiven Daten" seien eine Inflation von 0,75 Prozent, eine gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung von 0,5 Prozent und eine Produktivität der Metaller "bei mageren 0,15 Prozent" und einem Wachstum der Branche "bei knapp über null".

Fachverband beziffert das Wachstum der Branche mit "knapp über null"

"Anstatt auf dieser Faktenbasis zu verhandeln, argumentieren die Gewerkschaften öffentlich mit bislang nicht belegbaren Daten zu unserer Branche. Fakten negieren und stattdessen auf Mythen setzen ist Populismus in Reinkultur und Gift für sachliche Verhandlungen", so Knill.

Wimmer und Wagner hätten mit ihrer "unvernünftigen Forderung die Verhandlungen in eine Sackgasse geführt". Sollte es bei der nächsten Verhandlungsrunde am 3. November eine "realistische Forderung" geben, könne zügig weiterverhandelt werden.

Verhandlungen auch bei fünf weiteren Industrie-Metallerverbänden

Neben dem FMMI verhandeln auch die fünf weiteren Industrie-Metallerverbände. Insgesamt geht es um den Kollektivvertrag von rund 180.000 Beschäftigten. Die Verhandlungen für die 200.000 Beschäftigten des Metallgewerbes sind ebenfalls schon gestartet. Am 19. Oktober haben die Gespräche für die 500.000 Handelsangestellten begonnen. (red/apa)

Der Mindestlohn in der Metallindustrie liegt bei 1.750 Euro brutto, im Handel sind es 1.500 Euro.

(red)