Mautsystemanbieter

Mautsystemanbieter Kapsch Trafficcom fordert mehr Maut

Maut sei die Lösung für die Finanzierung und die Steuerung des Verkehrs, die Staus in den Städten könnten damit um 70 Prozent reduziert werden, meint Georg Kapsch, Konzernchef von Kapsch Trafficcom. Dieses Wiener Unternehmen ist ein Mautsystemanbieter.

Ohne Maut wird künftig weder die Finanzierung von Straßen - und Schienen-, noch die effiziente Steuerung des Verkehrs möglich sein, ist Georg Kapsch, Konzernchef des Mautsystemanbieters Kapsch Trafficcom überzeugt. Denn nach den "Corona-Verschwendungsmaßnahmen" werde nicht mehr genug Geld zur Verfügung stehen, um Verkehrsinfrastruktur zu bauen. "Die Finanzierung der Straßeninfrastruktur wird das Thema der Zukunft, das ist ein extrem wachsender Markt", so Kapsch im Gespräch zur APA.

Aber ebenso wichtig sei der verkehrssteuernde Effekt einer Maut. "Sie werden à la longue den Verkehr nur dann steuern können, wenn Sie das Fahrverhalten an finanzielle Rahmenbedingungen koppeln". Das heißt, die Nutzung der gleichen Strecke kann je nach Verkehrsaufkommen oder nach Tageszeit unterschiedlich viel kosten.

Das Modell werde zwar auch für Autobahnen sinnvoll sein, noch spannender sei es aber für Städte. Wobei die beste Lösung für urbane Gebiete eine Kombination aus einer Maut und einer Verkehrssteuerung durch Information sei. Damit gebe es nicht unbedingt weniger Verkehr, aber man könne den Stau "gewaltig" reduzieren. Schon mit einem guten Verkehrsmanagementsystem könnten Staus kurzfristig um mindestens 30 Prozent verringert werden, kombiniert mit einer City Maut "kommen Sie relativ leicht auf 70 Prozent" weniger Stau, so Kapsch.

>> Hören Sie hier ein ausführliches Gespräch mit Georg Kapsch: "Wir müssen uns neu aufstellen"

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"Interaktive" Informationssysteme

Wobei das Informationssystem idealerweise "interaktiv" wäre, also auf das aktuelle Verkehrsgeschehen reagiert. Der Unterschied zwischen einer Situation mit hauptsächlich menschlichen Fahrern im Vergleich zu autonomen Fahrzeugen: Bei Menschen muss man hoffen, dass sie sich an die Empfehlungen halten, autonome Fahrzeuge könnten direkt gesteuert werden.

Die einzelnen Elemente der Verkehrssteuerung sind dabei sehr anspruchsvoll. So hat sich Kapsch Trafficcom an einem Unternehmen beteiligt, das sich nur auf die Frage spezialisiert, wie die Information über unmittelbar bevorstehende Ampelschaltungen an Fahrzeuge kommuniziert werden. Denn nur wenn der Fahrer - oder ein künftiges autonomes Fahrzeug - im Voraus weiß, dass die nächste Ampel Rot sein wird, kann das Fahrtempo ideal eingestellt werden.

"Wir sind kein Ampelhersteller"

Kapsch Trafficcom selber entwickelt inzwischen vor allem Plattformen, um die entsprechende Information umzusetzen. "Wir sind ja kein Ampelhersteller" so Kapsch, der schätzt, dass sein Unternehmen inzwischen zu 75 Prozent Softwareunternehmen ist.

Und Dienstleistungen anbietet, etwa die Mautabrechnung im Hintergrund. Denn das Mautgeschäft ist sehr regional, jede Stadt geht ihren eigenen Weg. Für Konsumenten dürfte das aber kein Problem werden - "Sie werden einen Service-Provider haben, der Ihnen die Maut macht über ganz Europa, der Ihnen die Verkehrssteuerungsdaten ins Fahrzeug liefert". Für die USA habe Kapsch bereits ein Service gestartet, wo der Kunde per App jede Maut zahlen kann, ohne sich darum zu kümmern, wer ihm gerade eine Maut verrechnet.

Auch Kapsch Trafficcom zählt sich plötzlich zur "Green Economy"

Kapsch sieht sein Unternehmen mit der Verkehrssteuerung als "Teil der Green Economy". "Klimawandel ist für uns ein Motor. Denn wir sind mit unseren Produkten und Dienstleistungen jemand, der überproportional viel beiträgt zur Reduktion der Klimaschädigung durch den Verkehr. Das ist sicher ein Vorteil für uns für die Zukunft", sagt Kapsch. Das gelte für autonome wie auch für konventionelle Fahrzeuge. Diese Überlegungen gelten auch unabhängig davon, ob die Zukunft dem E-Auto, dem Wasserstoffauto oder doch noch länger dem Verbrennungsmotor gehören, und auch unabhängig davon, wann autonomes Fahren Realität wird. (apa/red)