Wenn das Zeitkonto am Tisch bleibt

Metaller ab Dienstag in unbefristetem Streik?

"Wir sind bis zum Äußersten bereit. Wir werden ab Dienstag in einen unbefristeten Streik eintreten, wenn die Arbeitgeber nicht einlenken", sagte Rainer Wimmer, Verhandlungsführer der Produktionsgewerkschaft Pro-GE am Mittwoch. FMMI-Verhandler Christian Knill sieht die Sache andersrum: "Wir sind ihnen letzte Nacht in großen Schritten entgegengekommen, nun erwarte ich mir Schritte von den Gewerkschaftern". IV-General Neumayr appeliert an die Vernunft der Verhandler.

Nach der heute Nacht gescheiterten Runde für die rund 120.000 Beschäftigten der Betriebe im Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) ist die Lage eskaliert. Im Vorstoß der Arbeitgeber, den "Bann" zu brechen und "Überstunden nicht mehr mit Überstundenzuschlägen zu entlohnen", sieht die Gewerkschaft die Metaller als Speerspitze für andere Verhandlungen. Ginge es so durch, wären alle Arbeitnehmer im Land davon betroffen, "weil wir ja doch eine Leitfunktion haben", sagten Wimmer und sein Kollege Karl Proyer (GPA-djp).

Mit der versuchten Aushöhlung der Überstundenzuschläge (Stichwort: Zeitkonto, hier mehr dazu) würde die Last der Auftragsschwankungen an die Arbeitnehmer abgewälzt, kritisiert die Gewerkschaft. Damit würden die Arbeitnehmer zu Tagelöhnern degradiert, der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert. Dagegen werde man mit aller Kraft ankämpfen, wurde heute versichert. "Es kommt nicht in Frage, dass die Leute Geld verlieren." Die Arbeitnehmervertreter wollen das Arbeitszeit-Flexibilisierungsthema auf jeden Fall einmal von der laufenden Lohnrunde entkoppelt haben. Heute Nacht wurde aber auch das aktuelle Arbeitgeberangebot von 2,3 Prozent als unzureichend abgelehnt.

Aufhalten kann den Arbeitskampf nur mehr ein Einlenken der Arbeitgeber, wie die Gewerkschafter sagen. Bis 28. Oktober Mitternacht müsse ein neues und deutlich besseres Angebot für einen Lohnabschluss auf dem Tisch liegen, das höher ist als die zuletzt gebotenen 2,3 Prozent. Die Arbeitnehmerforderung lautet auf 100 Euro, mindestens aber ein Plus von 3,4 Prozent. Vor allem aber will die Arbeitnehmervertretung das Reizthema "Zeitkonto" überhaupt nicht auf der Agenda der KV-Runde haben.

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FMMI-Obmann Christian Knill sieht in den verfahrenen Verhandlungen um einen Kollektivvertrag für die Maschinen- und Metallwarenindustrie die Gewerkschaften gefordert. "Wir sind ihnen in großen Schritten entgegengekommen, nun erwarte ich mir Schritte von ihnen", so Knill am Mittwoch zur APA.

Zu dem Entgegenkommen der Industrie bei der gestrigen Verhandlungsrunde zählt Knill eine Lohnerhöhung von 2,3 Prozent, auch für die Mindestlöhne und die Lehrlingsentschädigungen, sowie ein Kompromissangebot beim Zeitkonto. Hier hätte es eine Korridorlösung geben können, so Knill. Lesen Sie weiter auf Seite 2...