Coronavirus

Massive Einschränkungen: Österreich ab Montag im Notbetrieb

Im Kampf gegen das Coronavirus greift Österreichs Regierung zu drastischen Maßnahmen. Die Bewegungsfreiheit wird massiv eingeschränkt. Wie sich diese Schritte auf die Industrie auswirken werden, ist derzeit offen.

Die Maria-Theresien-Straße in Innsbruck, aufgenommen am Sonntag, 15. März 2020.

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus greift Österreich zu drastischen Maßnahmen. Wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Sonntag in einer Sondersitzung des Nationalrats erklärte, wird es ein Versammlungsverbot geben. Die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum wird erheblich eingeschränkt. Restaurants müssen ab Dienstag schließen, ebenso Parks und Spielplätze. Zudem sollen ehemalige Zivildiener eingezogen und Teile der Miliz aktiviert werden.

Österreich schaltet ab Montag "in den Notbetrieb"

"Die Bewegungsfreiheit in unserem Land im öffentlichen Raum wird massiv eingeschränkt", erklärte Kurz: "Die Österreicher und Österreicherinnen werden aufgefordert, sich selbst zu isolieren, das bedeutet soziale Kontakte ausschließlich mit jenen Menschen zu pflegen, mit denen sie zusammenleben."

Ab Montag sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, Österreich "in den Notbetrieb" kommen. Das Haus soll nur noch verlassen werden, für Berufsarbeit, die nicht aufzuschieben ist, dringende Besorgungen wie Lebensmittel und um anderen Menschen zu helfen. Am Vorabend sagte der Bundeskanzler gegenüber dem ORF: "Wir stehen in Österreich vor der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg."

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Wer im dringenden Fall ins Freie möchte, "der darf das ausschließlich alleine machen oder mit den Personen, mit denen er in der Wohnung gemeinsam zusammenlebt".

Ferner kündigte Kurz eine zusätzliche Verschärfung der Einreisebestimmungen an, etwa aus Russland, der Ukraine, Großbritannien und den Niederlanden. Die bevorstehende Ausmusterung von Grundwehrdienern soll gestoppt, bestehende Zivildiener verlängert, ehemalige mobilisiert werden. Die zuständigen Ministerinnen, Klaudia Tanner (Verteidigung) und Elisabeth Köstinger (Zivildienst) werden am Nachmittag die Maßnahmen im Detail erläutern.

Stadt Wien: 35 Millionen Euro für lokale Betriebe

Die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien stellen ihren Betrieben insgesamt 35 Mio. Euro als erste Hilfe während der Coronavirus-Pandemie zur Verfügung. Der Fokus liegt dabei auf Ein-Personen-Unternehmen sowie Klein- und Mittelbetrieben. Das Paket besteht aus Bürgschaften zur Liquiditätsstärkung (12 Mio.), Notlagenfonds (20 Mio.) und Mittelaufstockungen des waff (3 Mio.). Weitere Maßnahmen werden kommen am 18. März im Anschluss an den Sozialpartnergipfel im Rathaus präsentiert, teilten die Stadt und die Kammer mit.

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Vizekanzler Werner Kogler (l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz während der Sondersitzung des Nationalrats am heutigen Sonntag.

Verkäuferinnen in den Supermärkten "Heldinnen des Alltags"

Menschen hätten das Problem zu verstehen, was ein exponentieller Zuwachs der Fälle bedeute, sagte Vizekanzler Kogler. Er sprach daher von einer "explodierenden Zunahme". Das Erreichen der 100.000er-Grenze drohe demnächst. Es gehe darum, Verhältnisse wie in der Lombardei oder in Bergamo zu verhindern.

"Halten Sie Abstand, das ist das, was am meisten hilft", so Kogler. Viele hätten das noch nicht genug verstanden. "Bitte halten Sie sich daran, und machen Sie nurmehr die notwendigsten Erledigungen außerhalb Ihrer Wohnung. Treffen Sie sich auf keinen Fall in kleineren oder größeren Gruppen."

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) rief im Nationalrat ebenfalls in drastischen Worten auf, alle Sozialkontakte ab sofort extrem einzuschränken. Dass sich weiterhin Menschen in Parks versammelten oder die Einkaufsstraßen bevölkerten, wie ihm zuletzt berichtet worden sei, müsse sofort aufhören. Sportvereinen drohte er bei Zuwiderhandeln mit Subventionsentzug. Kogler sagte den Supermarktverkäuferinnen Dank, sie seien die "Heldinnen des Alltags". Dank gelte auch allen anderen Helfern, etwa Lehrern, Pflegern und Ärzten. Es gehe ums Zusammenhalten und Zusammenhelfen, so Kogler.

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800 Infizierte in Österreich - bisher ein einziger bestätigter Toter

Die Zahl der an dem Coronavirus infizierten Personen ist in Österreich stark angestiegen: Mittwoch waren es 206, am Donnerstag 302, am Freitag 428, am Samstag 602 und am Sonntag bereits 800 Infizierte. "Diese Steigerung darf sich nicht fortsetzen - wir müssen durch sehr konsequente Maßnahmen dafür sorgen, dass sich die Steigerung verlangsamt", so Anschober. 

Am Sonntag ist ein 65-jähriger Mann, der im Verdacht stand, sich mit dem neuen Coronavirus infiziert zu haben, im Kaiser-Franz-Josef-Spital gestorben. Der Patient wies schwere Vorerkrankungen auf, wie der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bekanntgab. Ob der Mann tatsächlich das Coronavirus hatte, steht derzeit nicht fest. Falls das der Fall sein sollte, wäre es der zweite Todesfall wegen des Virus in Österreich. (apa/red)

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Corona, Coronavirus, Spital, Sicherheitsdienst, Security, Epidemie, Viruserkrankung, Wien © APA/GEORG HOCHMUTH

Kontrollen am Eingang zum Franz-Josef-Spital in Wien.